Besuchszahlen bei LWL-Museen verzeichnen wieder Trend nach oben

1,64 Millionen Menschen besuchten im Jahr 2022 die Museen, Stiftungen und Besucherzentren des LWL.

Westfalen (lwl). Ohne Schließungen wegen der Pandemie, Beschränkungen der Besucher*innenanzahl und Absagen zahlreicher Veranstaltungen gelang es den Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), die Gesamtzahl der Besucher*innen 2022 um rund 500.000 Millionen gegenüber dem Vorjahr auf über 1,6 Millionen zu steigern.


"Das verdanken wir vor allem den vielseitigen Angeboten, die durch den Einsatz und die Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. In mehreren Museen sind die Besuchszahlen schon wieder fast so hoch wie vor der Corona-Pandemie, in einigen liegen sie sogar darüber. Das LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen hat mit rund 137.000 Besucher*innen sogar einen Rekord aufgestellt. "Das Niveau der Gesamtbesucher*innenanzahl vor der Pandemie, als im Jahr 2019 1,9 Millionen Besucherinnen und Besucher kamen, erreichen wir noch nicht ganz. Aber im Vergleich zu den Pandemiejahren sind die Zahlen deutlich gestiegen", so Rüschoff-Parzinger.Die Sonderausstellung "Das Klima" im LWL-Museum für Naturkunde wurde sehr positiv von den Museumsgästen aufgenommen.Foto: LWL/Steinweg


Die LWL-Museen zogen mit besonderen Aktionen das Publikum an. So lockte im LWL-Naturkundemuseum in Münster neben dem wiedereröffneten Planetarium die Sonderausstellung "Das Klima" schon knapp sechs Wochen nach der Eröffnung bereits den 100.000. Besucher an. Ausstellungen zu aktuellen Themen wie "PostMost" auf Zeche Zollern, die Bilder und Kunst von geflüchteten ukrainischen Künstler*innen aus Mariupol zeigt, haben viele Besucher*innen interessiert. Insgesamt rund 150.000 Menschen haben das LWL-Freilichtmuseum Detmold mit der Ausstellung "museum under construction" besucht, die sich mit dem nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauen beschäftigt.



Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Im Laufe des Jahres 2022 hat das Museum mehrere Höhepunkte gefeiert. "Die Jahresbilanz von insgesamt 272.000 Besucher*innen zeigt, dass die Menschen nach den Jahren der Corona-Lockdowns wieder gerne zu uns kommen", so Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs (2021: 202.000; 2019: 279.000).


Das Museum wurde im Februar 130 Jahre alt. Es ist das älteste der 18 Museen des LWL und eines der besucherstärksten in NRW. Mit seinen 2,3 Millionen naturkundlichen Objekten besitzt es westfalenweit die größte Sammlung. "Der Erfolg des Hauses liegt an seinen wechselnden und umfangreichen Ausstellungen mit vielen einzigartigen Ausstellungsobjekten. Auch das Mitte des Jahres 2022 wiedereröffnete Planetarium hat sich zu einem Besucherliebling entwickelt", sagt Kriegs.


Gleich zwei wichtige Ereignisse fanden im Sommer 2022 im LWL-Museum für Naturkunde statt. Die neue Sonderausstellung "Das Klima" wurde im Juni eröffnet. Auf rund 1.000 Quadratmetern können die Museumsgäste in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reisen und das Klimasystem der Erde erleben und erkunden. Das Thema ist aktuell wie nie. Biolog*innen, Geolog*innen, Paläontolog*innen und viele mehr haben bei der Konzeption dieser Ausstellung eng zusammengearbeitet, um allen Interessierten einen umfangreichen Einblick in das Klimageschehen zu geben. Die Sonderausstellung begrüßte im Dezember, nur knapp sechs Monate nach der Eröffnung, den 100.000. Besucher.


Als eines der modernsten Planetarien in Europa hat der LWL im Juli das Planetarium im LWL-Museum für Naturkunde wiedereröffnet. "Frisch saniert und rundum erneuert empfängt das Sternentheater die Planetariumsbesucher*innen nun nicht nur mit einer neuen Soundanlage und einem beeindruckenden Bild, sondern auch mit vielfältigen Veranstaltungsformaten", sagt Kriegs. Allein sieben neue Shows, wie "Meine Heimat", "Lebendige Welten" und "Mission Erde", feierten in diesem Jahr im Planetarium ihre Premiere.


Auch das mobile Planetarium, das Pop-up-Planetarium, war erfolgreich. Eigentlich sollte es lediglich bis zur Wiedereröffnung des Planetariums unterwegs sein, aufgrund der vielen Anfragen von 23 interessierten Städten, Gemeinden und Schulen tourte es jedoch auch noch in der zweiten Jahreshälfte durch ganz Westfalen.Die Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur zu Barbarossa stellt die schillernde Figur des mittelalterlichen Herrschers in den Mittelpunkt.Foto: LWL/Neander



Mit "Barbarossa. Die Kunst der Herrschaft" zeigt das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster noch bis zum 5. Februar eine Ausstellung, die die schillernde und widersprüchliche Figur des Kaisers "Rotbart" und sein europäisches Netzwerk im 12. Jahrhundert vorstellt. Diese kulturhistorische Ausstellung, die Schau über die Dortmunder Fotografin Annelise Kretschmer sowie die Wiedereröffnung des Museums Schloss Cappenberg in Selm zogen 2022 über 119.000 Besucher*innen in die Einrichtungen des LWL-Museums für Kunst und Kultur (2021: 87.000; 2019: 190.000). Davon waren über zehn Prozent (12.000) Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die in den LWL-Museen freien Eintritt haben. 


Eine Ausstellung über den Barockmaler Wolfgang Heimbach, die Schau "Street untitled: shelfstructure" mit Kunstwerken von Phyllida Barlow sowie die Kooperationsausstellungen mit dem Westfälischen Kunstverein in der "Radar"-Reihe ergänzten das Ausstellungsprogramm des Museums. Zahlreiche Konzerte, Lesungen, Filmabende und Vorträge als Teil des Kulturprogramms zogen rund 5.000 Menschen in das Museum. 2022 war die Lange Nacht der Museen mit rund 7.000 Kulturinteressierten wieder fast ein ähnlicher Publikumsmagnet wie in Zeiten vor der Pandemie. Beliebt waren auch die Langen Freitage einmal im Monat: Bei kostenlosem Eintritt besuchten etwa 14.000 Menschen das Museum.


Unter dem Motto "Museum für alle Sinne" gehörten Führungen für dementiell veränderte Menschen, blinde oder sehbehinderte Besucher:innen sowie in Deutscher Gebärdensprache und mit Lautsprachbegleitenden Gebärden oder in einfacher Sprache zum inklusiven Vermittlungsprogramm des Museums. Beliebt waren auch die Familienworkshops für Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind.



In den LWL-Industriemuseen nähern sich die Besuchszahlen langsam wieder dem Niveau aus den Jahren vor der Corona-Pandemie: 442.000 Menschen kamen 2022 in die acht Häuser in Westfalen-Lippe (2021: 213.000; 2019: 512.000). Geprägt war das Jahr von der Rückkehr traditioneller Veranstaltungsformate, aber auch von neuen Impulsen durch das landesweite Medienkunstfestival "Futur 21 - kunst industrie kultur", das im Frühjahr digitale Kunst an die 16 Industriemuseen von LWL und LVR brachte.


Rund 80.000 Gäste verzeichnete die Zeche Zollern in Dortmund im Jahr 2022 (2021: 31.000; 2019: 117.000). Der Kultkarneval "Geierabend" konnte pandemiebedingt noch nicht stattfinden. Später brachten beliebte Veranstaltungen wie die Pfingstkirmes, die ExtraSchicht und der Kunsthandwerker-Markt viele Gäste ins "Schloss der Arbeit". Museumsleiterin Dr. Anne Kugler-Mühlhofer freut sich auch über die gute Resonanz der Sonderausstellung "Erich Grisar. Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa" und die Ende Oktober eröffnete Ausstellung "PostMost" mit Bildern aus der Ukraine (noch bis 24.03.2023). "Wir sind glücklich, dass wir den geflüchteten Künstlerinnen und Künstlern aus der Stadt Mariupol in dieser schwierigen Zeit eine Plattform für ihre Kunst geben können."



Über 22.000 Menschen (2021: 10.000; 2019: 32.000) besuchten in der von März bis Oktober dauernden Saison die Zeche Hannover in Bochum. Besucher-Höhepunkt unter den Veranstaltungen war die ExtraSchicht mit einem 3D-Videomapping an der Fassade des Industriedenkmals. Auf große Resonanz stieß auch die Sonderausstellung "Vom Schuften und Chillen. Warum wir arbeiten". Einen wirkungsvollen Nachklang hat die Soundinstallation "Singing Machine", die die polnische Künstlerin Zorka Wollny gemeinsam mit elf Musiker*innen unterschiedlicher kultureller Hintergründe für das Festival "Futur 21" komponierte. Sie ist dauerhaft im Malakowturm der Zeche Hannover zu hören. "Das Projekt fand inzwischen auch international Anerkennung, und wir werden im kommenden Jahr mit der preisgekrönten Sound-Künstlerin eine Schallplatte zur Installation in der Zeche Hannover herausgeben", so Museumsleiter Dietmar Osses.



Auf der Zeche Nachtigall in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) zog die Zahl der Gäste im Vergleich zum Vorjahr deutlich an: Rund 30.000 Menschen (2021: 15.000; 2019: 38.000) besuchten das LWL-Industriemuseum im Ruhrtal. Traditionelle Veranstaltungen wie das Muttentalfest, der Ökomarkt und der Maus-Türöffner-Tag, die zu großen Teilen im Freien stattfanden, waren nach zwei Jahren Corona-Pause besonders beliebt.  Eindrucksvoll war die Präsentation der großformatigen Bilder industrieller Landschaften des Magnum-Fotografen Josef Koudelka unter dem Dach des Ringofens. Der neue Museumsleiter Gerben Bergstra, seit August 2022 im Amt, freut sich über einen gelungenen Start. "Es war wundervoll zu erleben, wie dankbar die Menschen waren, wieder unbeschwert Kultur zu genießen."



Mit rund 137.000 Besucher*innen übertraf die Henrichshütte Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) ihren bisherigen Besucherrekord von 121.000 Gästen im Jahr 2017. Grund für das Allzeithoch ist der Lichterpark "Lumagica", der zum zweiten Mal in Hattingen gastiert und noch bis zum 8. Januar auf dem Gelände der Henrichshütte zu sehen ist. "Die Menschen brauchen in diesen Tagen Lichtblicke, Lumagica mit allein 40.000 Gästen seit dem 11. November ist der Beweis dafür", sagt Museumsleiter Robert Laube. Das Jahr hatte spektakulär begonnen mit der Präsentation der monumentalen Datenskulptur "Industrial Dreams" des Künstlers Refik Anadol als Teil des landesweiten Medienkunstfestivals "Futur 21". Die im August eröffnete Kooperations-Ausstellung "Power2Change: Mission Energiewende" beleuchtete ein Thema, dessen Dringlichkeit vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs noch einmal deutlich wurde: eine sichere und klimaneutrale Energieversorgung ohne Öl und Gas.



Mit 77.000 Gästen kamen 2022 wieder deutlich mehr Menschen ins Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen) als im Vorjahr (40.000) und fast so viele wie im letzten Jahr vor Corona (82.000). Punkten konnte das LWL-Museum mit seiner runderneuerten Dauerausstellung im Kessel- und Maschinenhaus, das nach längerer Umbaupause seit März 2022 wieder geöffnet ist. "Die neue Präsentation mit ihren vielen spielerischen und digitalen Elementen kommt sehr gut bei den Besucherinnen und Besuchern an", freut sich Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker. Veranstaltungen wie die ExtraSchicht, das Steampunk Jubilee und der traditionelle Weihnachtsmarkt lockten tausende Menschen an.



Mit rund 32.000 Besucher*innen zählte das Textilwerk Bocholt (Kreis Borken) dreimal so viele Gäste wie im Vorjahr (11.000). Dazu trugen auch Veranstaltungen wie das Museumsfest am 1. Mai bei. "Lange war unsicher, ob es unter Corona überhaupt stattfinden kann. Wir sind sehr froh, dass der Betrieb jetzt wieder fast normal läuft", so Museumsleiter Dr. Hermann Stenkamp. Für den Adventsmarkt hatte das LWL-Museum in diesem Jahr erstmals Eintritt erhoben - dem Zuspruch schadete das nicht:  Rund 5.000 Gäste strömten an sechs Tagen in die Weberei. Auf Begeisterung nicht nur bei Modefans stieß die Ausstellung "Coolness". Insbesondere bei Schulklassen punktete das LWL-Museum mit der gemeinsam mit dem Kreis Borken veranstalteten Schau "Überlebensmittel".Der Weihnachtsmarkt in der Ziegelei Lage am ersten Adventswochenende war mit 5.500 Gästen die besucherstärkste Veranstaltung des Jahres.Foto: LWL / Grote


Mit 49.000 Gästen hat die Ziegelei Lage (Kreis Lippe) in diesem Jahr die Besuchszahlen aus der Zeit vor Corona wieder erreicht (2019: 49.000, 2020: 18.000). Lieblinge im Veranstaltungsprogramm waren der Töpfermarkt und der Weihnachtsmarkt mit 3.500 bzw. 5.500 Gästen. Sie konnten nach zwei Jahren Pause erstmals wieder stattfinden. Inhaltlicher Höhepunkt mit Blick auf den Museumsbetrieb ist für Museumsleiter Willi Kulke die Ausstellung "Kunst trifft Technik - Keramik aus dem 3D-Drucker" (noch bis 29.05.2023). "Wir können jetzt auf dem eigenen Drucker 3D-Objekte produzieren und ihn auch im Rahmen von museumspädagogischen Angeboten und Vorführungen einsetzen", so Kulke.



Auf rund 16.000 Gäste kam die Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) im Jahr 2022 (2021: 6.000; 2019: 22.000). "Wir sind glücklich, dass wir nach langer Pause durch die notwendige Ofenreparatur seit März die Schauproduktion im Glasturm wieder aufnehmen konnten und auch unser Museumsfest erstmals wieder stattfinden konnte", erklärt Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus. Auf positive Resonanz stieß bei den Gästen die Sonderausstellung mit Objekten des finnischen Designers Oiva Toikka, mit dessen Arbeiten das LWL-Museum seine Gäste fünf Monate lang in ein "Wunderland der Farben" entführte. Gut kommt auch das neue Konzept der Sammlungspräsentation an. Mitarbeitende der Glashütte präsentieren ihre "Lieblingsstücke" und erlauben damit einen ungewöhnlichen Blick auf die Sammlung Glas und Kunst (noch bis 26.02.2023).Das LWL-Freilichtmuseum Detmold zieht ein positives Fazit der Saison.Foto: LWL/Gerstendorf-Welle


Das LWL-Freilichtmuseum Detmold (Kreis Lippe) blickt zufrieden auf die Saison 2022 zurück: In der ersten Saison, in der das LWL-Museum nach den beiden Corona-Jahren wieder vollständig von April bis Oktober geöffnet werden konnte, haben rund 150.000 Museumsgäste die Einrichtung besucht (2021: 124.000; 2019: 188.000).


"Der thematische Fokus auf das Bauen unter dem Titel 'Museum under constructionâ¿¿ griff in dieser Saison die Bauarbeiten für das neue Eingangs- und Ausstellungsgebäude vor den Toren des Museums auf und rückte damit historische und moderne Materialien und Methoden auf besondere Weise in den Fokus", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. "Die Baustoffe Lehm, Holz und Öko-Beton verdeutlichen an den Geländestationen genau die Inhalte des nachhaltigen Bauens, die auch im Neubau zentral in der Umsetzung sein werden."


Aufgrund der Einschränkungen der letzten beiden Jahre war die Idee entstanden, anstelle einer klassischen Sonderausstellung einen Themenparcours im Museumsgelände aufzubauen, der allen Besucher*innen immer frei zugänglich ist. Passend zu der Bautätigkeit für das zukünftige Eingangs- und Ausstellungsgebäude finden sich im gesamten Freigelände zahlreiche Stationen, an denen historische wie aktuelle Bautechniken vorgestellt werden. Besonders beliebt waren Stationen, an denen Museumsmitarbeiter*innen ihr Handwerk vorführten und Besucher*innen einluden, selbst Hand anzulegen. "Auch im kommenden Jahr ist das 'Bauenâ¿¿ unser Jahresthema. Das Interesse der Museumsbesucher*innen, mehr darüber zu erfahren, wie unser Neubau entsteht und was das mit alten Handwerkstechniken zu tun hat, war in diesem Jahr sehr groß", so die Direktorin des Museums, Dr. Marie Luisa Allemeyer. "Tatsächlich hat die Energiekrise sogar dazu geführt, dass das Thema 'ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauenâ¿¿ plötzlich in aller Munde ist. Ich freue mich sehr, dass wir aus dem Freilichtmuseum dazu allerhand sagen können und unser Neubau sogar modellbildend für andere Museen und Bauherren sein wird."


Der Freilichtgenuss lockte in diesem Jahr über 6.600 Besucher*innen in das Museum. Sie flanierten zwischen Informations- und Verkaufsständen mit regionalen Produkten, Vorführungen alter Handwerke, forst- und landwirtschaftlicher Arbeit oder ließen sich von den Gärtner*innen des Museums die Besonderheiten des historischen Gartenbaus erläutern.



Im LWL-Freilichtmuseum Hagen war das Publikumsinteresse zu Beginn der Saison 2022 noch eher verhalten und damit vergleichbar mit einer coronabedingten Zurückhaltung, wie sie auch in anderen Museen zu beobachten war. Hinzu kam, dass das Museum größere Veranstaltungen wie das Treckertreffen oder das Steampunk-Event wegen der Pandemie auf die zweite Hälfte der Saison 2022 verlegt hatte.


Ab dem Juni stieg das Interesse dann wieder nahezu auf Normalmaß an, sodass das Museum fast 111.000 Besuche (inkl. Weihnachtsmarkt) verzeichnete (2021: 51.000; 2019: 138.000). "Dies sind zwar noch weniger als 2019, aber eindeutig mehr als in den Pandemiejahren. Mit rund 60.000 Besucherinnen und Besuchern mehr als in 2021 haben wir sogar deutlich bessere Zahlen, als am Jahresanfang zu erwarten war", sagte Museumsdirektor Dr. Uwe Beckmann.


Vom Publikum sehr gut angenommen wurde die Sonderausstellung "Handwerk hat doppelten Boden" mit Karikaturen und Cartoons zu Handwerk und Technik.  "Die Besucher*innen sind nach der unfreiwilligen Unterbrechung in ihr LWL-Freilichtmuseum Hagen zurückgekehrt. Die 111.000 Besuche sind ein deutliches Signal", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.


Am 28. September hat der LWL das neue Eingangsgebäude feierlich eröffnet. Zum Start der Saison 2023 wird die dann eröffnete Windmühle eine Attraktion darstellen; weitere infrastrukturelle Maßnahmen stehen kurz vor der Vollendung. Rüschoff-Parzinger: "Diese Zukunftsinvestitionen sind ein wichtiger Schritt, um die Attraktivität des Museums zu erhalten und weiterzuentwickeln."



Die Sonderausstellung "Latein. Tot oder lebendig!?" (13. Mai 2022 bis 08. Januar 2023), zahlreiche Sonderveranstaltungen wie der Familientag "Et labora! Handwerk im Kloster", der 20. Klostermarkt und das Theater- und Musikfestival "Dalheimer Sommer" zogen im Jahr 2022 rund 65.000 Besucher*innen in die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur (2021: 38.000; 2019: 98.000).


"Mit beinahe doppelt so vielen Gästen wie im von Corona geprägten Jahr 2021 verbuchen wir im Krisenjahr 2022 einen großen Erfolg für die Sonderausstellung rund um die Relevanz der vermeintlich toten Sprache und unser Museum", so Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. Vor allem die Schulklassen- und Erwachsenenführungen, die Kurse sowie die Vorträge zur Schau waren gefragt. Ein weiterer Publikumsmagnet bleiben die Großveranstaltungen: Das große Klostermarkt-Jubiläum mit einem umfangreichen Rahmenprogramm für Familien konnte die Stiftung mit rund 16.500 Kindern und Erwachsenen feiern.Blick in die Ausstellung "Stonehenge - Von Menschen und Landschaften" im LWL-Museum für Archäologie mit 1:1 Rekonstruktion des inneren Steinkreises.Foto: Doreen Mölders

Das Jahr 2022 stand im LWL-Museum für Archäologie in Herne im Zeichen der großen Sonderausstellung "Stonehenge - Von Menschen und Landschaften". 40.000 Besucher*innen sahen die Schau über das Weltkulturerbe. Mit insgesamt rund 56.000 Besucher*innen sind die Besuche zwar wieder gestiegen, erreichen aber noch nicht das Niveau der Zeit vor Corona (2021: 31.000; 2019: 60.000). Gründe dafür sieht das Museum in der Sorge vor Ansteckung, fehlenden Angeboten für Busreisen und einem veränderten Freizeitverhalten. Denn auch die immer sehr gut besuchten Großveranstaltungen "Museumsnacht" und "Extraschicht" blieben in der Anzahl der Gäste hinter den Jahren bis 2020 zurück.


Das LWL-Museum für Archäologie arbeitet seit 2021 zunehmend mit Programmen zur stärkeren Publikumsorientierung und -bindung. Im Projekt "Museum als CoLabor: Öffne die Blackbox Archäologie" experimentiert das Team mit Arbeitsweisen, bei denen die Bedarfe des Publikums in die Entwicklung von Angeboten einbezogen werden. Gemeinsam mit einem Bürger*innenbeirat ist in diesem Rahmen das mobile Onlinespiel "Joâ¿¿s Memory" mit Fokus auf spielebeasiertem Lernen entstanden. Das Spiel vermittelt unterschwellig wichtige Kompetenzen für die archäologische Arbeit wie Geduld und Sorgfalt und gibt Einblick in analytische Methoden sowie in die Interpretation archäologischer Objekte. Seit der Veröffentlichung in den App Stores im Sommer 2022 wurde das Spiel bereits 13.000 Mal heruntergeladen. Weitere partizipative Formate mit Beteiligung von Bürger*innen waren das Digitalprojekt "Your Story Matters", das Migrationsgeschichten aus der Bevölkerung in die Dauerausstellung des Museums holt sowie der Workshop und die daraus entstandene Ausstellung "Aufmerksamkeit für das Gewöhnliche".



2022 war für das LWL-Römermuseum in Haltern (Kreis Recklinghausen) ein sehr erfolgreiches Jahr. Von März bis Oktober war die Landesausstellung "Rom in Westfalen 2.0" zu sehen, die 43.552 Besucher*innen anzog.


Ein Hauptbaustein der Landesausstellung war die Rekonstruktion des Wachhauses auf der Römerbaustelle Aliso. Der darin befindliche Escape Room "Carpe noctem - Flucht aus Aliso" ging im Oktober an den Start. 482 Gruppen ist die Flucht bislang gelungen.


Höhepunkt im Jahr 2022 waren die Römertage im August, die einen absoluten Besucher*innen-Rekord bescherten: 11.185 Gäste haben nach vier Jahren Pause wieder Römer live in Haltern erleben können, als die Legionäre ihre Zelte aufschlugen, römische Reiter ihre Kampfkunst präsentierten und germanische Händler ihre Waren anboten. Die hauseigene Legio XIX Cohors I präsentierte ihren neuen Adler, das höchste Feldzeichen, dessen Original in der Varusschlacht verloren gegangen ist. Aber auch ein lebender Adler zog seine Kreise über dem Römerlager Aliso.


So ging 2022 mit insgesamt 45.500 Besucher*innen und 600 geführten Gruppen zu Ende (2021: 19.000; 2019: 40.000).



Trotz pandemiebedingt noch schwacher Besuchszahlen in den ersten Monaten des Jahres 2022 hat das LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn seine Besuchszahlen mit 20.000 Besucher*innen fast vervierfacht (2021: 7.000; 2019: 18.000). Verantwortlich dafür war in erster Linie der sehr gute Zuspruch zur Ausstellung "Stein auf Stein - Großkirchen im Miniaturformat". Zehn Legokirchen vom romanischen Würzburger Dom über die westfälischen Domkirchen in Münster und Paderborn, die gotischen Kirchen von Paris, Köln und Ulm, bis zu barocken Bauten aus Venedig, Dresden und Wiblingen aus mehreren Millionen Legosteinen begeisterten vor allem das junge Publikum. Im Beiprogramm konnten die Kinder Filme erstellen und die Tricks der Baumeister kennenlernen.


Großen Anklang fand auch der neu eröffnete karolingische Garten im Außenbereich des Museums. In mehreren Hochbeeten können Besucher*innen Nutz- und Heilpflanzen aus des Zeit Karls des Großen kennenlernen. Beide Attraktionen waren in die Paderborner Museumsnacht und weitere Aktionstage eingebunden.



Das LWL-Preußenmuseum Minden konnte im November des vergangenen Jahres nach siebenjähriger Schließung wieder mit dem Ausstellungsbetrieb beginnen. Für 2022 verzeichnete das Museum knapp 4.000 Besucher*innen in den beiden Sonderausstellungen "Jüdisch? Preußisch? Oder was? Beziehungen und Verflechtungen im 18. und 19. Jahrhundert" und "Schwarz weiß. Preußen und Kolonialismus" (noch bis zum 4. Juni 2023) sowie bei den begleitenden Veranstaltungen (2021: 1.600; 2020: 400).



Das LWL-Besucherzentrum im Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) erweist sich weiterhin als touristischer Anziehungspunkt in der Region: Knapp 215.000 Personen besuchten das Denkmal an der Porta Westfalica und die Ausstellung im LWL-Besucherzentrum, wo Interessierte Informationen zur Geschichte des Denkmals, des Wittekindsberges und seiner Umgebung erhalten (2021:182.000; 2019: 211.000).



Als Trägerin der beiden authentischen Lebens- und Arbeitsorte verzeichnet die Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung auch in diesem Jahr wieder hohe Besuchszahlen. Für Burg Hülshoff in Havixbeck (Kreis Coesfeld) mit der weitläufigen Parkanlage sowie dem Haus Rüschhaus in Münster wurden 2022 insgesamt etwa 100.000 touristische Besuche gezählt (2021: 150.000; 2019: 204.000). Das Outdoor-Museum "Droste Landschaft: Lyrikweg" verbindet die beiden Droste-Orte und veranschaulicht den Wandel von Literatur, Kultur und Natur seit dem 19. Jahrhundert bis heute für alle Altersklassen und ist jederzeit kostenfrei zugänglich. Der Erlebniswanderweg ist sehr beliebt, so wurden etwa 10.000 Wanderkarten von den Besucher*innen mitgenommen.


Im September eröffnete die Sonderausstellung "Droste Digital. Handschriften - Räume - Installationen" im zweiten Obergeschoss des Herrenhauses auf Burg Hülshoff. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. September 2023, bevor sie nach Marbach (Deutsches Literaturarchiv) und Berlin (Staatsbibliothek) weiterzieht.


Die Veranstaltungen des Programmbetriebs der Stiftung Burg Hülshoff - Center for Literature (CfL) wurden 2022 insgesamt von 2.200 Menschen wahrgenommen. Das Droste-Festival fand nach der Pandemie erstmals wieder in Präsenz am Haus Rüschhaus statt, wo über 450 Droste-Fans Literatur als Fest begingen.

Die Online-Angebote auf der Digitalen Burg wurden von mehr als 13.000 Personen besucht, darunter ist besonders das Avatar-Konzert der Band Messer zu erwähnen, das vom Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen in der Kategorie Bestes Experiment mit dem VUT Indie Award 2022 ausgezeichnet wurde.


Titelbild: Das Planetarium feierte erfolgreich seine Wiedereröffnung als eines der modernsten Planetarien Europas.

Foto: LWL/Steinweg 


Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 



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