Friedensprojekt in den Händen von Politik und Bürgern

Die EU ist ein Friedensprojekt. Und um sie zukunftsfähig zu machen, ist nicht allein die Politik gefragt, sondern sind es auch die Bürger. Mit diesem Appell schließt Dr. Peter Wittig, Botschafter der Bundesrepublik in Großbritannien seinen Vortrag am vergangenen Mittwoch im Rahmen der DomGedanken im St.-Paulus-Dom in Münster. Mit dem Titel „Wo liegt Europa? – Anmerkungen zur Europäischen Idee in ihrer Wirklichkeit“ sind seine Ausführungen überschrieben.


Dr. Peter Wittig: EU muss sich in künftiger Weltordnung positionieren


Münster (pbm/jg). Wittig ist Spitzendiplomat und überzeugter Europäer – beides ist für die zahlreichen Besucher im Dom wahrhaft spürbar. Geprägt durch seine Biografie sei sein europäischer Enthusiasmus früh gewachsen, sagt er. Die Stationen des diplomatischen Dienstes führten ihn unter anderem als Botschafter zu den Vereinten Nationen in New York, in die US-Hauptstadt Washington und aktuell nach London.

„Als Ende der 1980er-Jahre der Eiserne Vorhang fiel, war das nicht gleichbedeutend mit ewig währender Stabilität“, betont er. Die Einbettung des wiedervereinigten Deutschlands in den europäischen Integrationsprozess mit Verhandlungen, Konsensbildung und Vertrauensbildung, gepaart mit Herausforderungen wie der militärischen Friedenssicherung stellten für ihn eine Handlungsmaxime dar, fasst Wittig zusammen.


Die Herausforderungen der EU, so der Spitzendiplomat, hätten sich mit Herausforderungen wir der Arabellion, dem Krieg in Syrien mit der Konsequenz der Flüchtlings- und Immigrationsthematik, der Wahl Donald Trumps als politischem Erdbeben und – ganz aktuell – dem Brexit, weiterentwickelt und verändert. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten markiere einen Wendepunkt im transatlantischen Verhältnis, der Brexit bedeute eine Selbstschwächung Europas. In der künftigen Weltordnung, ohne die USA als globale politische Ordnungsmacht, der Entwicklung weg von der bisherigen Welthandelsordnung hin zum Protektionismus und mit der Rivalität zwischen den USA und China, müsse sich Europa neu positionieren, erklärt der Spitzendiplomat.


„Die EU wird von einigen Kreisen in den USA nicht als Partner wahrgenommen, sondern als Konkurrenz oder sogar als bedeutungslos eingestuft. Die EU hat mit ihren 27 Mitgliedsstaaten hohen Einfluss – wenn alle zusammenstehen. Es geht darum, die Kerninteressen der europäischen Haltung wie Freiheit, Demokratie und die Bewahrung der Schöpfung zu vertreten“, sagt er.


Bei allen Unterschieden seien es genau diese Werte, die die Mitgliedsstaaten einten.

Es müsse im transatlantischen Verhältnis investiert werden in das Fundament der Wertepartnerschaft, die EU müssen mehr Verantwortung übernehmen für die eigenen Sicherheit. 


Quelle: Pressedienst Bistum Münster



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