Die Känguru Heute Show Chroniken

Wohlfühl Gutmenschentum zum Mitnehmen. Produziert vom ZDF, dumpf, vorhersehbar, unlustig, problematisch: es ist die Heute Show als Film mit einem Beuteltier statt Olli Welke. Eine Kritik, die unter tiefster Trauer um das nicht-existente deutsche Kino geschrieben wurde.


Ich muss vorweg beichten, dass ich die Känguru Chroniken nie gelesen habe. Jahrelang konnte ich ebenso den tausenden von Fünf-Sterne-Bewertungen auf Audible und dem Exit-Spiel entkommen. Zurecht? Wenn der Film sich nah am Buch hält, dann habe ich bislang nur mit seiner Konsumierung meine kostbare Lebenszeit vergeudet.Zwei Fäuste in die Fresse des deutschen Kinos: Marx...Marc-Uwe Kling und Dimitrij Dschaad als Marc-Uwe Kling.

Die größte Enttäuschung ist sicherlich die Tatsache, dass der Film überhaupt nicht um Kommunismus, geschweige denn Anarchismus geht. Ironischerweise erzählt der Film - genau wie damals Marx - nichts über den Kommunismus, sondern kritisiert nur den Kapitalismus. Letzteres gelang letzterem natürlich deutlich besser, denn außer einer zerstörten Marx-Büste, einem Graffito - „Fuck Neoliberalism“ - und einem Tourette-Artigen, pseudo-intellektuellen Ausbruch vor Gericht, bietet der Film rein gar nichts, was zum politischen Anregen inspiriert. Im Gegenteil, die Darstellung des Kängurus als Schmarotzer dürfte der Bewegung eher schaden als nützen.

Auf der anderen Seite sind natürlich die Populisten. Die rechten Politiker sind korrupt, ihre Wähler strohdumm. Auch hier zeigt man sich ungeheuer stereotyp, denn die Nazis werden als dumm und gewalttätig dargestellt. Selbst wenn Trump dumm wie ein Holzschuh ist, so steckt er immer noch Kinder in Käfige und tötet Menschen per Drohnenangriff - wie Obama vor ihm. So entpuppt sich der Film schnell so politisch wie die kürzliche Verfilmung von Benjamin Blümchen. Die Dummen: Nazis, die einem leid tun.

Der Populist und der Pöbel. Der so schwache Film lässt eher die Seite der Bösen ergreifen.Dadurch werden Rassisten aber eher verharmlost. Nazis soll man hier mit den Fäusten schlagen, nicht mit Ideen. Ebenso kann man dem Film selbst, der gegen Rassismus sein soll, so vorwerfen, ziemlich weiß zu sein. Die einzigen nicht-weißen hervorstechenden Rollen, die Kiosk-Brüder, bedienen die gleichen müden Klischees für Deutsch-Türken, die wir seit 30 Jahren kennen.   

Doch auch die Handlung macht müde. Da es in dem Film nur um den belanglosen Bau, beziehungsweise um dessen Verhinderung, eines phallus-ähnlichen Turmes geht und nicht um wichtige soziale Fragen geht es eher um die Kritik am Immobilienmarkt als am Rassismus. Wie soll der Film das auch anders machen, sind doch keine der Protagonisten aktiv von ihm bedroht, da es alles weiße Deutsche sind und sein sehr, sehr, sehr nerviges Känguru was der anti-Held und anti-Schauspieler Kling glatt selber einsprach.Deutschlands aufgehender Stern am Comedyhimmel: Marc-Uwe Kling (Foto: Sven Hagolani).

Und beim Autor selbst liegt schon der Hund, der ach so lustig durch das Bild fliegt, begraben. In der postmodernen Neuzeit gibt es eigentlich gar keine neuen Ideen. So handelt es sich auch bei den Chroniken um eine Verwurstung von vorwiegend amerikanischen Werken. Was geachtet der zwar auf den Populismus bezogenen Aussage „von den Amerikanern lernen heißt siegen lernen“ fast schon zynisch und wenig selbstreflektiert wirkt. Kling bedient sich nicht der Hommage, sondern er klaut einfach, genau wie sein dämliches Beuteltier.

Die Regeln und die uralte Masche mit dem vielleicht doch eingebildeten Freund stammt aus Fight Club, die absolut unwitzige Anekdote der Hasenpfote stammt aus Pulp Fiction, dort wird eine Uhr im Arsch versteckt und auch bei Big Lebowski wird von Nazis auf den Teppich gepinkelt. Doch all das sind Filme für die Ewigkeit. Sie genießen Kultstatus. Die Känguru - Chroniken scheitern schon beim einfachen Schnitt, bei der Nachbearbeitung und der Hintergrundmusik, weil das eben doch nicht so einfach ist. Nicht nur durch die einfallslose Idee, die vierte Wand in der nervigsten Art aller Zeiten zu durchbrechen und die aus Mangel an Ideen entstandene Intertextualität, die an geistigen Diebstahl grenzt, machen den Film schlecht. Auch der Hauptdarsteller Schaad wirkt sichtlich überfordert mit dieser unterfordernden Rolle. So muss man auch diesem deutschen Film einmal mehr zuschreiben, dass die Deutschen einfach keine Filme drehen können. Mit allem was dazugehört. Der Film ist heute, am 05.03., in die deutschen Kinos gekommen.Was an Story, am Cast, an Kreativität, verloren ging, scheint wohl alles in die Darstellung des Känguru geflossen zu sein, denn das kann sich für eine deutsche Produktion durchaus sehen lassen. Den Film allerdings, sollte niemand sehen.


Foto: © 2000-2020 MR FilmPressKit-online Gmbh/ X Filme, X Verleih     


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