Nur drei Situationen, die über Tod oder Leben entscheiden

Es ist einfach nur erschreckend: Die meisten schauen weg, wenn ein Mensch Hilfe braucht. Dabei sind die ersten Maßnahmen so einfach. Das stellte Lüder Warnken, Notarzt und Comedian aus Münster, unter Beweis.

-wolf- Horst hat ein Problem: Er liegt auf dem Parkplatz und will einfach nicht mehr atmen. Zum Glück kommt eine hübsche junge Dame vorbei, die eine Runde auf dem Parkplatz spazieren gehen wollte. Die weiß direkt, was zu tun ist: Wiederbelebung.

Dass Erste Hilfe nicht nur dringend notwendig ist sondern auch richtig Spaß machen kann, stellte Lüder Warnken im La Vie in Gievenbeck unter Beweis. Und der Mann weiß, wovon er spricht: Denn der Comedian, der spielerisch dem Publikum die Grundprinzipien von Herzlungenwiederbelebung und Co. beibringt, ist Notarzt aus Münster. Daher war sein Abendprogramm „Scheiße, ein Notfall“ nicht nur lehrreich, sondern auch gleichzeitig gespickt mit Anekdoten aus seinem Berufsalltag.

„Eigentlich muss man sich nur mit drei Situationen in der Ersten Hilfe befassen, dann ist man für den Alltag gut vorbereitet“, so der Mediziner.

Die erste ist der Klassiker: Ein Mensch hat Probleme, ist aber bei Bewusstsein. „Das bedeutet: Horst hat zwar Schmerzen, aber er spricht mit mir. Das heißt, er ist prinzipiell bei Bewusstsein.“ In Ruhe die 112 alarmieren, dann bei dem Patienten bleiben – das sei alles, laut Warnken.

Bei Situation zwei wird es schon kritischer: der Patient atmet zwar noch, ist allerdings nicht mehr bei Bewusstsein. „Man spricht ihn an, macht danach eine Atemkontrolle. Die ist extrem wichtig, denn das ist entscheidend dafür, ob man mit einer Herzlungenwiederbelebung anfängt oder der Umgefallene in die stabile Seitenlage muss.“ Nach der positiven Atemkontrolle wird die 112 alarmiert, es folgt die stabile Seitenlage. „Der Mundwinkel ist der tiefste Punkt, der Kopf wird überstreckt und geöffnet.“ So könne alles, was unter Umständen aus dem Magen herauswolle, auch abfließen: „der Sinn der stabilen Seitenlage.“

Situation drei ist dann klar: Keine Atmung oder man ist sich nicht ganz sicher, dadurch auch meist keinen Herzschlag. Also kommt nach Ansprechen und der Atemkontrolle, „auch wenn der Patient Gyros gegessen hat“, der Anruf bei der 112 und danach das Zusammenpressen des Brustkorbes. „100 Mal in der Minute, jeweils etwa fünf bis sechs Zentimeter tief.“ Und das, bis der Arzt kommt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Sache ist Warnken allerdings besonders wichtig. „Man hat uns über Jahre hinweg eingetrichtert, dass es sich so richtig festgesetzt hat: Wenn man nicht sofort hilft, dann wird man direkt bestraft.“ Daraus sei natürlich „ganz unerwartet“ die Angst entstanden, überhaupt etwas zu machen. „Damit das klar ist: Wenn man nach dem besten Wissen hilft, ist man vollkommen auf der sicheren Seite.“

Foto: wolf







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