Maria Magdalena

Wahrscheinlich hat jeder von Ihnen die Geschichte der maybe heimlichen Liebe von Jesus Christus schon einmal gehört, aber wer von uns hat sich schon einmal mit ihrer Rolle in der Geschichte auseinandergesetzt?



Egal in welcher Kunstrichtung, Maria Magdalena, das weibliche „enfant terrible“ prägte wie wenige unsere Kultur.

Egal ob Andrew Lloyd Webbers Jesus Christ Superstar, Oliver Stones „die letzte Versuchung Christi" oder der da Vinci Code von Dan Brown. Maria Magdalena war immer die heimliche Friktion, die den Kessel der Moral in Frage stellte, indem man ihre gesellschaftliche Stellung als Prostituierte problematisierte.

Da war doch tatsächlich eine Frau, die es wagte, mit „käuflicher Liebe“ das Leben zu meistern. Wie konnte sie nur, hätte sie nicht, wie andere demütig heiraten und Kinder gebären können? Nein, wahrscheinlich hätte sie das nicht. Sie war unterprivilegiert und so wie viele Juden war sie in ihren Möglichkeiten sehr beengt.  

Die Körperlichkeit war etwas, dass ihr, zumindest in der Jugend eine Idee von Zukunft garantieren konnte, und weil sie zum Bodensatz der Gesellschaft gehörte, gab es auch keine Alternative. Bis sie diesen komischen Hippie traf, der Selbstlosigkeit predigend durch die Straßen von Nazareth und Jerusalem tigerte und handwerkliches Volk um sich versammelte. Er war der einzige, dem Stand und Status egal waren und der den Menschen in ihr Herz schaute und deshalb war Maria von Magdala für ihn auch nicht eine billige Nutte, sondern eine geschundene schöne Frau, die eine Chance nutzte, die es eigentlich nicht gab.  

Entgegen der allgemeinen Meinung war es jedoch zur Zeit um das Jahr Null oder kurz davor nicht üblich, dass Frauen keine Theologischen Ämter besetzten, es war nicht das Geschlecht, sondern ihre soziale Stellung, die über den jeweiligen Beruf entschied, weshalb es für Jesus in keinerlei Hinsicht einen Grund gab, sie nicht für potentielle prediale Aufgaben zu wählen.

Ob sie eine solche eingenommen hat oder ob sie die Geliebte des Heilands bzw. dessen Sohn war, wird wohl nie final geklärt werden können, sicher ist jedoch, dass ihr Einfluss, bei all den Versuchen, nie aus der Kultur getilgt werden konnte. Noch heute erstrahlen Kirchen mit Bildern von Caravaggio und anderen, die sich mit dieser sonderbaren Frau auseinandersetzten. Dass Caravaggio selbst wohl homosexuell war und ein Verbrecher dazu, ist ein weiteres kleines Detail, was einen aufhorchen lassen sollte, denn offensichtlich war und ist möglicherweise die katholische Kirche im Besonderen von ambivalenten Persönlichkeiten nachhaltig geprägt worden.

Mörder malten Bilder von Prostituierten, um das Wort Gottes zu verkünden. Entweder ist unser Bild vom Mörder oder seinem Modell unvollständig oder gar falsch oder, die katholische Kirche hat an einigen Stellen ihre eigene Historie nicht verstanden oder richtig aufgearbeitet. Und damit möchte ich keinem ans Bein pinkeln, sondern auch einer scheinbar verknöcherten Institution die Möglichkeit zur Re-invention geben.  

Laut Benedikt dem XVI war die katholische Kirche eine der wenigen, die Frauen andere und nicht prediale Aufgaben zuerkannte, weshalb es keine weiblichen Priester gibt, er selbst erwähnt die Selbstverständlichkeit von Frauen in anderen theologischen Vereinigungen und das nicht, die Anwesenheit von Frauen in Führungspositionen unique war, sondern dass es ihnen nicht gestattet wurde.  

Warum, darauf wird leider nicht näher eingegangen und was Maria Magdalena an sich hatte, sodass ihr der Sohn Gottes wohl verfallen sei, ist auch nicht überliefert. Was aber nicht zu leugnen ist, ist, dass es da jemanden gab, der in Konfrontation mit einem Jesus von Nazareth den Mut fand, die eingetretenen Pfade zu verlassen. Das Auskommen zu riskieren, um einem armen Prediger mit blindem Idealismus zu folgen.  

Der sich lieber ans Kreuz nageln lässt, als geläuterte Nutten oder Diebe wie Saulus und so viele andere, für ihre Verfehlungen zu geißeln.  

Ihn schlug man für den Vorwurf, Kirche zu Verkaufen(Palmen Sonntag) und den Glauben zu verraten mit einer Dornenkrone ans Kreuz. Nicht ohne hämischen Hashtag „INRI“, damit jeder sieht, was wir nicht akzeptieren wollen.  

Und trotz allem was passiert ist, der Himmel verdunkelte sich und ein Sturm wütete, den keiner vorher gesehen hatte (Bei Sodom und Gomorra standen alle noch als Quark im Kühlschrank, oder unter der kühlen Erde), haben wir nicht gelernt. Wir stellen andere bloß, weil sie dem Mainstream nicht entsprechen, prangern Menschen für einen Lebenswandel an, den wir nicht verstehen und neiden wieder andere, weil wir ihren Altruismus nicht nachvollziehen können.  

Homosexuelle sind immer noch Schwule, Farbige Neger, Bordsteinschwalben dreckige Nutten, deren Nachwuchs Hurensöhne sind. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn mir Maria Magdalena begegnet wäre, ich hätte ihr möglicherweise nicht widerstehen können und sie vermutlich allein deshalb nicht ignorieren können.  

Vermutlich war sie weit mehr als eine schöne Frau und Jesus weit mehr als ein kiffender Hippie, der Wein zu Wasser und Ton zu Leben verwandeln konnte.  Ich gehe mal davon aus, dass wir alle nichts verstanden haben, aber das ist doch auch gut so, denn was bleibt vom Zauber, wenn man seine Mechanik durchschaut hat.  Vielleicht können wir aus dem ganzen Umstand lernen, dass man eben nicht alles lernen und begreifen kann, aber das Genießen, hat keiner verboten.

Was wohl eher verboten oder zumindest illegitim war, ist Ignoranz, die Unfähigkeit zur Selbstreflektion und nicht Fehler, die aus Notwendigkeit oder Unwissenheit begangen wurden.  

Gehen Sie mal wieder in eine der unzähligen Kirchen und schauen Sie mal an die Wände, statt nicht in die schwarze Seele, oder den leeren Klingelbeutel, Sie werden schon sehen.

Und das Stoßgebet, das Ihnen möglicherweise doch durch den Kopf schwirrt, oder andere Gedanken die Sie nie in Worte fassen würden, hört ja eh keiner, Gott ist tot und Telepathie nicht möglich. Oder nicht oder doch?!  

Bis morgen,  

Bild und Text: adolf.muenstermann@gmail.com



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