Jetzt ist es zu spät zur Wahl zu gehen

Heute war und ist (in einigen Ländern noch) Europawahl: der Wahlzettel war lang und viele Parteien unbekannt. Die Wahlbeteiligung war wohl deutlich höher als beim letzten mal, zumindest in Deutschland. Wie werden die 751 Plätze im Europaparlament verteilt?

-wolf- Münster. Es ist ja schon eine Pflicht, die man leicht vergessen kann – zumindest an einem Sonntag nachmittag zwischen Familienkaffee, Kuchen bei den Schwiegereltern und Spielplatzbesuch mit dem Nachwuchs: Die Europawahl. Natürlich ist Wählen Bürgerpflicht, das versteht sich. Aber man vergisst den Gang an die Urne schon mal gern, wenn man zu viel andere Dinge im Kopf hat. Also geht der Nienberger nicht schon morgens zum Wahllokal in der Grundschule, sondern erst nach dem Mittagessen. Doch damit ist er nicht allein, im Gegenteil. „Das machen wir mal eben kurz vor dem Kindergeburtstag“, hieß es von einem Vater, den der Nienberger aus der Kita des Sohnes kennt. Aber dann die große Überraschung: Die Schlange vor den Wahlkabinen ist lang, das Interesse entsprechend groß. „Ich hoffe, Du hast Dir gut überlegt, wo Du das Kreuz setzt“, wird der Wähler von dem Vater geneckt. Ja, hat er. Aber diese witzig gemeinte Stichelei macht deutlich: Das Interesse ist groß, auch an dem Ergebnis. Der Wahlzettel ist lang, viele Namen unbekannt. Das ändert aber nichts. Zur Sicherheit hat der Nienberger auch noch mal den Wahlomat befragt, bevor der aus dem Netz genommen wurde. In der Schlange vor den Pappkabinen bleibt noch ein bisschen Zeit für ein kurzes Gespräch: „Ob man das alles so braucht?“ Natürlich, wir leben in Europa. Aber hat die Stimme wirklich Gewicht? Und ändert man etwas? Die Antworten müssen schuldig bleiben, aber die Beteiligung ist erstaunlich hoch, so dass man auf einen Platz in den Kabinen warten muss. Die Zettel gehen zum Glück nicht aus wie in Dortmund, allerdings ist der Zettel ausgesprochen schwer zu falten. „Hauptsache, er passt in die Urne“, beruhigt eine Wahlhelferin. Also schnell ein paar Knicke gemacht, der Zettel verschwindet in dem Schlitz. Ob die Beteiligung aber wirklich wie gefühlt hoch ist, dazu lassen sich die Wahlhelfer nicht aus. „Wir haben bis 18 Uhr geöffnet, das muss man am Ende sehen“, so die ehrliche und knappe Abfuhr. Ein anderer Wähler warf ein: „also ich bin ja für eine generelle Wahlpflicht, dann müsste man sich darüber keine Gedanken machen.“ Ob das wohl irgendwann auch mal Realität wird? Danach geht es mit dem Junior aus den nahen Spielplatz oder zurück an die heimische Kaffeetafel. Der Bürgerpflicht war genüge getan, das Ergebnis bleibt abzuwarten. Die Stimmung war auf alle Fälle gut, fast lag ein bisschen Aufbruch in der Luft von Nienberge. Die Hochrechnungen dauern noch bis in den Abend, das ist klar. „Reicht ja auch, wenn ich das morgen bei Euch lesen kann“, lacht der Kita-Vater und macht sich mit Frau und Kind auf den Weg in den Zoo. für stadt40 geschrieben von wolf



Aus Spontan in Münster