Rotkohl mit Senf

Vielleicht rümpfen Sie jetzt über diese komische Mischung die Nase, finden sie also nicht „gut“, aber was ist das eigentlich, dieses „gut“?

„Gut“? Kaltes Bier, ist gut, zumindest für mich, „Erebos“, ein Jugendbuch (wirklich zu empfehlen, ab 13/14 Jahre), ist für meine Tochter gut. Ja, sturmfreie Bude auch. Aber nicht immer, manchmal ist das kalte Bier auch alles andere als „gut“ und ich könnte mir vorstellen, dass das Buch auch manchmal eher hinderlich ist. Gibt es also nur ein „gut“, oder gibt es gar mehrere? Und wann ist was gut und wann nicht?

 

Was ist also „gut“? Um der Sache auf den Grund zu gehen, sollte man vielleicht da beginnen, wo „gut“ seinen Ursprung hat, Sie ahnen es: Bei „Adam und Eva“, zumindest im Sinne des Entertainmentcharakters dieses Artikels.

 

Adam und Eva sind nackt im Wald, Eva ist „heiß“, so im Evakostüm. Das findet Adam auch, aber es ist so normal für ihn wie „Baum“, deshalb ist „gut“ für ihn nichts Besonderes, weil es omnipräsent ist. Er käme nicht mal auf die Idee etwas „gut“ finden zu müssen, denn „gut“, war für ihn, wie „da“, „Sein“ an sich. Eva war da, so wie er für sie auch einfach immer „da ist“. Immer nackt und immer heiß. Wie der „Baum“ immer grün und ein „Eichhörnchen“ immer niedlich ist. Sie waren schließlich im Paradies. - Alles super, oder wenigstens „gut“, quasi.

 

Springen wir im zeitlichen Verlauf der Geschichte, an dem selbst der Ökotrophikaner sich nicht mehr rausreden kann (das sind die, bei denen man nur Fallobst essen darf). Adam und Eva (ich schreibe das in der Genderabfolge aufgrund der Quellenvorgabe in der Bibel), also die beiden aus dem Paradies, sind auf dem Boden der Realität. Was hatte sich geändert? Plötzlich trug Eva `nen Bikini. Das ist neu, das ist anders, das findet Adam nicht „gut“. Obwohl sie immer noch „heiß“ ist, aber man sieht eben nicht mehr alles. Das mag Eva übrigens auch nicht bei Adam, aber das nur am Rande.

 

Was war passiert? Bekleidet sind beide immer noch attraktiv (füreinander), aber sie sind nicht mehr so „pur“ - nur „da“, sondern sie haben ein Accessoire, einen Lendenschutz, das hätte wahrscheinlich auch ein Hut sein können, dann würden wir heute vielleicht Filme mit „behüteten“ Menschen, ins Nachtprogramm verschieben.

 

Wir haben also zumindest die „find ich doof“- Kategorie erschaffen. Und wo man schon mal dabei ist, benutzt man, jetzt, wo man schon mal drauf achtet und danach gefragt wird, Lindenbaumblätter, weil die so stark kleben, nicht mehr sooo gern als Klopapierersatzprodukt wie Kastanienlaub (Das klebt nämlich nicht, ist also „gut“).

 

All das weitete sich aus über alles Seiende. Einfach alles, was wir heute mit Worten beschreiben, wurde Teil einer solchen Kategorie, und zwar für jeden, weil wir ja alle verschieden sind. Aber wie soll das zusammen gehen, wenn beispielsweise Adam schwul gewesen wäre, fänd Eva das vielleicht blöd, so blöd, dass sie ihn umbringen würde. Was Adam bestimmt nicht gut gefunden hätte. Aber sie waren sich einig, dass Äpfel vom Baum der „Erkenntnis“ zu essen, schlecht war. Und wenn das für Beide gilt, also in diesem Fall für alle richtig ist, konnte man es als Gesetz fassen: Apfel vom Baum der Erkenntnis essen ist falsch! Und wenn es etwas Falsches gibt, musste es auch „Richtiges“ geben, und da das meist „gut“ ist, weil es einen Mehrwert oder Vorteil demgegenüber verschafft, der das nicht weiß, hat man sich als Menschheit irgendwann darauf verständigt, im Wesentlichen das Falsche festzuhalten; auch weil es suggerierte, weniger zu sein.

 

Dann ist das aber noch lange nicht immer alles auch „gut“, nur weil es „richtig“ ist. Lernen, ist wichtig, aber ist das immer „gut“? Im Hinblick auf die Klassenarbeit morgen schon, in Bezug auf den allgemeinen Gefühlszustand? Mitnichten. Das heißt, im Schimpfwort des Kontraktualismus, also der Gesellschaftsordnung durch Vertrag (etwas, wie ein Agreement, nicht schriftlich festgehalten in der Urform), es ist nicht alles verboten, was „falsch“ ist, weil viel Falsches nur subjektiv falsch ist, aufgrund der Psyche eines Individuums. Das kann auch gesetzlich falsch sein, wie Mord. Denkbar wäre es jedoch auch nur subjektiv, wie: Adam hasst Grün. Weil der Lendenschutz von Eva grün ist, ein Feigenblatt eben.

 

Erinnern Sie sich noch, wie ich eben schrieb: ...würden wir heute vielleicht Filme mit „behüteten“ Menschen, ins Nachtprogramm verschieben.

 

Im Laufe der Evolution der einzelnen gut/schlecht, falsch/richtig Kategorien, stellte sich heraus, dass die Beurteilung einzelner Sachen und ähnlichem, bei vielen gleich ausfällt. Und man machte das zu einer Art Regel, es wurde zur Kultur der Region, zu Werten, die einen gewissen „Schlag“ Menschen von anderen unterscheidet, bedingt durch die regionale Differenziertheit. Aber: man unterschied auch, irgendwann überregional (siehe EU), zwischen „erlaubt“ und „verboten“.

Mord, fanden die meisten eher schlecht, er wurde also verboten. Eva im Bikini, fand nur Adam doof, war also erlaubt, wenn auch für einige Wenige, nicht nachvollziehbar.

 

Aber was ist jetzt genau „gut“? „Gut“ ist, laut Aristoteles etwas, das einer gewissen Logik (logos) unterliegt, also beispielsweise mit dem Auge sehen können ist gut.

 

Aufbau:

 

  1. Prämisse: (Bedingung), Auge kann sehen

  2. Prämisse zwei: Sehen hilft (beim Jagen, von Büffel und Eva)

 

Konclusio (Zusammenfassend)

 

Wer sehen kann, hat einen Vorteil (auch gegenüber dem, der nicht sehen kann), also ist „sehen“ gut.

 

Das macht, um den Einwand von Platonikern zu bedienen, das Auge an sich nicht gut, sondern, den Vorteil, den man damit generiert. Also ist „gut“ etwas, das allem, jeder Entität, durch die Perspektive des Betrachtenden erst hinzukommt, ohne, dass dieses „gut“ an sich schon Teil der Sache ist, so wie der Keks erst dann gut wird, wenn er vor meiner Nase liegt.

 

„Gut“ ist also eine Kategorie und zwar eine der Moral, deren ethische Herleitung auf Gemeinsamkeiten in subjektiven Betrachtungsweisen begründet liegt.

 

Moral deshalb, weil eine Moral sagt, was man aus einer Sache lernen kann, („Die Moral von der Geschicht ..... Schokolade macht fett, z.B.). Und diese Sache ist auf die Gemeinschaft bezogen, so wie die Gemeinschaft aus Adam und Eva es jenseits des Paradieses gut fand, zukünftig den Schambereich mit Feigenblättern zu bedecken (Obwohl sie es beim anderen dennoch nicht mochten,.....).

 

„Gut“ ist also zum einen politisch (erlaubt/verboten), was die meisten, in der jeweiligen Situation als nützlich empfinden, eine drastische Essenz des Gegenteils von „gut“, manifestieren wir in Gesetzen.

Moralisch (richtig/falsch) ist „gut“, was die meisten einer sozialen Gemeinschaft frei übersetzt für „anständig“ halten, also etwas Zwischenmenschliches, wie eine Kultur. Das, was unsere Umwelt sozial ausmacht und zusammenhält.

Und subjektiv ist „gut“, (gut/böse), was nur wir persönlich als nützlich ansehen, in welcher Hinsicht auch immer. Was oft aber nicht völlig unabhängig von dem Geschmacksempfinden der Allgemeinheit abhängt, siehe Adam, der es gut fand, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu nehmen, weil Eva das gut fand.

 

 

„Gut“ kann also vielleicht, als das eine Gute (existieren), so wie „sein“ (die Fragekategorien von „sein“ sind übrigens mit denen von „gut“ identisch) dann wäre aber „gut“ nicht „gut“, sondern neutral, da man es auf einer anderen Ebene nur als ein Kriterium wie „schlecht“ zählen könnte.

 

Aber selbst wenn, wäre es für die Ethik, also die Wissenschaft der Moral unwichtig, denn diese beschäftigt sich mit dem „Guten“ als Akzidenz, also als etwas, das ein Ding hat, bei „gut“ sobald es wahrgenommen wird. Die Sexyness eines Badeanzuges hat ja auch nicht der Badeanzug, sondern die Dame (Eva), die ihn trägt und auch nur dann, wenn Adam das sieht.

Es ist wie Rotkohl und Senf für mich. Wenn es keiner sieht, sind es neutral Rotkohl und Senf, wenn Sie das sehen, ist es vielleicht ekelig, aber ich, ich find` das „gut“.


Bild: Pixabay

 

 

 

 




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