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Lufthansa-Streik läuft seit Mitternacht

Das Landesarbeitsgericht hielt ein Urteil aus erster Instanz "für völlig zutreffend" und wies die Berufung der Lufthansa ab

Bei der Lufthansa hat in der Nacht zu Donnerstag ein 48-stündiger Streik der Flugbegleiter begonnen. Der Ausstand begann nach Angaben eines Sprechers der Flugbegleitergewerkschaft UFO wie geplant um Mitternacht. Zehntausende Kunden der Lufthansa müssen bis Freitagnacht Flugausfälle und Verspätungen hinnehmen. Wegen des Streiks fallen an beiden Tagen voraussichtlich 1300 Flüge aus, 180.000 Passagiere sind betroffen. 

Die Lufthansa war am Mittwochabend vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht mit dem Versuch gescheitert, die Arbeitsniederlegungen noch zu stoppen. Das Landesarbeitsgericht hielt ein Urteil aus erster Instanz "für völlig zutreffend" und wies die Berufung der Lufthansa ab. Es gebe zwar mehrere berechtigte Einwände der Fluggesellschaft, insbesondere in der Frage, ob die der Streikankündigung zugrunde liegende Urabstimmung von UFO rechtmäßig gewesen sei. Diese Einwände reichten aber nicht aus, um das Streikrecht der Gewerkschaft zu beschneiden.

Zuvor hatte das Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Eilantrag der Lufthansa auf eine einstweilige Verfügung zurückgewiesen und entschieden, dass die geplanten Streikmaßnahmen "nicht offensichtlich rechtswidrig" seien; dies gelte "insbesondere im Hinblick auf die Rechtmäßigkeit und Tariffähigkeit der UFO".

"Wir wissen, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen", sagte die UFO-Vorsitzende Sylvia De la Cruz nach dem Urteil der Nachrichtenagentur AFP. Ihr Vize Daniel Flohr und sie zeigten sich "trotzdem froh", dass das Gericht die Arbeitsniederlegungen genehmigte. "Vielleicht müssen wir dann auch beide damit leben", sagte ein Anwalt der Lufthansa mit Blick auf die Streikfolgen für die Airline sowie mögliche Schadensersatzansprüche gegen UFO, die das Unternehmen geltend machen wolle.

Der Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa soll bis Freitag um 24.00 Uhr andauern. Die Flugbegleitergewerkschaft rief ihre Mitglieder für Donnerstag zu einer Kundgebung am Flughafen München auf, für Freitag am Flughafen Frankfurt am Main. UFO hatte zum Warnstreik aufgerufen, um die Lufthansa an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Auch für bessere Arbeitsbedingungen sollen die Flugbegleiter in den Ausstand treten. 

Am Donnerstag können nach Angaben des Konzerns daher von rund 3000 geplanten Flügen nur 2300 stattfinden, am Freitag 2400 von 3000. Kunden können ihren für einen der beiden Tage gebuchten Flug kostenlos auf einen Flug mit Lufthansa oder einer ihrer Töchter in den nächsten zehn Tagen umbuchen, unabhängig davon, ob er tatsächlich gestrichen wird oder nicht, wie der Konzern mitteilte. 

Auf innerdeutschen Strecken können Fluggäste demnach auch die Deutsche Bahn nutzen. Dazu können sie ihr Ticket online in einen Fahrschein der Bahn umwandeln. Die Anreise zum Flughafen sei dafür nicht notwendig. Die Lufthansa bat die Fluggäste, sich vor Reiseantritt auf der Internetseite der Airline über den Status ihres Flugs zu informieren. 

Der Konzern zweifelt die Vertretungsbefugnis der UFO für das Kabinenpersonal an und sieht die "Gewerkschaftseigenschaft" ungeklärt. Das Landesarbeitsgericht wollte diese "hochkomplexe vereinsrechtliche Frage am Mittwochabend nicht abschließend beurteilen. 

Die Lufthansa hatte Mitte Oktober eine freiwillige Gehaltserhöhung um zwei Prozent angekündigt, rückwirkend zum 1. Juli. UFO sagte daraufhin einen zunächst geplanten Streik für den 20. Oktober bei der Kerngesellschaft Lufthansa ab. Dann aber legten Flugbegleiter an dem Tag doch die Arbeit bei den vier Konzerntöchtern SunExpress, Cityline, Eurowings und Germanwings nieder.

muk/ut

© Agence France-Presse