Kommentar: Manfred Weber will Nord Stream 2 stoppen

Es ist Europawahlkampf und plötzlich will Manfred Weber Nord Stream 2 stoppen. Damit handelt er direkt gegen deutsche Interessen. Was ist da los?

Der deutsche Spitzenkandidat für die europäische Volkspartei, Manfred Weber (CSU), sprach sich bei einem Wahlkampfauftritt in Polen gegen die Pipeline aus, welche von Russland durch die Ostsee direkt nach Deutschland führen soll. Aus deutscher Sicht spricht jedoch vieles für die Pipeline.

Deutschland soll aus Atomkraft und fossilen Brennstoffen aussteigen, doch der Strom soll trotzdem bezahlbar bleiben. Nord Stream 2 kann hier einen wichtigen Beitrag für den Übergang zu erneuerbaren Energien leisten. Eine direkte Gaspipeline von Russland nach Deutschland bleibt zudem von den Gaskonflikten, den maroden Netzen, der Korruption und den Transitgebühren Osteuropas unberührt. So spart Nord Stream 2 dem deutschen Verbraucher Geld und stärkt die deutsche Energiesicherheit.

Das von Kritikern vorgebrachte Argument, Russland könne „am Gashahn drehen“, ist schwach. Deutschland baut für Nord Stream 2 sein Gasnetz aus, um zu einer zentralen Energiedrehscheibe in Europa zu werden. Russlands Wirtschaft ist stark vom Energie-Export abhängig und leidet seit längerer Zeit unter westlichen Sanktionen, es kann sich dieses Geschäft nicht entgehen lassen. Preiserhöhungen oder ausgebliebene Lieferungen taugen auf dem zentralen europäischen Markt nicht als Druckmittel. Die Konkurrenz steht bereit, um das Geschäft zu übernehmen. Das gilt gerade für die USA.

Warum also positioniert sich Weber gegen die Pipeline, wenn sie doch im Interesse der deutschen Nation ist? Die Antwort ist einfach: Es geht um Wählerstimmen. Weber zeigt durch seine Ablehnung von Nord Stream 2, dass ihm und der EVP die EU wichtiger ist als Deutschland. Dafür wird er nicht nur Applaus von Wählern in anderen EU-Staaten bekommen, sondern auch in Deutschland selbst.


Von M.G.


Foto: Pixabay



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