Uni Münster gewährt radikalem Abtreibungsgegner und "Impfkritiker" außerordentliche Professur

Der AStA und 'kritische Mediziner*innen' fordern Konsequenzen wie die Prüfung der außerordentlichen Professur von Dr. Paul Cullen.

Der Mediziner, in Münster vor allem als Leiter des MVZ Labors bekannt, ist ein bundesweit aktiver radikaler Abtreibungsgegner, der sich zudem jüngst in "impfkritischen" Beiträgen verschwörungsideologisch geäußert hat, wie eine nun veröffentlichte Recherche von AStA und 'kritischem Mediziner*innen' an der Uni Münster belegt (asta.ms/aktuelles-layout?id=125).

Beide Gruppen fordern eine Stellungnahme und Distanzierung von Rektorat und medizinischer Fakultät der Uni Münster zu Dr. Cullens politischen Aktivitäten und sehen die Voraussetzungen für einen Entzug seiner außerordentlichen Professur gegeben.

Diese Forderungen unterstreichen AStA und 'kritische Mediziner*innen' mit einer umfangreichen Dokumentation und Analyse der politischen Aktivitäten des in Münster lebenden Mediziners: Als Vorsitzender der Organisation "Ärzte für das Leben e.V." tritt Dr. Cullen für das vollständige Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen ein, diffamiert diese als "Tötungen" und spricht Schwangeren* das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper grundsätzlich ab. Im Rahmen dieser Tätigkeit tritt er auch als Organisator und Redner bei Demonstrationen und Kongressen auf.

"Dr. Cullen ist ein bundesweit aktiver radikaler Abtreibungsgegner", fasst Clara Lindner vom AStA der Uni Münster zusammen, "Sein Netzwerk reicht von konservativen bis hin zu christlich-fundamentalistischen Kreisen und um es aufzubauen nutzt er auch sein Renommee als Professor an der Uni Münster."

Seit Kurzem äußert sich Dr. Cullen auch zur aktuellen Covid-19-Pandemie: In Artikeln und Videos kritisiert er vor allem die aktuelle Impfstrategie und bedient sich teils verschwörungsideologischer Argumente: Die Sars-CoV-2- Impfstoffsuche bezeichnet er als überhastet, spricht von einer Massenimpfungspflicht, warnt vor massiven gesundheitlichen Schäden und suggeriert, die Gefahr, die von Covid-19 ausgehe, sei unerheblich. "Seine Äußerungen über das Virus und mögliche Impfungen bewegen sich zwischen streitbar und schlicht falsch", so Rosa Friedrichs von den 'Kritischen Mediziner*innen' zu den Veröffentlichungen, "Auf jeden Fall handelt es sich um eine unwissenschaftliche Verharmlosung der Krankheit, die weder für einen Professor der medizinischen Fakultät noch den Geschäftsführer des größten Coronatest-Labors der Region angemessen ist und in einer Pandemie fatale Folgen haben kann.

Dass Dr. Cullen mit solchen Thesen bei der extremen Rechten, unter anderem der AfD, Anschluss sucht, ist wohl ebenfalls kein Zufall: Anhand einer Rede, die Dr. Cullen 2016 öffentlich hielt, belegen AStA und 'kritische Mediziner*innen', dass Cullen sich bereits damals extrem rechter Schlagworte und Narrative bediente und (strukturell) antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitete.

"Jemand, der sich im 'Kulturkampf' gegen eine 'Meinungsdiktatur' wähnt und die Welt von wenigen 'Finanzeliten' und einer 'Euthanasielobby' gelenkt sieht, kann die Uni Münster nicht als Professor vertreten", so Clara Lindener vom AStA zu Cullens Rede, "das widerspricht den selbst festgelegten wichtigen moralischen Grundsätzen der Uni Münster."

Dr. Cullen hat mittlerweile gegenüber dem Münsteraner Blog "Die Wiedertäufer" Stellung zu den Recherchen genommen. Dabei ließ er sich von Cornelia Kaminski, der Vorsitzenden der "Aktion Lebensrecht für Alle", einer Organisation radikal-christlicher Abtreibungsgegner*innen, unterstützen. Kaminski ist wie Dr. Cullen eine bundesweit aktive, gut vernetzte radikale Antifeministin. Sie trat u.a. bei den homophoben "Demos für alle" als Rednerin auf. Auf Ihrem YouTube-Channel teilt sie neben Cullens Videos zur Corona-Pandemie auch Videos der kanadischen Organisation Choice42, in denen Schwangerschaftsabbrüche als "Kindsopfer" bezeichnet werden.

Von seinen Positionen entfernte sich Dr. Cullen in dem Interview kein Stück, sondern bezeichnete sie in einer Anwendung klassischer rechter Diskursstrategie als "Minderheitenmeinung".

Beide Gruppen fordern vom Rektorat und der medizinischen Fakultät nun eine Distanzierung von Dr. Cullen: "Wir als Studierende schätzen, dass die Universität ein Raum der freien Meinungsäußerung ist, in dem auch kontroverse argumentbasierte Diskussionen möglich sind. Prof. Cullen hat diesen Raum mit seinen unwissenschaftlichen, antifeministischen und antisemitischen Äußerungen jedoch schon lange verlassen.", begründet Isaak Bicks aus dem AStA der Uni die Forderung.

"Prof. Cullen nutzt seine Professur an der Uni Münster, um diese Positionen und seine politische Agenda zu verbreiten", ergänzt Rosa Friedrichs, "die Konsequenz kann nur lauten, ihm seine außerordentliche Professor zu entziehen: Wer sich öffentlich und wiederholt unwissenschaftlich, antiemanzipatorisch und antisemitisch äußert und durch die Verbreitung von Verschwörungsideologien auffällt, soll und darf keinen Platz an der Universität und insbesondere nicht in der Lehre haben", so Clara Lindner abschließend.



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