Die brutale Realität

Die Lebensverhältnisse in den Psychiatrien waren bis in die 1970er-Jahre hinein häufig menschenunwürdig. Eine neue Multimedia-Reportage des LWL und der Universität Münster gibt einen Einblick in die brutale Realität der Anstaltspsychiatrie.

Münster (lwl) - Vergitterte Fenster, Bettensäle, heruntergekommene Toiletten: Die deutsche Anstaltspsychiatrie war bis in die 1970er-Jahre von zahlreichen Missständen geprägt. Mit der Ausstellung "Die 'brutale Realität' will man dies sichtbar machen. Psychiatriekritische Fotografien aus den '68er'-Jahren" thematisiert das Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Kooperation mit der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) die unmenschlichen Lebensverhältnisse in den damaligen Anstalten. Eine neue Multimedia-Reportage ermöglicht es, die Ausstellung online zu erleben.

Zahlreiche Informationen, Fotos und zeitgenössische Fernseh- und Filmausschnitte bieten einen umfassenden Einblick in die Entstehung und den gesellschaftlichen Kontext von 122 Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Westfälischen Landeskrankenhaus (heute: LWL-Klinik) Warstein.

Die im Winter 1970/71 gemachten Bilder sind ein seltener Fall zeitgenössischer Psychiatriekritik aus der Institution selbst heraus. Die Fotoproduktion entstand im Tandem: Dr. Eberhard Kluge, damals Leiter des Westfälischen Landeskrankenhauses Warstein und Mitglied der westdeutschen Psychiatrie-Enquete-Kommission, beauftragte den Pfleger und Amateurfotografen Karl Klucken, die "brutale Realität" im Bild festzuhalten.

Die Multimedia-Reportage ist abrufbar unter http://www.regionalgeschichte-digital.lwl.org.

Quelle: LWL

Foto: Karl Klucken, 1970/71 (Archiv- und Dokumentationszentrum LWL-Klinik Warstein). Die Lebensverhältnisse in den Psychiatrien waren - wie im Bild von einer Toilette zu sehen - bis in die 1970er-Jahre hinein häufig menschenunwürdig.



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