Preise für Lebensmittel und Energie bringen Inflation auf neuen Höchststand

Teuerung im Oktober bei 10,4 Prozent - Entlastung im Dezember erwartet

Die hohen Preise für Energie und Lebensmittel haben die Inflationsrate im Oktober auf einen neuen Höchststand katapultiert. Die Teuerung betrug 10,4 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ohne Energie und Nahrungsmittel wäre die Rate mit nur fünf Prozent weniger als halb so hoch gewesen. Entlastung könnte zum Jahresende laut Experten die Übernahme der Gas-Abschlagszahlung im Dezember bringen, für die der Bundestag am Donnerstagabend grünes Licht gab.

Das Statistikamt bestätigte am Freitag eine erste Schätzung von Ende Oktober. Energieprodukte verteuerten sich wegen der global gestiegenen Einkaufspreise um 43 Prozent, die Preise für Erdgas haben sich mit 109,8 Prozent mehr als verdoppelt. Fernwärme wurde 35,6 Prozent teurer. Die Preise für Brennholz, Holzpellets und andere Brennstoffe verdoppelten sich ebenfalls, Heizöl lag 82,8 Prozent über dem Vorjahresmonat, Strom 26 Prozent und Kraftstoff 22,3 Prozent.

Die Teuerung bei den Energieprodukten wäre wohl noch höher ausgefallen, wenn nicht im Oktober 2022 die Umsatzsteuer für Erdgaslieferungen und Fernwärme gesenkt worden wäre. Sie beträgt nun sieben statt 19 Prozent, was sich dämpfend auswirkte. Da die Versorger die gestiegenen Gaspreise nun zunehmend an die Haushalte weiterreichen, sei die Entlastung "aufgefressen" worden, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Statistiker in Wiesbaden beobachteten aber auch in allen Nahrungsmittelgruppen Preiserhöhungen - die steigenden Preise in dieser Sparte seien mittlerweile für die Privathaushalte "besonders spürbar". Besonders viel teurer wurden Speisefette und Speiseöle (49,7 Prozent), Molkereiprodukte und Eier (28,9 Prozent), Gemüse (23,1 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (19,8 Prozent). Insgesamt wurden Nahrungsmittel um 20,3 Prozent teurer.

Die Preise verteuerten sich auch gegenüber September dieses Jahres spürbar um 0,9 Prozent. Die Energiepreise zogen noch einmal um 3,4 Prozent an, die Nahrungsmittelpreise um 1,3 Prozent.

Die Preise für Energie stiegen vor allem in Folge des Ukraine-Kriegs, zusätzlich wird die Teuerung durch die Lieferengpässe und Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen beeinflusst. Da diese weitergegeben werden, verteuern sich in der Folge alle möglichen Produkte. Zum Beispiel werde für Molkereiprodukte viel Energie verbraucht, gab das IMK zu bedenken.

Im November sei weiter mit einer Inflation von mehr als zehn Prozent zu rechnen, erklärte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. Die Übernahme der Dezember-Abschlagszahlung auf Erdgas und Fernwärme durch den Staat dürfte dann im Dezember zu einem "vorübergehenden spürbaren Rückgang" auf unter zehn Prozent führen. Eine nachhaltige Entlastung sei aber erst ab Frühjahr 2023 zu erwarten, wenn die geplante Gaspreisbremse greift.

Für die Dezember-Soforthilfe gab der Bundestag unterdessen grünes Licht. Die einmalige Entlastungszahlung erhalten Haushalte und kleinere Unternehmen mit einem Jahresverbrauch bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden. Bestimmte Einrichtungen im Pflege- und Bildungsbereich und in der medizinischen Versorgung erhalten sie auch dann, wenn ihr Verbrauch höher ist.

Der Bundesrat kommt am Montag kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammen, um ebenfalls seine Zustimmung zu dem Soforthilfegesetz zu geben. Trotzdem gab es bereits Warnungen der Versorger, dass es zeitliche Probleme bei der Umsetzung bis Dezember geben könnte.

hcy/pe



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