Aus dem Leben eines Taugenichts

Münstermann/ Klausurphase. Alle Studenten stöhnen? Nur alle Studenten? Nein, alle Münsteraner: die Studenten, dass sie gefordert werden und die anderen darüber, dass man sich über das bisschen Lernen so echauffieren kann. Im Dschungelcamp würd`man sagen: wrs geht bloß da rein?

Die Bettdecke stinkt und die müden Glieder recken sich gen Himmel, der weder wolkig noch sonnig ist. Und der erste Blick geht auf´s Handy: acht Uhr 20? Na gut, schlafen lohnt eh nicht mehr, denn ein bisschen nervös ist man ja doch.

Mit dem ersten Kaffee in der linken Hand, der kaum in den vom vielen Tippen gekrümmten Fingern wackelt, sucht die rechte auf YouTube nach dem richtigen Soundtrack zum Aufstehen. Bei Opas wie mir ist das Masterblaster von Steve Wonder, bei den Küken gleich neben mir vielleicht Justin Bieber oder ein anderer Präpubertierender mit den Armen voller Reminiszenzen an eine noch nicht überstandene wilde Jugend. Aber gemeinsam haben wir: Die guten Vorsätze vor der Klausur werden ad acta gelegt und statt dessen die Anlage aufgedreht.

Schade. Zu Ende, aber da, dank Autoplay folgt direkt etwas bei dem man generationsübergreifend abdrehen kann: Kopf oder Zahl von Jennifer Rostock, Kaffee verschüttet, Dusche gecrashed. Yeeeehaaah! Wenn heute noch was gelesen wird, dann BILD, also nichts, und dementsprechend genießt man den Sound des Rasenmähertreckers des Hausmeisters, der bei Metallica seine Runden dreht und denkt: So ein Leben wie der da oben hätte ich auch gerne.

Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht, denn immer wenn ich Waschmarken holen möchte, fragt er mich nach der Bedeutung verschiedener Fremdworte.  Beim Schach würde man an dieser Stelle sagen: Einigen wir uns auf unentschieden, denn insgeheim wissen wir beide: Mit dem anderen tauschen wollen wir beide nicht.

Was bleibt, ist die merkwürdige Lust bei mir auf Klausur und die meines Hausmeisters auf Rasen mähen. Ich finde beides wichtig, aber nicht so, dass das vom Bestehen des Weltfriedens abhängt, schließlich habe ich ja noch drei Versuche und er noch vier Tage allein in dieser Woche um den Pseudofrieden in Münster mit englischem Rasen zu symbolisieren.

Ich wünsche jedenfalls allen, Kommilitonen, Hausmeistern, Hausfrauen und Geschäftsmenschen aller Geschlechter einen hervorragenden Tag.

Und allen Kindern? Macht einfach weiter wie bisher. Denn nichts ist schöner als die Welt mit der Einstellung zu entdecken, dass sie noch nie so schön war wie heute - trotz wolkenverhangenem Himmel.



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