Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Kundgebung in Münster

“Frauen, Leben, Freiheit!” klingt der Protestruf bei der Kundgebung anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen durch die Münsteraner Innenstadt. Das FLINTA*-Bündnis für feministischen Streik in Münster veranstaltete am Freitag von 16-18 Uhr eine Kundgebung auf der Stubengasse.

Die Teilnehmer*innen halten Schilder und Transparente hoch mit der Aufschrift: „Das Leben verteidigen”, „Frau, Leben, Freiheit“ und Bilder und Namen von Menschen aus dem Iran, die bei den feministischen Protesten dort ihr Leben geopfert haben. Vor allem die Farbe orange und violett sind bei der heutigen feministischen Kundgebung präsent.

Der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen wird auch "Orange Day“ genannt und ist ein seit 1981 jährlich am 25. November stattfindender Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen.

Unter dem Motto „Orange Your City“ beleuchten zahlreiche Städte, Kommunen, Institutionen und Unternehmen jährlich am 25. November Gebäude und Wahrzeichen in Orange, um weltweit ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen. Mit Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen an diesem Tag soll die Aufmerksamkeit auf die Stärkung von Frauenrechten gelenkt werden. Unter anderem Themen wie Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, Beschneidung von Frauen, häusliche Gewalt, Zwangsheirat, vorgeburtliche Geschlechtsselektion, weibliche Armut und Femizide werden angesprochen, diskutiert und verurteilt. 

Häusliche Gewalt zählt dabei zu den am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. Statistiken zeigen, dass die Gewalt sogar noch zunimmt. Allein in Europa sind 12% bis 15% der Frauen jeden Tag häuslicher Gewalt ausgesetzt. Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ fokussiert sich mit dem Thema #TrautesHeimLeidAllein auch auf die häusliche Gewalt und schreibt anläßlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen auf dem Instagram-Account: 

“Wir leben in einer Gesellschaft, die so selbstverständlich patriachal organisiert ist, dass sie häusliche Gewalt und Femizide zulässt. Nur allzu leicht wird hingenommen, dass über sexistische Witze gelacht wird, dass Worte zu Taten werden, dass Taten zu Zahlen werden und Zahlen nicht gezählt werden.”

Die Problematik der massiv hohen Dunkelziffern im Bereich der Taten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt wird in diesem Zitat angesprochen. Und das obwohl die Zahlen allein in Deutschland mehr als beunruhigend hoch sind. Im Jahr 2021 wurden jede Stunde durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Insgesamt waren es 143.016 statistisch erfasste Fälle, in denen ein (Ex-)Partner Gewalt ausübte oder es versuchte (Kriminalstatistischen Auswertung zursogenannten Partnerschaftsgewalt).

Allerdings ist wichtig zu betonen, dass Gewalt gegen Frauen keine geografischen Grenzen kennt. Sie kommt bei allen Altersgruppen, Hautfarben und sozialen Klassen vor. Bei den Protesten im Iran, beim Kampf gegen Femizide in Lateinamerika, bei der Frauenbefreiung in den kurdischen Gebieten, beim Kampf um die körperliche Selbstbestimmung und in vielen Aufständen und Revolten weltweit kämpfen Frauen aktuell um ein Dasein ohne Angst und Leid und streben nach einem Leben in Freiheit. 

Bei der Kundgebung wird zum Schluss nochmal betont, dass Freiheit weder östlich noch westlich ist, sie ist international und ohne die Freiheit von Frauen nicht möglich. In Solidarität mit den feministischen Protesten und als Zeichen der universalen Verbundenheit haben sich die Teilnehmer*innen heute auf der Stubengasse zusammengefunden mit dem Ziel, Angst in Widerstand zu verwandeln.

 

 Text und Bild: Patricia Brüggemeier



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