Militär in Myanmar setzt auf Gewalt

Am Samstag wurden in der zweitgrößten Stadt Mandalay mindestens zwei Menschen durch Schüsse der Sicherheitskräfte getötet.

Nach mehr als zwei Wochen der Proteste in Myanmar geht die Militärjunta zunehmend gewaltsam gegen friedlich demonstrierende Menschen vor.  Ein Mann starb in der Nacht in der größten Stadt Rangun. Die Bundesregierung sowie UN-Generalsekretär António Guterres verurteilten die Gewalt, der zum Trotz am Sonntag erneut landesweit tausende Menschen auf die Straße gingen.

Die Sicherheitskräfte in Mandalay schossen am Samstag mit scharfer Munition auf Demonstranten, die sich zu einer Kundgebung an einer Werft versammelt hatten. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt. Unter den Todesopfern befand sich den Rettungskräften zufolge auch ein Junge, dem in den Kopf geschossen wurde. 

Hunderte Polizisten und Soldaten waren an der Yadanarbon-Werft im Einsatz. Demonstranten schrien die Polizei an, dass sie verschwinden solle. Daraufhin feuerten die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition. Sie setzten auch Gummigeschosse und Steinschleudern ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Diese wiederum warfen Steine, um Festnahmen zu verhindern.

Das Vorgehen der Sicherheitskräfte stieß international auf heftige Kritik: Die Bundesregierung trauere um die Toten, erklärte am Sonntag eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Sie "verurteilt das gewaltsame Vorgehen des myanmarischen Militärs und bekräftigt ihre Forderung, die Gewalt gegen Demonstranten zu beenden und sich stattdessen für einen Dialog zu öffnen, der eine Rückkehr zum Demokratisierungsprozess ermöglicht". Berlin forderte auch die Freilassung aller Festgenommenen.

Guterres nannte auf Twitter den Einsatz von "tödlicher Gewalt" gegen die Menge in Mandalay "inakzeptabel". Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte ein sofortiges Ende der "Gewalt gegen friedlich demonstrierende Zivilisten". Bei einem Treffen der EU-Außenminister am Montag sollten die aktuellen Entwicklungen diskutiert und "angemessene Entscheidungen" getroffen werden, kündigte er auf Twitter an. 

Myanmars Außenministerium wies die Kritik zurück und sprach von einer "eklatanten Einmischung" in die inneren Staatsangelegenheiten. "Trotz der ungesetzlichen Demonstrationen" würden die Sicherheitskräfte "größte Zurückhaltung durch minimalen Einsatz von Gewalt ausüben", hieß es in einer Erklärung.

In einem separaten Vorfall in der Nacht zum Sonntag wurde ein 30-jähriger Mann in Rangun getötet, als er in der Nachbarschaft patrouillierte - im Rahmen einer Initiative, die nächtliche Festnahmen von Aktivisten verhindern soll. Seine Schwägerin sagte, er sei von der Polizei erschossen worden.

Als die Dämmerung in der Innenstadt von Rangun, in Monywa und Myitkyina eintrat, ertönten Gesänge und Gebete, um der getöteten Demonstranten zu gedenken. In der Hauptstadt Naypyidaw erwiesen Tausende der am Freitag verstorbenen Mya Thwate Thwate Khaing die letzte Ehre. Ärzte hatten zehn Tage lang um das Leben der 20-Jährigen gekämpft, die bei Protesten von einer Kugel am Kopf getroffen worden war.

Bei einer Zeremonie fuhren Autos und Mopeds dem auf einem Wagen aufgebahrten Sarg der jungen Frau hinterher. Die Menschen hielten Bilder der Toten in die Luft und zeigten den Drei-Finger-Gruß, der zum Symbol des Protests gegen die Militärjunta geworden ist. 

Facebook sperrte unterdessen eine von der Militärführung betriebene Nachrichten-Seite. Die "True News"-Seite der Armee sei wegen wiederholter Anstiftung zur Gewalt blockiert worden, teilte das US-Unternehmen am Sonntag mit. 

In dem südostasiatischen Land herrscht Aufruhr, seit die bisherige De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi am 1. Februar bei einem Militärputsch entmachtet wurde. Hunderttausende Menschen beteiligten sich seitdem an Straßenprotesten, mehrere hundert Menschen wurden festgenommen. Die Sicherheitskräfte setzten allerdings bis Samstag kaum scharfe Munition ein.

mkü/jes

© Agence France-Presse




Teile jetzt diesen Artikel


Lade jetzt kostenlos die App herunter