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Hommage an eine Volksdroge

Sie weckt die Lebensgeister und erlöst von Kopfschmerzen: Die Volksdroge Kaffee. In Nordrhein-Westfalen genehmigen sich die Konsumenten im Durchschnitt knapp vier Tassen am Tag. Sind sie alle abhängig? Und wenn ja - ist das überhaupt schlimm?

Im 17. Jahrhundert ließ der Regent Murad IV das beliebte Aufputschmittel im Osmanischen Reich verbieten. Kaffeehäuser wurden geschlossen und Kaffeetrinker verfolgt und hart bestraft.

Heute ist das schwarze Gebräu überall legal erhältlich und wird durch alle Bevölkerungsschichten hinweg in großen Maßen konsumiert - eine klassische Volksdroge also. Schon Franz Kafka soll angeblich behauptet haben: „Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“

Der Wirkstoff im Kaffee, das Coffein, passiert ohne Weiteres die Blut-Hirn-Schranke. Im Gehirn angekommen, dockt er an Rezeptoren an und blockiert diese, sodass der eigentliche – körpereigene – Ligand nicht mehr binden kann: Das Adenosin. Adenosin fällt bei Hirnaktivitäten an und macht, lapidar gesagt, müde. Der Sinn dahinter ist, das Gehirn vor Überanstrengung zu schützen. Kommt nun das Coffein ins Spiel, ist es vorbei mit der Müdigkeit.

Außerdem sorgt Coffein dafür, dass der Körper die Stresshormone Adrenalin und Cortisol vermehrt ausschüttet. Die Blutgefäße verengen sich, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Konzentration steigen merklich.

Diese starke Wirkung ist – wie es Drogen so an sich haben – nicht von Dauer, wenn häufig und in hohen Konzentrationen konsumiert wird. Auf zellulärer Ebene bedeutet das: Es bilden sich mehr Rezeptoren für das Müde-macher-Molekül Adenosin aus, sodass dieses endlich wieder binden kann. Es sei denn, man erhöht die Coffein-Dosis. Als Folge rüsten die Nervenzellen wiederum mit neuen Rezeptoren nach. Ein Teufelskreis.

Diese Toleranz gegenüber einem Wirkstoff spricht für eine klassische Abhängigkeit. Wer die Droge absetzen will, kann mit Entzugserscheinungen wie Schlappheit, Kopfschmerzen und Übelkeit rechnen - kein Wunder, wenn die Rezeptoren plötzlich für Adenosin freiwerden. Klingt übel, der Spuk ist aber nach wenigen Tagen vorbei, nicht vergleichbar also mit dem Entzug anderer Drogen wie Nikotin oder Alkohol.

Viele wollen den Teufelskreis gar nicht durchbrechen und „clean“ werden. Mit der Abhängigkeit lässt es sich gut leben. Allein der Geruch wirkt betörend und die dampfende Tasse frisch gemahlenen Kaffees macht bereit für den Tag. Kaffee ist mehr als nur eine Stimulanz. Er ist Ausdruck eines Lebensgefühls und er prägt seit Jahrhunderten Kulturen auf der ganzen Welt. Während er in Japan am liebsten mit Sojamilch und in Brasilien  mit Zimt getrunken wird, fügen die Italienier ihrem Cafè Corretto (dem "korrigierten" Espresso) Weinbrand oder Amaretto hinzu.

Und auch wenn die Wirkung nicht mehr so stark ist – sie macht sich dennoch bemerkbar durch eine verbesserte Konzentration, Denkfähigkeit und Koordination. Bei Migräne, die mit geweiteten Hirnarterien einhergeht, kann Coffein durch seine gefäßverengende Wirkung Abhilfe schaffen.

Und mögliche Nebenwirkungen? Bei starker Überdosierung können Schweißausbrüche und Herzrhythmus-Störungen auftreten. Und Dehydration.

Vielleicht hat Kafka damals einfach nicht tief genug ins Glas beziehungsweise in die Tasse geschaut.

Quellen:

https://www.zeit.de/2019/46/kaffee-konsum-anbau-ernte

https://www.chemie.de/lexikon/Koffein.html

https://www.coffee-perfect.de/kaffeewissen/kaffeekulturen/#cookieoverlay

https://www.coffeecircle.com/de/e/kaffee-geschichte

https://www.quarks.de/gesundheit/ernaehrung/wie-gesund-ist-kaffee/

https://www.worldsoffood.de/specials/kaffeewelten/item/852-internationale-kaffeekultur-zum-tag-des-kaffees.html