Die Bundesliga am Scheideweg

Keine Spannung, weniger Stars:

Der 33. Spieltag - und das Titelrennen der Bundesliga ist längst entschieden. Erling Haaland steht vor dem Absprung aus Dortmund und auch Bayerns Robert Lewandowski liebäugelt mit Millionen im Ausland. Genug Gründe zur Sorge um das Premiumprodukt des deutschen Fußballs - auch für Oliver Kahn, Vorstandschef des Rekord- und Serienmeisters Bayern München.

"Mehr Top-Stars in der Liga, Spannung an der Spitze, das hilft beim Verkauf der TV-Rechte im In- und Ausland. Und genau hier haben wir zuletzt dramatisch an Boden verloren", sagte Kahn der Süddeutschen Zeitung: "Wir arbeiten gerne zusammen mit der Deutschen Fußball Liga an Lösungen, wie die deutschen Spitzenklubs auch in der Champions League den Anschluss halten können."

Für die Spannung in der Liga sei aber nicht der FC Bayern verantwortlich, das müssten die Verfolger schon selbst schaffen. "Vereine wie Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen werden alles daransetzen, uns von Platz eins zu verdrängen - und wir werden alles daransetzen, damit ihnen das nicht gelingt", sagte Kahn: "Wir haben nichts gegen ein Titelrennen mit viel Spannung. Im Gegenteil! Aber am Ende mit einem deutschen Meister FC Bayern!"

So wie mittlerweile zehnmal nacheinander - "ein monumentaler Erfolg" (Kahn). Das erkennt auch Michael Zorc an, bis Saisonende Sportdirektor beim BVB. "Wenn man gegen die Bayern Meister werden will - mit dieser herausragenden Generation, mit Neuer, Lewandowski, Müller, und mit 285 Millionen Euro mehr Umsatz -, dann müssten die Bayern, bildlich gesprochen, ihren Wagen schon auch mal selbst in die Leitplanke setzen", sagte Zorc.

Genau diesen Gefallen haben die Münchner ihren Konkurrenten schon lange nicht mehr getan. Da kommt Langeweile auf, was schlecht für das Geschäft ist. Eine vieldiskutierte Lösung: Play-offs am Ende der Saison. Für Michael Reschke, einst Kaderplaner der Bayern, "eine attraktive Möglichkeit", er glaubt, "die Spannung in der Liga würde deutlich zunehmen, wenn am Ende einer Saison die ersten Vier noch eine realistische Chance hätten, Meister zu werden".

Marco Bode, Europameister von 1996 und Urgestein des früheren Bayern-Rivalen Werder Bremen, favorisiert ein solidarisches Modell. "Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Klubs sind zu groß geworden. Das wiederum hat auch mit der Verteilung der Fernseheinnahmen zu tun", sagte Bode: Die nationalen und internationalen Geld-Töpfe sollen "paritätisch verteilt werden, so wie früher. Schließlich schaffen alle zusammen das Produkt, das vermarktet wird."



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