Neue Pläne für den alten Ringlokschuppen

„Wir brechen den Stillstand auf“ heisst es am Ringlokschuppen. Es geht um die viele Fragen, unter anderem wer das denkmalgeschütze Gebäude sinnvoll nutzen kann oder die Sanierung bezahlen wird.

Wie geht es weiter am Ringlokschuppen? Wer kann dieses 1913 erbaute, denkmalgeschützte Industriegebäude sinnvoll nutzen und wer übernimmt die Kosten für die Sanierung? Nun kommt endlich Bewegung in die Sache: Die "Aloys & Brigitte Coppenrath-Stiftung" hat die Initiative ergriffen und die Stadt als Kooperationspartner für ihre Idee gewonnen. In einem vom Rat am 25. Juni beschlossenen Letter of Intent wurde der Oberbürgermeister gebeten, mit der Stiftung zu verhandeln, um eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen, in deren Auftrag dann der Ringlokschuppen saniert werden soll.

"In den Ringlokschuppen soll der wissenschaftliche Forschungsbereich ‚Künstliche Intelligenz‘ von Universität und Hochschule einziehen. Außerdem sollen dort Existenzgründern und Start-Ups Räume angeboten werden. Dieses neue Leben in dem historischen Gebäude ist der beste Denkmalschutz und wird den gesamten, zurzeit brachliegenden Bereich aufwerten und endlich wieder an die Stadt anbinden", sagt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. "Dieses Ziel passt perfekt zum Stiftungszweck der A & B Coppenrath-Stiftung, nämlich Un-ternehmensgründungen, Wissenschaft und Forschung zu fördern", sagt Prof. Osterheider, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. "Daher sind wir der Stadt sehr dankbar für die unkomplizierte und konstruktive Kooperationsbereit-schaft, mit der sie unsere Idee von Anfang an begleitet."

Für diesen Zweck stellt die Stiftung zum Start 5 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzlich übernimmt sie die Kosten für die Beplanung des Grundstücks. Im Gegenzug bringt die Stadt Grundstück und Gebäude mit einem Bilanzwert von rund 1.875.000 Euro ein, übernimmt die Altlastenentsorgung und die Beseitigung von etwaigen Kriegsaltlasten. Außerdem verpflichtet sich die Stadt, das Grundstück zu erschließen und an das öffentliche Straßen- und Wegenetz anzubinden. Sie stellt ebenfalls die Infrastruktur für Wasserver- und entsorgung, Energie sowie Datenleitungen.

Einer der Nutzer des Gebäudes wird das neu gegründete DFKI Labor Nieder-sachsen des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit den beiden Niederlassungen in Osnabrück und Oldenburg wird hier insbesondere zur erweiterten Wahrnehmung komplexer Umgebungen oder Situationen geforscht. Dazu wird eine Verstärkung der vorerst zwei DFKI-Arbeitsgruppen am Standort Osnabrück in den nächsten Jahren auf insgesamt ca. 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfolgen.

"Bereits seit Jahren gehört die Künstliche Intelligenz zu den herausragenden Forschungsschwerpunkten unserer Universität", erklärt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke. "Mit dem Umbau des Ringlokschuppens durch den großzügigen Einsatz der Coppenrath-Stiftung und der dort angedachten Ansiedlung des DFKI wird die Forschung und Lehre zur KI in Osnabrück auf eine neue Stufe gehoben und somit noch stärker zum national und international wahrgenommenen wissenschaftlichen Markenzeichen der Region."

Hochschulpräsident Prof. Dr. Andreas Bertram hebt den Transfergedanken hervor: "Als Fachhochschule schreiben wir Praxisnähe groß. Der enge Aus-tausch mit der regionalen Wirtschaft ist für uns von besonderer Bedeutung." Deshalb freue man sich sehr über die Initiative der Coppenrath-Stiftung und das Engagement der Stadt. "Die entstehenden Räumlichkeiten in zentraler Lage bieten ideale Voraussetzungen, damit Existenzgründer und Start-Ups, deren Keimzelle oft an den Hochschulen liegt, ihre Kreativität entfalten und vernetzt arbeiten können." Für den Transfer, also den Austausch von Wissenschaft und Praxis, könne hier insgesamt ein besonderer Ort entstehen. "Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: In den Bereichen Digitalisierung in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen und in der Arbeitswelt besitzt die Hochschule eine breite Expertise mit sehr hoher Relevanz für die Praxis."

Äußeres Zeichen dafür, dass die Partner – A & B Coppenrath Stiftung, Stadt Osnabrück, Universität und Hochschule Osnabrück sowie Deutsches For-schungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) – nun den langen Stillstand mit ihrer neuen Initiative aufbrechen wollen, ist ein großes Schild im Eingangsbereich: Es zeigt ein Modell von dem sanierten Ringlokschuppen verbunden mit der Zusicherung: "Hier entsteht das Coppenrath Innovation Centre".

Es soll nun alles sehr schnell gehen: Ziel ist, dass im Jahre 2021 mit dem DFKI die ersten Nutzer einziehen. Zurzeit wird das Grundstück überplant und der Gesellschaftervertrag mit allen Rechten und Pflichten abgestimmt, der noch in diesem Jahr unterschrieben werden soll. Im kommenden Jahr soll von der zu gründenden Gesellschaft der Bauantrag gestellt werden. Die Beteiligten wissen, dass der Zeitplan ambitioniert aber nicht unrealistisch ist.

Autor: S. Jürgensen

Foto: Pixabay



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