Am liebsten auch im Winter

Montag. Sie haben sich wahrscheinlich gerade aus dem Bett gequält oder befinden sich in einem überfüllten Bus zur Arbeit. Vielleicht ist der Himmel sogar noch bedeckt. Völlig egal, denn ein bisschen Träumen sollte immer erlaubt sein.

Eigentlich bin ich kein Freund von Münster, wenn ich ehrlich bin. Alles ist ein wenig langsam und provinziell und ja, auch meine notorische Tendenz zur „Pröddeligkeit“, wie man hier sagt, ist auch wohl ein Grund dafür. Aber an diesem Wochenende hat sich etwas geändert. Ich schlenderte mal wieder durch die Straßen und plötzlich vermitteln sich mir die schönen Seiten dieses sympathischen Nests inmitten von Dörfern.

Denn das Schöne an nervigen Hollandrädern sind die Fahrerinnen. Ich hoffe, dass diese Aussage mir keine Dame als Chauvinismus vorwirft, wenn jetzt auch noch eine Ode an Euch folgt, denn sie ist ausschließlich als Kompliment gemeint.

Ja, es ist heiß dieser Tage, wenn Mutter Sonne zeigt, was sie kann. Aber ich habe das Gefühl, dass sie nicht nur die Leiber zum Schwitzen, sondern auch die Gesichter zum Lächeln bringt. Und nur eines dieser Lächeln, eingerahmt von blonden, brünetten, schwarzen oder roten Haaren, macht für mich jeden Montag zum Sonntag. Denn es verdrängt die Sorgen und Nöte. Manchmal nur für einen kurzen Augenblick. Aber manchmal kann ich mich genau daran, einen ganzen Tag erfreuen.

Es sind meist nicht die primären Geschlechtsmerkmale, die die Blicke auf sich ziehen, sondern verträumte kastanienbraune oder strahlend blaue Augen. Man sagt, dass die Augen das Tor zur Seele sind. Einige behaupten, dass liegt daran, dass sie eine direkte Verbindung zum Gehirn haben. Ich persönlich glaube, sie gestalten, wie ein Bild von Monet, das, was sich hinter der Stirn ihres Besitzers abspielt. Und das Besondere daran ist, dass es nicht viel braucht, um dieses Glitzern zu erzeugen. Ein ernst gemeintes „Danke“, oder gentleman-likes „nach Ihnen“ reicht oft schon, um den Schleier von Sorgen durch ein überraschtes Funkeln zu ersetzen.

Gewiss, man kommt oft nicht umhin, auch alles andere des nicht zu unrecht „schönen Geschlechts“ getauften Menschen zu bewundern. Aber nicht, wie oft hineininterpretiert wird, um anrüchig zu werden, sondern um die Freude zu genießen, etwas so Bezauberndes wahrnehmen zu dürfen.

Es tut mir weh, dass das Flirten so in Verruf geraten ist, weil es einige Männer nicht begreifen wollen, wo sich die Grenze zwischen Bewundern und Bedrängen befindet. Ich entschuldige mich bei sämtlichen Frauen für jene Wesen, die es nicht verdient haben, dass ihr Leben durch Amazonen, Grazien, Ladys, Damen und Mädchen unbezahlbar bereichert wird.

Ich hoffe, dass ich noch oft mit grimmigem Gesicht vor die Tür trete und zufällig in den Blickwinkel eines schönen Lächelns gerate. Am liebsten auch im Winter.

Bild: Pixabay




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