Bioabfall sammeln schützt das Klima: Deutsche Umwelthilfe fordert konsequente und flächendeckende Sammlung in allen Landkreisen und Städten

Berlin (ots) - Pflicht zur getrennten Bioabfallsammlung wird in mindestens 24 Landkreisen und Städten noch immer nicht umgesetzt und damit Potenzial für den Klimaschutz verschenkt - DUH fordert verbraucherfreundliche Abholung des Bioabfalls statt praxisuntauglicher Bringsysteme - Teilnahme an Sammelsystemen muss verpflichtend sein - Verstärkte Verbraucheraufklärung für eine höhere Akzeptanz der Bioabfallsammlung notwendig Anlässlich der Weltklimakonferenz in Kattowitz macht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf das Klimaschutzpotenzial von Bioabfall aufmerksam. Dessen Getrenntsammlung ermöglicht sowohl die stoffliche Nutzung von Komposten und Gärresten als Düngemittel, als auch die Erzeugung von Biogas. Beides liefert einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz. Dieser kann allerdings nur geleistet werden, wenn Bioabfall konsequent getrennt gesammelt wird und nicht in der Restmülltonne landet. Doch genau daran hapert es: noch immer verweigern 24 Landkreise und Städte Verbrauchern ein Sammelsystem für Bioabfall, wie eine Recherche der DUH ergab. Selbst dort, wo Biotonnen angeboten werden, gibt es zumeist keine Nutzungspflicht, sodass der Anschlussgrad an das Sammelsystem mitunter sehr gering ist. Völlig inakzeptabel ist das ausschließliche Angebot unpraktikabler Bringsysteme, bei denen Bürger ihren Bioabfall selbst zu Sammelstellen bringen müssen. Die DUH fordert deshalb die Landkreise und Städte zu einer flächendeckenden, verpflichtenden und verbraucherfreundlichen Sammlung von Bioabfällen auf. Falls Städte und Kommunen sich weiterhin weigern die gesetzlich vorgeschriebene Bioabfallsammlung umzusetzen, dann sollten die Bundesländer eingreifen und die Einführung eines Sammelsystems durchsetzen. Um Bürger zu einer noch besseren Trennung zu motivieren, ist eine verstärkte Verbraucherinformation und Beratung notwendig. Organische Abfälle machen bezogen auf das Gewicht 30 bis 40 Prozent der deutschen Haushaltsabfälle aus. Aus einer Tonne getrennt gesammeltem Bioabfall entstehen in zehn bis zwölf Wochen 350-450 Kilogramm Kompost, der aufwendig hergestellten Kunstdünger ersetzt. Aus einer Tonne Bioabfall können durchschnittlich 110 Kubikmeter Biogas gewonnen werden, das ersetzt im Vergleich die Nutzung von 66 Liter Heizöl. "Zwar sammeln die Kommunen deutschlandweit jedes Jahr rund 4,6 Millionen Tonnen Bioabfall, allerdings könnten jedes Jahr 5,7 Millionen Tonnen zusätzlich erfasst werden. Ein Grund für die große Menge nicht erfasster Bioabfälle ist, dass es in mindestens 24 Landkreisen und Städten mit knapp vier Millionen Einwohnern keine Bioabfallsammlung gibt. Das ist inakzeptabel, weil dies bereits seit fast vier Jahren gesetzlich verpflichtend und jeder Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung dringend notwendig ist. Jede Tonne zählt", sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Der Leiter für Kreislaufwirtschaft der DUH, Thomas Fischer, erklärt: "Ein Sammelsystem für Bioabfall wird von Bürgern nur dann gut angenommen und genutzt, wenn es auch verbraucherfreundlich ist. Das ist allerdings in 28 Landkreisen und Städten nicht der Fall, wo mehr als 3,1 Millionen Bürgern sogenannte Bringsysteme zugemutet werden. Verbraucher müssen ihre Bioabfälle zu Kompostierungsanlagen, Wertstoffhöfen oder Sammelinseln bringen. Das ist unpraktisch und führt dazu, dass Bioabfälle im Restmüll landen und verbrannt werden." Eine ausreichend hohe Akzeptanz für eine Bioabfallsammlung und gute Sammelergebnisse wird es nur dann geben, wenn Biotonnen angeboten und bei den Verbrauchern abgeholt werden. Ein weiteres gravierendes Problem bei der Getrennterfassung von Bioabfällen ist die Freiwilligkeit zur Teilnahme an Sammelsystemen. In vielen Städten und Landkreisen wird die Bioabfallsammlung nicht verpflichtend vorgeschrieben, sodass der Anschlussgrad sehr niedrig ist. Damit alle Bürger die Möglichkeit einer Bioabfallsammlung erhalten, muss die Getrenntsammlung verpflichtend umgesetzt werden. Ausnahmen, wie zum Beispiel die Eigenkompostierung, sollten nur in Einzelfällen zugelassen werden und können in der Breite keine Alternative zur Biotonne darstellen. Viele Bioabfälle, wie zum Beispiel Fleisch oder Knochen, eignen sich zudem nicht für die Eigenkompostierung. Damit die Bioabfallsammlung von Bürgern in der Praxis noch konsequenter durchgeführt wird, ist eine Verbesserung und Intensivierung der Abfallberatung durch die Kommunen notwendig. Hierzu gehören eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen zum Nutzen der getrennten Bioabfallsammlung und das Angebot verbraucherfreundlicher Vorsortiergefäße. Zu einem guten Service tragen außerdem eine wöchentliche Tonnenabholung und das jährliche Waschen der Biotonnen bei. Foto: photophonie/Fotolia



Aus Neo-Ökologie/ Umwelt in Berlin