Helmut Flötotto zu Asyl-Vorschlägen: „Moralische Bankrotterklärung“

FLüchtlingsbeauftragter des Bistums zu Gast beim Podcast „kannste glauben“ ( mit Podcast)

Münster - (pbm/acl) - Der Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Münster, Helmut Flötotto, sieht auch nach den Vorschlägen der EU-Kommission in Fragen der Asylpolitik keine Hoffnung für eine gemeinsame Lösung. „Wenn das der größtmögliche Konsens in der EU ist, dann kann man von einer moralischen Bankrotterklärung in Bezug auf die Flüchtlingssituation sprechen“, betonte er in der neuen Folge von „kannste glauben“, dem Podcast des Bistums Münster. Die Vorschläge, darunter schnellere Asylverfahren, eine gerechtere Lastenverteilung bei der EU-Migrationspolitik, seien zwar noch nicht beschlossen, doch gebe es keine Perspektive: „Es ist nicht erkennbar, dass wir zu einer humanitären Flüchtlingspolitik kommen, sondern wir sind eher dabei, die Grenzen dicht zu machen“, sagte Flötotto.


Helmut Flötotto, Flüchtlingsbeauftragter des Bistums, hat im Podcast „kannste glauben“ Stellung zur europäischen Flüchtlingssituation bezogen.  Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann

Die Europäische Union sei in Bezug auf die Flüchtlingspolitik zerstritten. „Es ist keine Einigung in Sicht“, kritisierte er. Nach Meinung des Flüchtlingsbeauftragten sei es notwendig, dass Staaten, die bereit seien, Geflüchtete aufzunehmen, eine Vorreiterrolle einnehmen. „Das ist möglich, das gibt es in anderen Bereichen der EU-Politik auch“, verdeutlichte Flötotto. Kein Land werde gezwungen, Hilfe zu leisten, wenn dies seine Kräfte übersteige. „Aber alle sind zur möglichen Hilfe aufgerufen, und da ist in der EU und erst recht in Deutschland noch viel Luft nach oben.“

Wenig überrascht zeigt er sich in dem halbstündigen Podcast-Format des Bistums Münster von der Entwicklung im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Rund 13.000 Menschen sind vor drei Wochen durch einen Brand obdachlos geworden. „Es war klar, dass das Pulverfass irgendwann explodiert“, erklärte der Flüchtlingsbeauftragte mit Blick auf das Lager, das ursprünglich für 3.000 Flüchtlinge konzipiert worden war, aber von mehr als der vierfachen Anzahl bewohnt wurde: „Darum war es eine Katastrophe mit Ansage, die man lange nicht hat hören wollen.“ Aus Sicht von Flötotto werden die Lager gezielt „so unmenschlich wie möglich“ gestaltet, um die Flüchtlinge abzuschrecken. Für ihn steht aber fest: „Sie machen sich auf den Weg und sie werden sich auch weiterhin auf den Weg machen, weil die Lage in ihren Herkunftsländern zum Teil unerträglich ist.“

Die Episode des Bistums-Podcast „kannste glauben“ mit dem Flüchtlingsbeauftragten Helmut Flötotto ist über die Podcast-Homepage www.kannste-glauben.de abrufbar. Zudem können alle Episoden der Reihe bei Spotify, podcaster.de, Deezer, Google Play und Itunes kostenfrei angehört und abonniert werden.

Kommentar: " Was hat der Mann bloß? Recht hat er!"



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