Bayer braucht `ne Aspirin

Der Aufsichtsrat von Bayer zählt den Vorstand an und alle so: Gäääähn, denn Alternativen gibt es nicht

Das die Übernahme von Monsanto durch Bayer nicht seine beste Idee war, weiß Werner Baumann, Aufsichtsratschef von Bayer wohl nicht erst seit der kritischen Stellungnahme von Ingo Streich im Auftrag seiner Kunden für den Deka Investmentfond. Immerhin ist der deutsche Chemiekonzern mit einem aktuellen Marktwert von rund 50 Milliarden Euro 10 Millarden weniger wert, als man 2015 für den Kauf von Monsanto hinblätterte. Ob es sich bei der größten Wirtschatstransaktion der deutschen Geschichte wirklich um Eigenkapital oder eine günstige Gelegenheit aufgrund der 0% Politik der EZB handelte, bleibt dabei an dieser Stelle unkommentiert.

 

Natürlich ist allen Fachkundigen bewusst, dass Bayer nach der Fusion von DuPont und Dow Chemical in Zugzwang war und die Kernkompetenzen passten ja auch zusammen wie Schinkenbrot mit Spiegelei, aber erst jetzt wird den meisten wohl klar, was mit perspektivisch gemeint war, als man mit dem Kaufinteresse von Monsanto 2014 an die Öffentlichkeit ging.

 

Börseninsider schätzen das Klagevolumen auf bis zu 5 Milliarden Euro, das sind 1/8 des Konzernumsatzes des letzten Jahres, und mehr als 30 Prozent des Anteils von Monsanto, der bei etwa 14,3 Milliarden lag.

 

Das Problem ist, dass man nun schleunigst wieder mit Erfolgen glänzen muss, was für viele Aktionäre nur mit einer Erneuerung des Führungspersonals im Kerngeschäft Chemie einhergeht und da ist aktuell Werner Baumann die einzige betriebseigene Option. Wäre er nur nicht dadurch in Ungnade geraten, dass er einer der Motoren der Fusion mit Monsanto war.

 

Der Vorstoß der Aktionäre, das Unternehmen hätte Informationspflichten in Bezug auf die Klagewelle, die mit dem amerikanischen Chemiekonzern ins Haus geholt wurde, verletzt, ist meines Erachtens nur Kosmetik. Man wusste, auch als Aktionär sehr wohl, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines finanziellen Kraftaktes sein würde, wenn man sich den Belzebub ins Haus holt, man versucht nur jetzt mit einem finanziell blauen Auge davon zu kommen. Dabei hat André Kostolany vor vielen Jahren schon gesagt: Kaufen, unters Kopfkissen und nach 30 Jahren gucken, was daraus geworden ist und ich bin mir sicher, in 30 Jahren hat sich der Kauf von Monsanto für Bayer amortisiert, auch wenn der Lack des tadellosen deutschen Großkonzerns dann ein paar Kratzer mehr hat; auch dank Glyphosat, dass trotz des schlechten Images immer noch eines der erfolgreichsten Insektenvernichtungsmittel der Welt ist.

 

Moralisch, war das für uns, (und) die Stakeholder (Mitarbeiter, Lieferanten und Co.) eine Katastrophe und nicht zu entschuldigen, aber finanziell wird das langfristig gesehen bestimmt ein gutes Geschäft gewesen sein, auch weil es die Refinanzierung nie wieder so günstig geben wird wie 2015.

 

Und das wird auch der neue Aufsichtsrat und ggf. Vorstand irgendwann einsehen. Ja selbst die Langzeitaktionäre werden in einigen Jahren schon nichts mehr zu meckern haben, und für den Übergang gibt es für kleine und prominentere Aktionäre wie Christian Stenger (¼ des Gesamtvolumens), gegen die ein oder andere Migräneatacke bestimmt ein paar Aspirin gratis.

 

Der dringend gesuchte Rechtsexperte kümmert sich inzwischen um den nächsten „big Deal“, damit die Parkettblase noch ein bisschen weiter wachsen kann - „who cares?“ Am Ende sind Bayer und Konsorten „to big to fail“ und wir zu langsam, um zu flüchten.

 




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