Grülick - Die "Emphase des Schreckens"

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe informiert: LWL präsentiert Wort des Monats.

Münster (lwl). Ein kalter Luftzug, eine knarrende Tür oder die Schatten am Fenster - zur Geisterstunde wirken auch die normalsten Dinge ein wenig "grülick". Das plattdeutsche Wort bedeutet "grauenerregend, unheimlich". Ob es sich aber tatsächlich nur auf Furchterregendes und Entsetzliches bezieht, wissen die Sprachwissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Wer in Dülmen hört "He häff ’n grülick graut Huus" oder in Warendorf "Se moss grülick lachen", sollte nicht direkt das schlimmste vermuten: "In diesem Sinne hat grülick nichts mit Grauen zu tun, sondern dient als Verstärkung", erklärt Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. "Das Wort wird im münsterländischen Platt auch mit der Bedeutung ,sehr' verwendet. In der Sprachforschung nennen wir das die Emphase des Schreckens." Auch im Hochdeutschen dienen Eigenschaftswörter aus dem "Schreckenskabinett" dazu, Aussagen zu verstärken, zum Beispiel furchtbar oder schrecklich: "Du bist furchtbar nett. Ich habe dich schrecklich gern".

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 15.03.2021



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