Jan Josef Liefers zu #allesdichtmachen

"In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen"

Hamburg - (ots) - Der Schauspieler Jan Josef Liefers äußert sich im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT zur umstrittenen Kampagne #allesdichtmachen, an der er sich mit einem Video beteiligt hat: "Ich will die Form dieser Kampagne gar nicht so verbissen verteidigen. Mir ist total klar, dass man sie vollkommen daneben finden kann. Aber eins lässt sich auch nicht von der Hand weisen: Irgendeinen neuralgischen Punkt haben wir berührt", sagt Liefers.

"Ich bin in der DDR groß geworden - ich bin damit aufgewachsen, dass es Wind von vorne gibt, wenn man sich zu Politik und Gesellschaft äußert. In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen. Aber auch das, was wir hier erleben, ist nicht schön", sagt der Schauspieler. "Heute erklärt nicht mehr der gute alte Klassenkampf die Welt - sondern heute gibt es einen Bubble-Kampf, zwischen Angehörigen verschiedener Meinungsblasen. Und das Verrückte ist, dass Leute, die tief in solchen Bubbles sitzen, gar keinen Schimmer mehr von der Welt ihrer Nachbarbubble haben. Das führt zu einer nahezu totalitären Argumentation, bei der es ums Rechthaben, auch ums Zerstören des anderen Standpunkts geht."

Als Reaktion auf #allesdichtmachen hat die Notfallmedizinerin Carola Holzner die Kampagne "alle mal ne Schicht machen" ins Leben gerufen: eine Aufforderung, sich in ihrer Klinik auf der Intensivstation anzuschauen, wie die Mediziner und Pflegekräfte dort arbeiten. "Ich habe mich schon angemeldet", sagt Liefers nun.



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