Raum Schau statt Schau Raum

Wie jede Großveranstaltung wurde auch der diesjährige „Schau Raum“ in Münster von der Stadt abgesagt.

Das Fest der Museen und Galerien, welches sich normalerweise mit Lichtshows unter anderem am „Roten Platz“ und am Erbdrostenhof abspielt fiel COVID 19 zum Opfer - sehr zum Bedauern der Galeristen und vor allem der Künstler.

Auch bei Thomas Hoffmann und Dieter Nussbaum, Galeristen der Overhead Gallery in Münster, war der Frust groß. Die beiden Initiatoren der diesjährigen „Raum Schau“ wollten und konnten sich nicht damit zufriedengeben, dass eine weitere alljährliche kulturelle Veranstaltung in Münster ins Wasser fällt.


Die Unterlassungsanordnung der Stadt, erfolgte erst fünf Wochen vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung des „Schau Raum“ - Hoffmann erzählt lachend, dass die Genehmigung für die „Raum Schau“ im Jovel erst neun Tage vor der Ausstellung eintrudelte. So spontan die Idee den beiden Initiatoren kam, so schnell musste die Vorbereitung von statten gehen.


Hoffmann und Nussbaum sind sich in der Sache einig, dass sie der Stadt keine auswischen wollen, sondern viel mehr darauf hinzuweisen, dass es trotz der Umstände Möglichkeiten gibt. Nussbaum sagt hierzu: Es ging darum, aus der Warteposition zu kommen und vielmehr „ein normales Leben mit Corona zu leben“ und „die Alternative war besser, als nichts zu tun“.


Die beiden Initiatoren schrieben allen Galerien in Münster und Umgebung, insgesamt 42 Institutionen, von denen sich aber lange nicht alle zurückmeldeten. Dennoch entschlossen sich schließlich sechs Galerien mitzumachen.


Auf die Frage von stadt4.0, was sie sich von der spontanen Alternative versprechen, äußert sich Nussbaum, es wäre erst einmal wichtig, mit keiner Erwartungshaltung an die Sache zu gehen. Es wäre schließlich auch nicht sicher, ob die Gesellschaft es überhaupt annimmt. Doch scheint er sehr zufrieden dabei auszusehen.


Abgesehen von der Problematik hinter jeder Großveranstaltung heutzutage, ist es schlussendlich auch die Stadt, die ein größeres Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen muss. Die Veranstalter und Initiatoren solcher Ereignisse müssen sich in diesem Fall innovative Gedanken machen um, wie Silvia Bahr es formulierte „aus der Opferrolle“ herauszukommen.


Thomas Hoffmann und Dieter Nussbaum haben sich auf jeden Fall Gedanken gemacht, noch am 6. und 7. Juni 2020 fand die erste Drive-In Art Gallery mit Namen „Nachtbrötchen“ am Kölner Flughafen statt, welche weltweites Aufsehen erregte. Nussbaum erwähnt begeistert, dass an den zwei Tagen über 3000 Autos an den ausgestellten Werken vorbeigefahren wären.


Zu Zeiten von social distance und Solidaritätszusprüchen ist die Übereinkunft zwischen Drive-In und Kunst wohl eine perfekte Balance, den Menschen Kunst und Kultur näher zu bringen.

Dieser Anspruch ist ebenfalls einer der Ausgangspunkte von Hoffmann und Nussbaum, ungewöhnliche Orte für die Präsentation von Kunstwerken zu nutzen um schließlich eine breitere Öffentlichkeit für Kunst und dessen Ausdruck zu begeistern.


Die alternative „Raum Schau“-Ausstellung im Jovel bei Martin Lindenberg, ist ein gelungener spontaner Lösungsweg, um mit Corona umzugehen und zu leben.

Musikalisch begleitet wurde die Ausstellung von Ronja Maltzahn, welche in unterschiedlichen Sprachen und einer angenehm sanften Stimme, den Außenbereich besang.


Das Jovel, sonst eher als Partylocation und für live Musik bekannt, bot einen ungewöhnlich klar definierten und idealen Ausstellungsraum. Selbst wenn einem Veranstaltungen noch nicht ganz geheuer sind, ist es in diesen Räumlichkeiten ein leichtes, den anderen Besuchern aus dem Weg zu gehen.


Die Alternativ-Veranstaltung zum „Schau Raum“ kann sich durchaus sehen lassen und erweckt  möglicherweise, bei dem einen oder anderen, Tatendrang. Darüber hinaus wirkt es so, als entstünden fortschrittliche und neue Kooperationspartner, bei denen die Unternehmen sich helfen und gegenseitig supporten können.


Text und Bild: swan



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