Von teutschem Blute in deutschen Landen

Radikaler Realismus trifft auf realistische Abstraktion. In der Galerie Schemm gab es heute Kunst zum staunen und Künstler zum anfassen.

Die Sonne scheint, die Jugend protestiert und all jene, die es sich leisten können, gehen mit dem Nachwuchs zur Galerie Schemm. Denn was gibt es Schöneres, als auf einem stilvollen Hinterhof zu gegrilltem grünen Spargel, zartem Rindfleisch und leichtem Weisswein über Kunst zu sprechen, erst recht, wenn die Künstler vor Ort sind?



Ich war leider etwas spät, weshalb mir die Eröffnungsrede entging und mein Gesicht jene Patina annahm, die Bilder und Skulpturen miteinander verband: brüchig, ein wenig wie inszenierter Zufall erstrecken sich nämlich bei Yolanda Philippsen, die mit einem „Schaber“ in Schichten aufgetragene Ölpaste, die aus der Distanz zu recht von sich behaupten kann, reale Malerei zu sein.




Und dieser provozierte Alterungsprozess findet sich auch auf der Oberfläche der Miniaturschlosskellergeschosse aus Bronze wieder, hervorgerufen durch ein Wasserbad und dem darauf folgenden Oxidationsprozess an der frischen Luft.


Tinneke Kelkholt, die charmante Frau von Bart, erläutert mit so viel Hingabe die Bedeutung jedes Werkes und alle Details des Arbeitsprozesses, auch von anderen Arbeiten ihres Mannes, dass man denken könnte, sie wäre die Schöpferin.




Er minimiert, das eigentlich Bombastische, was früher seine Passion war und abstrahiert es dann. So werden aus Wänden Kuben und aus Zugängen, Aussparungen. Das Thema Kreuz ist dabei immer präsent. Während bei den ersten Stücken die realistische Grundstruktur dominierte, wird es zunehmend das Symbol der Christen und das jeweils andere zu einem Grundturnus, der die Aufgabe des Themas, dem jeweils anderen überlässt.




Die wechselnden Perspektiven, von mal frontal, dann mit seitlichem und zentralen „point of view“, kommen durch die Technik wunderbar zur Geltung und laden zum hineinprojizieren eigener Erlebnisse ein.




Ich persönlich finde, dass beide Künstler mehr verbindet als die Patina-ähnlichen Oberflächen. Der Synergieeffekt liegt in der Sehnsucht nach der Autonomie des Abstrakten. Die Bronzestatuen sind geometrisch, aber nicht rechtwinklig und auch die Gemälde von Yolanda Philippens erinnern durch die klare Bildstruktur an geometrische Kompositionen a lá goldener Schnitt. Der Bruch durch die Technik, hebt allerdings die Stränge wieder auf und motiviert dadurch unseren Geist, der sich mit einem Blick an Fixpunkten fest“krallt“, daran bekannte Bilder zu knüpfen, die darüber eine Geschichte erzählen.



Die Kombination von beiden Künstlern in einer Galerie gewinnt dadurch auf ganzer Linie. Der Blick kann sich nicht auf Leinwänden ausruhen, denn immer wieder wird die Sehgewohnheit von den Skulpturen Kelkholts unterbrochen, zu neuem Leben erweckt. Vielleicht stehen für mich deshalb die Skulpturen in meinem Kopf auf saftigen Wiesen und hängen nicht an weißen Wänden.



Und als ich grad die Eindrücke mit Spargel und Getränk Revue passieren lassen wollte, passiert das, worauf man immer wartet, aber was so selten eintrifft: Das Bonmont des Tages sozusagen: Robbert Fortgens, der Ehemann von Yolanda Phillipens schüttelt mir die Hand. Ich wusste nicht, dass die beiden verheiratet waren, aber seine Bilder....


hier, ein kleiner Eindruck, gibt es übrigens auch bei Galerie Schemm.









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