Griechenland und Türkei im Dialog um Erdgas-Streit

Ein Durchbruch in dem Konflikt zwischen den beiden Nato-Staaten wurde von den Gesprächen aber nicht erwartet.

Nach fast fünfjähriger Unterbrechung haben Griechenland und die Türkei ihre Gespräche zur Beilegung des Streits um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer wieder aufgenommen. Vertreter beider Seiten kamen am Montag zu einem ersten Treffen in Istanbul zusammen. Die Bundesregierung begrüßte die Wiederaufnahme des direkten Dialogs. Ein Durchbruch in dem Konflikt zwischen den beiden Nato-Staaten wurde von den Gesprächen aber nicht erwartet.

Die griechische Delegation wurde in Istanbul vom türkischen Vize-Außenminister Sedat Önal empfangen. Zwischen den Jahren 2002 und 2016 hatten sich Vertreter der Türkei und Griechenlands bereits zu 60 Gesprächsrunden getroffen, diese dann aber ergebnislos abgebrochen. Griechenlands Außenminister Nikos Dendias erklärte am Wochenende dennoch, sein Land gehe "mit guten Absichten" in die neuen Gespräche. Bei diesen handle es sich jedoch nicht um "Verhandlungen", sondern nur um ein "informelles" Treffen.

Die Bundesregierung zeigte sich erfreut über die Wiederaufnahme der Gespräche. Bundesaußenminister Heiko Maas habe vergangene Woche Ankara besucht und die Unterstützung Deutschlands für den Dialog zugesichert, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr. Welche konkreten Schritte vereinbart werden, sei jedoch "Sache der Parteien", betonte Adebahr. "Wir hoffen, dass gegenseitiges Vertrauen wieder aufgebaut werden kann."

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. Im vergangenen Jahr wäre der Streit fast eskaliert, die Nato-Partner Ankara und Athen entsandten im August Kriegsschiffe.

Im September erklärten sich beide Seiten zwar zur Wiederaufnahme von Gesprächen bereit, nannten aber keinen Termin. Die Hoffnungen auf eine Entspannung waren damals zunichte gemacht worden, nachdem die Türkei die umstrittene Gas-Erkundungsmission eines Forschungsschiffes im östlichen Mittelmeer verlängert hatte. Nach Sanktionen der EU und der Androhung von weiteren Strafmaßnahmen lenkte die Türkei schließlich ein. 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äußerte zuletzt auch den Wunsch nach besseren Beziehungen zur EU. Beobachter halten diese Bemühungen um Entspannung auch für eine Folge des Wahlausgangs in den USA. Der neue US-Präsident Joe Biden sieht die Entwicklungen beim Nato-Partner Türkei deutlich kritischer als sein Vorgänger Donald Trump.

muk/bk/ck

Fulya OZERKAN / © Agence France-Presse


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