Was Sie schon immer über Sex wissen wollten

Nein, ich erzähle Ihnen an dieser Stelle nichts von komplizierten Stellungen oder schlüpfrigen Geheimnissen, sondern etwas von Moral. Wann darf ich, wo, und wo nicht? Es geht hier also nicht darum, Schilder mit „Kopulieren verboten“ zu finden, sondern darum, dass wenn sie verhaftet auf der Wache sitzen, warum Sie wegen Erregung Öffentlichen Ärgernisses verhaftet wurden.

Ulf Münstermann   Hier ist ja alles verboten! Und wer verbietet alles? Richtig Gesetze! Und wer macht die?


D I E  D E M O K R A T I E


Viele kluge Denker haben schon gesagt: Die Demokratie sei die zweitbeste Staatsform; eine bessere fiele ihnen nicht ein.“ Um diesem Problem auf die Schliche zu kommen, muss man das Problem vielleicht etwas globaler fassen. Dergestalt, dass man fragt, was die Demokratie schützen (verteidigen) soll.


Jetzt werden vielleicht neben „Menschenrechte“, „Hab und Gut“ sowie „Meinungsfreiheit“ genannt, aber eigentlich meinen sie mit all dem „Freiheit“. Denn Freiheit, so zumindest Rousseau, der Mitte des 18. Jahrhunderts auf sich aufmerksam machte, ist, ein Gesellschaftsvertrag, in den möglichst alles mit einfließt, also auch Religion und Besitz. Und wenn dieser Vertrag von allen „abgesegnet“ wird, handelt es sich um eine freiwillige Handlung, die über die Freiheit dem Vertrag zuzustimmen zwar die eigentliche Freiheit minimiert hat, aber gleichzeitig ihr Fortbestehen gesichert hat.

David Hume, der alte Skeptiker, hat an dieser Stelle nicht unberechtigt bemängelt, dass ein Vertrag kein Vertrag sei, wenn man nicht die Option zum „Nicht-unterzeichen“ hat, aber weil wir hier möglichst schnell zu einer plausiblen Antwort kommen, beschränke ich mich bei den Ausführungen nur auf Autoren, die einen „Common-sense“ darstellen.

Demokratie soll also Freiheit schützen. Dazu wäre es hilfreich zu wissen, was Freiheit eigentlich ist. Man könnte sagen, Freiheit ist die uneingeschränkte Möglichkeit alles (mir ) mögliche zu tun, ohne daran (von Gesetzen) gehindert zu werden. Da war es wieder, dieses normative, dieses Gesetz. Woher kommt das? Kant, der alte Stubenhocker mit Hakennase, beschäftigt sich deshalb nicht nur mit der „sinnlichen“ Auslegung von Moral sondern auch mit ihrer Ethik, also dem theoretischen Unterbau der Moral, also dem Punkt, an dem die „Wertung“ noch nicht enthalten ist.

Kant suchte also nach einer Art Korrektiv, das wie ein Schlüssel auf alle (Handlungs-)Situationen passt.

Er geht dabei folgendermaßen vor:


  1. Kant geht davon aus, dass wir einen Verstand haben.
  2. Wer einen Verstand hat, kann kluge Entscheidungen treffen


Konklusion: Wer einen Verstand hat, trifft kluge Entscheidungen.

  1. Eine kluge Entscheidung ist es, sich für das zu entscheiden, für das sich Jeder entscheiden würde, wäre er jetzt an meiner Stelle
  2. eine moralische Entscheidung ist eine Entscheidung, die die meisten anderen gut- heißen würden.

Konklusion: Moralisch zu handeln ist eine kluge Entscheidung


  1. wenn also moralisch zu handeln klug ist und
  2. wir Dank unseres Verstandes klug handeln können/sollen


Konklusion: können wir zwar noch unmoralisch (gegen die Moral) oder amoralisch (abseits jeder Moral) handeln, aber wir können dann nicht mehr behaupten, dass unsere Handlung moralisch war.

Die eben genannte Freiheit, kommt hierbei zweimal zum Tragen: Zum einen negiert Kant nicht, dass man auch nicht moralisch handeln kann. Zum anderen haben wir zwar eine Freiheit immer alles zu tun, ABER, da wir einen Verstand haben, der uns beinahe zu guten bzw. richtigen Taten nötigt, kommen wir fast nicht umhin, uns für moralische Handlungen zu entscheiden.

Das ganze a priori-Gequatsche verschiebe ich besser auf einen weiteren Beitrag, denn eine Frage bleibt doch noch: Wenn wir die Freiheit zu verteidigen haben, die wir (uns) schon moralisch beschränkt haben, wie schaffen wir es, das zu realisieren?


Ganz einfach:

Aristoteles sagte mal sinngemäß in der Nikomachischen Ethik:

Es geht immer darum, entweder bekommen zwei Gleiche nicht gleich viel, oder zwei Unterschiedliche bekommen das Gleiche.

Versuchen wir es also mal mit Gerechtigkeit:

Wir synthetisieren (bauen) die Freiheit über die Gerechtigkeit(en). Wenn Jeder das gleiche kleine Stück von seinem Kuchen abgibt, hat man am Ende viel zu futtern und alle Spender geringe Verluste.


Und das höchste Maß an Gerechtigkeit erreicht man über das berühmte Modell des Amerikaners John Rawls. Der sagte, dass wir uns alle in einen Zustand versetzen müssten, in dem wir die Vernunft a priori, (jetzt muss ich es doch erklären: A priori heißt, gegeben, also nicht über Erfahrungen aufgenommen sondern mit der „Gabe“ geboren) besitzen.

Also wir wissen, dass wir alle unterschiedlich sind, also mit verschiedenen Talenten etc. Und wir wissen, dass es in der Welt verschiedene soziale Stadien gibt, aber wir wissen nicht, in welche Sozialisation, also beispielsweise arm oder reich, wir geboren werden. Er nennt dieses keine Ahnung haben wo man hinkommt auch: „Den Schleier des Unwissens“- dieser sorgt dafür, dass wir, wenn wir nicht wüssten, wie gesund oder schön wir in welche Sozialisation gerieten, würden wir uns für eine ausgleichende Gerechtigkeit entscheiden, die immer den im Fokus hat, der am wenigsten hat, weil man es selbst sein könnte. Dabei verneint er nicht Aufstieg oder dergleichen. Es geht dem Lieblingsphilosophen von Bill Clinton und einem der renommiertesten Philosophen der modernen Zeit (gestorben 2002) darum, dass jede gut dotierte Stelle so besetzt würde, dass sich der Mehrverdienst darüber legitimieren würde, dass es mindestens auch dem „Looser“ besser geht.

Man könnte also festhalten, dass es gar keinen Staatsformwechsel geben muss, sondern einen „moralischen Wandel a lá Rawls geben müsste. Aber wie kommentiert man jetzt ein honoriges Ziel an die Richtigen?

Von der Diskursethik allein bekomme ich keine Antwort, denn 1. findet sie nicht die wirklich richtige E-Mailadresse und 2. was mache ich, wenn der Empfänger ein überzeugter Amoralist ist?

In Bezug auf die Eingangsfrage wäre das gut, denn dem Amoralisten wäre es wurscht, ob sie am Straßenrand Liebe machen oder nicht. Würde die Adresse aber jemanden antreffen, der von sich behauptet moralisch zu sein, ja sogar die Rawlschen Ideale umzusetzen, ob am Ende wohl die ganze Erde eine textilfreie Zone wäre, ich weiß ja nicht.....

(Ach ja: Natürlich ist hier und in anderen meiner Artikel Polemik enthalten und einige Details nicht. Da es mir jedoch darum geht, eine Sympathie und Interesse für die Philosophie zu wecken, ist mir ein möglichst hohes Lesevergnügen am Wichtigsten.)





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