Kaum Hoffnung auf Flugscham

Die Zahl der Passagiere im weltweiten Luftverkehr ist in den vergangenen Jahre enorm angestiegen. Fachleute beobachten allerdings aktuell, dass der Trend zu stagnieren beginnt, ja die Zahlen gehen sogar zurück. Auch in Deutschland lässt sich diese Trendwende erkennen.Nur einige der deutschen Flughäfen scheinen davon nicht betroffen zu sein. Sie freuen sich.

Wer die Reisekosten miteinander vergleicht, den befällt ein mulmiges Gefühl. Für eine einfache Busfahrt in den nächsten kleinen Ort muss ich 5,50 Euro zahlen, bei einer Hin- und Rückfahrt wären das elf Euro. Wenn ich nur drei Minuten googlen muss, um für 9,49 Euro nach Mallorca zu fliegen, liegt es auf der Hand, dass ich sofort meinen Trip auf die Sonneninsel buche, oder? Das ist paradox.

Nach dem stetigen Wachstum des weltweiten Luftverkehrs, das über Jahre steigende Flugzahlen, immer mehr Passagiere und neue Verbindungen beschert hat, kühlt sich aktuell die Lage deutlich ab. Im Gegensatz zum Juni letzten Jahres stiegen die Zahlen des weltweiten Passagierflugverkehrs nur noch um 1,5 Prozent.

Top 3 des Luftverkehrsmarkts: Asien, Nordamerika, Europa

Mit mehr als einer Million Starts pro Monat ist Asien seit mehreren Jahren der weltweit größte Markt im globalen Luftverkehr. Rund 30 Prozent aller Flüge werden hier abgewickelt. Doch auch in Asien geht der Trend zurück: Nach Jahren des Booms steigen die Zahlen derzeit nur noch um zwei bis drei Prozent im Jahr.

Doch trotzt des weltweiten Rückgangs plant Asien bis 2020 neue Zivilflughäfen zu bauen. 74 Flughäfen sollen an den Start gehen. In den nächsten drei Jahren soll es in China sogar mehr als 260 Zivilflughäfen geben. Da schaut aber jemand positiv in die Zukunft. Es wird offensichtlich, dass der Luftverkehr in Asien für die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend wichtiger wird: Wo im letzten Jahr zum Neujahrsfest noch knapp 64 Millionen Passagiere unterwegs waren, sind es dieses Jahr schon 73 Millionen.

Auf dem zweiten Platz folgt Nordamerika mit einem weltweiten Gesamtanteil am Luftverkehr von 27 Prozent. Auch hier lässt sich ein Ende des Booms erkennen: Seit einiger Zeit sind dort deutlich geringere Wachstumsraten zwischen zwei und drei Prozent zu beobachten.

Auf dem dritten Platz liegt Europa mit 832 Tausend Starts pro Monat. Das sind 24,7 Prozent des weltweiten Flugverkehrs. In den letzten zwei Jahren ist der europäische Markt von zunächst fünf Prozent Wachstum auf inzwischen nur noch 1,2 Prozent abgerutscht. „In Deutschland folgten dem Rückgang 2017 durch die Air-Berlin-Pleite hohe Wachstumsraten im Jahr 2018", erklärt Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr in Köln in einer aktuellen Studie. „Dadurch konnte die entstandene Lücke wieder gefüllt werden."

Mittlerweile liegen die aktuellen Werte mit 87,9 Tausend Starts pro Monat rund 1,7 Prozent unter den 89,4 Tausend monatlichen Starts vom Juni 2018.

Man könnte nun glauben, dass das gewachsene Umweltbewusstsein der Reisenden sich gebessert habe, die Bahn ihre Ticketpreise herunter reguliert oder der Verkehrsminister endlich mal etwas zu Stande gebracht habe. So schön diese Vorstellungen auch klingen, sie sind nicht zutreffend. Von der sogenannten „Flugscham“ ist auch nach den Demonstration von Fridays-For-Future nichts zu sehen.

Ein Grund für die günstigen Flugtickets liegt in der ungleichen Behandlung von Autofahren, Bahn- und Flugreisen. Und obwohl die Mehrwertsteuer auf innerdeutschen Flügen anfällt, wird Flugbenzin noch immer steuerlich bevorzugt.

Global Aviation Monitor

Der Global Aviation Monitor (GAM) wird vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr quartalsweise herausgegeben. In jedem Bericht wird die aktuelle Situation des weltweiten, europäischen und deutschen Luftverkehrs erfasst und eine Kurzfristprognose für die nächsten drei Monate erstellt. Akteuren im Luftverkehrsmarkt werden so frühzeitig Veränderungen im weltweiten Luftverkehr aufgezeigt.

Deutlich mehr Flüge in Düsseldorf und Stuttgart

Einige größere Flughäfen in Deutschland entwickeln sich aber gegen den Trend: Im Juni 2019 haben die Flughäfen Düsseldorf und Stuttgart zwischen zwei und vier Prozent mehr Flüge abgewickelt als noch zur gleichen Zeit im Vorjahr. Dieser Anstieg geht vor allem auf den starken Ausbau der Angebote von Eurowings und Easyjet in Düsseldorf und von Laudamotion und Easyjet in Stuttgart zurück.

Auch der Flughafen Köln-Bonn profitiert von der Offensive des britischen Low Cost Carriers Easyjet, musste jedoch auch Rückgänge wie beispielsweise bei Flybe hinnehmen.

Ein Negativtrend hingegen ist bei einigen kleineren Flughäfen wie Weeze oder Frankfurt-Hahn festzustellen. Der Rückzug der Fluglinie Ryanair von den kleineren Standorten führt hier zu deutlich schrumpfenden Flugbewegungen. „Wir bemerken, dass sich einige Low Cost Carrier verstärkt auf größere Standorte konzentrieren und sich von den kleinen Flughäfen mehr und mehr zurückziehen", sagt Berster, Leiter der Gruppe Luftverkehrsentwicklung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz

Um die kleineren Flughäfen auf dem Markt halten zu können, werden diese von EU Subventionen künstlich am Leben erhalten: Dabei weiß jedes Kind, was keinen Gewinn bringt, wird dicht gemacht. Viele Kommunalpolitiker fürchten genau diesen Schritt. Flughäfen sind in vielen Regionen ein Prestigeprojekt. Kaum nachzuvollziehen, warum beispielsweise der Flugverkehr in Kassel mit hohen Subventionen aufrecht erhalten wird. Die Pasagierzahlen jedenfalls rechtfertigen einen Regionalflughaben wie Kassel nicht. Auch Münster-Osnabrück und Paderborn-Lippstadt sind nicht profitabel.

Billigairlines sind durchaus vergleichbar mit Billighändler wie Primark, nur dass sie fliegen können. Die ausgebeuteten Kinder sind hier ausgebeutete Mitarbeiter von Subunternehmen und die Umwelt. Die Klamotten sind die Tickets für zehn Euro und nach dem Kauf befällt einen ein schales Gefühl. Die Umwelt leidet genauso wie der Endverbraucher unter den Co2-Ausstößen der Vielflieger oder Käufer. Niemand ist am Ende glücklich und zufrieden. Nein, auch nicht derjenige, der andauernd nach Mallorca fliegen kann.

Wer so viele verschiedene Airlines braucht, ist fraglich. Nur weil ich in einem Flugzeug sitzen will, dass meine Lieblingsfarbe hat, muss es das Angebot nicht geben. Die Nachfrage scheint jedoch da zu sein. In Deutschland sind alleine über 100 Fluggesellschaften gemeldet.

Leider müssen wir feststellen, dass die sinkenden Fluggastzahlen trügen. Es gibt keinen Anlass, Hoffnungen zu hegen. Denn nicht umsonst werden überall auf der Welt weiterhin neue Flughäfen gebaut und das Fliegen stark subventioniert. An die Umwelt denkt da offenbar niemand. Fatal: Wenn wir bald dem Klimawandel zum Opfer fallen, gibt es ja immer noch die Klimaanlage im Flugzeug.


Bild: clm



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