Flashback einer Pendlerin

Mit dem aktuellen Wintereinbruch kommen Erinnerungen. Erinnerungen an verschneite Straßen und Autobahnen, an Eisglätte und Blitzeis, an einen verkrampften Nacken, an kalte Hände am Lenkrad

Der Weg führte von Düsseldorf nach Duisburg, von Düsseldorf nach Essen, von Münster nach Essen und von Münster nach Coesfeld. Jahre auf der Autobahn, auf Bundes- und Landstraßen. Im Frühling, Sommer und im Herbst kein Problem. So manches Mal konnte ich es genießen. Morgens um 6.00 Uhr, der Sonne entgegen. Nur ich, mein Radio und mein Kaffee.


Im Winter jedoch, schon abends, der bange Blick auf die Wettervorhersage. Ist Schnee angesagt, oder kündigt der Wettermann gar überfrierende Nässe an, heißt es: Mindestens eine Stunde früher aufstehen, um pünktlich im Büro sein zu können. Beim ersten Schritt nach draußen, ein erster Glätte-Check. Der gibt leider nur Sicherheit im Stadtverkehr. Nicht selten vor der Fahrt muss das Auto zunächst von Schnee und/oder Eis befreit werden. Schweißtreibend und anstrengend. Eine halbe Stunde vorbei, bevor ich mich schon reichlich erschöpft ans Steuer setzte. Habe ich Glück, kann ich problemlos ausparken. Bei extremen Wetterlagen indes brüllt mein, in die Jahre gekommenes KFZ, gequält, beim Versuch über den vereisten  Schneehügel, zu setzen.


Die Hauptstraße ist Gott sei Dank schon einigermaßen geräumt. Vielen Dank an die fleißigen Helfer. 10 Minuten Entspannung bei Tempo 20 - allerdings schon jetzt in Gedanken auf der Autobahn. Natürlich wäre es schöner und leichter, wenn es nicht noch stockdunkel wäre. Aber dann käme ich zu spät. So kann ich nur vermuten, in welchem Zustand sich die Fahrbahn befindet. Ist es glatt oder warum fahren die wenigen Leidensgenossen hier nur 50? Ein wenig panisch denke ich an die Ausfahrt auf die Bundesstraße. Bei Rückstau und Glätte gibt's Probleme die kaum wahrnehmbare Steigung zu meistern. Hände, die sich um das Lenkrad klammern, verraten die Anspannung. Die Winterjacke, viel zu warm, verstärkt den Angstschweiß.


Erste Herausforderung. Auto finden! Dann Ausparken?

Habe die Ausfahrt gemeistert und bin ein wenig stolz auf meine Anfahrt im 2. Gang. Andere hatten mehr Probleme. Die Bundesstraße liegt nun, immer noch in Dunkelheit getaucht, vor mir. Bald geschafft. Wenn ich in der Schneespur meines Vordermannes bleiben kann, sollte alles gut gehen. Aus den Augenwinkeln sehe ich ein liegen gebliebenen Auto am Strassenrand. Keine Zeit für Mitleid.


Endlich! Ich biege in die Zielgerade. Meine Hände entkrampfen, meine Schultern fallen nach unten. Hier ist so wenig los, dass ich sogar einen kleinen Schleudertest wage. Parkplatz, Auto aus, durchatmen. Heile angekommen - viel zu spät.


Ich pendle immer noch, beziehungsweise wieder. Beim aktuellen Schnee-Chaos allerdings nehme ich mir Urlaub, denn ich finde mein Auto nicht. Künftig kann ich bei einer solchen Wetterlage von zu Hause aus arbeiten. Home-Office - welch eine Bereicherung für uns Pendler*innen. So kann ich auch wieder aus vollem Herzen den Klimawandel anmahnen, der mir als Pendlerin leider in die Karten spielt. 


Gute Fahrt für alle, die pflichtbewusst, allen Hindernissen zum Trotz, den Weg zur Arbeit auf sich nehmen. Fahrt vorsichtig und wenn es nicht geht, bleibt zu Hause!



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