MO(H)NTAG

Der Auftakt der Woche? Montags Mohn? Jetzt heißt es unerbittlich: Ran an die Arbeit. Die Stechuhr wartet. Was bitteschön ist der Montag? Und was kann er alles bedeuten? Auf Spurensuche, bei der aus Ehre schließlich Missachtung wurde.

Vorab eine Klarstellung: Dass der Montag den Anfang der Woche darstellt, ist gar nicht so selbstverständlich wie man gemeinhin glaubt. Dennoch ist das gewissermaßen in Stein gemeißelt, seit 1976 steht es nämlich so in der Norm ISO 8601/DIN 1355. Vorher war der  Sonntag der Anfang der Woche. Der Sonntag kommt dem Montag eigentlich viel näher als der Dienstag, denn das Wort Montag leitet sich von dem Lateinischen „Lunae“ ab, und heißt so viel wie „Tag der Mondgöttin. Tag der Luna.“

Aber was wäre ein typisch deutscher Montag ohne einen typisch Deutschen namens Montag mit einem typisch deutschen Vornamen: Bernd. Bernd Montag ist ein 2,05 Meter langer Bursche aus München, der lange für Bamberg und die deutsche Basketballnationalmannschaft gespielt hat. Heute arbeitet Bernd Montag bei Siemens Healthineers als Geschäftsführer. Ein Montagskind sozusagen.

Apropos, da Montagskinder ja Luna inspirierte Geschöpfe sind, wird ihnen viel Romantik, Phantasie und Sensibilität zugetraut. Das sollte man als Geschäftsführer des Head of all „Siemens Krankenhausengeneering“ auch haben. Und beim Basketball auch. Aber Romantik? Gefühl kann nicht schaden. Gefühl ist ja auch nah verwandt mit der Empathie, was aus dem Altgriechischen kommt und frei übersetzt „leiden, fühlen“ bedeutet.

AnkerUnd mit Leiden sind wir auch schon bei einem anderen wichtigen Punkt. Rund 85 Prozent der deutschen Arbeitnehmer hassen den Montag. Slavoj Žižek, ein slovenischer Philosoph und Denkerpopstar der jungen Intellektuellen postuliert: „You don´t hate monday; You hate capitalism.“ Wo er Recht hat.

Es gibt allerdings auch eine Kehrseite der Medaille. Das, was sich einige als Patina schönreden. Denn wo es einen Bernd gibt, ist einst auch ein Fritz nicht weit gewesen. Fritz Montag, ein deutscher NSDAP-Politiker und SS-Oberführer. Fritz der Böse, kaum einen wundert es, war ein Sachse. Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Bei der Schlacht von Scharkow, riss es ihm die Beine weg und er erlag danach 1943 mit 47 Jahren seinen Verletzungen.

Die Österreichische Facette des Montags ist auch nicht ernsthaft spannender: Es gab verschiedene „Montags-Blätter“ wie das der französischen Besatzungsmacht zwischen 1946 und 1947. Danach wurde es von einem rechtsbürgerlich ausgerichteten Blatt, wie Wikipedia zu sagen pflegt, übernommen. Kulturpräveriert aus konservativer Brille betrachtet. 1912 bis 1918 als unparteiisches Frühblatt gestartet.

Für mich als Träumer ist und bleibt der Montag der Tag der Hoffnung. Denn montags erwarte ich Herrn Mohn, denn montags kommt Herr Mohn. Zumindest nach dem Sams, was wiederum eine ganz andere Geschichte ist.

Vielleicht interessiert den einen oder anderen aber noch, was es mit der Mohnblume auf sich hat:

Die Beschreibung des Klatschmohn klingt laut Wikipedia so: Der Klatschmohn (Papaver rhoeas), auch Mohnblume oder Klatschrose genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mohn (Papaver) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Dieses Zwittergewächs ist aber besonders bekannt für die berauschende Wirkung seines Saftes, auch als Opium bekannt, aus dem Morphin gewonnen wird, was ein seeeeeehr starkes, süchtig machendes Schmerzmittel ist. Sollte sich jetzt jemand freudig auf die Suche machen, sollte man ihn bremsen: Der deutsche Mohn „knallt“ nicht. Und ist dennoch im Anbau und im Knast strengstens verboten: Im Knast wird er beim Urintest sichtbar und beim Anbau: Man weiß ja nie...

Die Mohnblume ist übrigens die Nationalpflanze von Polen. Nicht die von Paraguay oder Chile, wie man vielleicht denken könnte. Als ein Symbol der Erde, zu Ehren der Göttin Demeter. Bekannt für seine beruhigenden Wirkung und auch förderlich für den Schlaf. Daher auch die Verbindung zum Mond und somit zur Taufe der, wie ich finde, wunderschönen zerbrechlichen knallig roten Farbtupfer in unendlich viel Grau um mich herum.

Ich muss Schluss machen. Es klingelt. Das könnte Herr Mohn sein.

Bild: Pixabay






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