Ein Knall für alle Fälle

Bei der Aussicht, einem Feuerwerk zu begegnen, versammelt sich meine ganze Abneigung auf dieses Ereignis.

Was soll denn an dem Lärm erfreulich sein? Man geht in ein Fachgeschäft und kauft einen viel zu teuren Knall, den man augenscheinlich schon vorher hat.

„Peng“, und das Geld ist weg. Von den Chinesen erfunden, existiert eine große Bandbreite von Ohrschrecknissen, die die Schmerzgrenze spielend überschreiten.

Allerdings geht dem Erlebnis ein Trainingsprogramm voraus, das täglich vom Fernsehen angeboten wird.

Kriegslärm ist genau auf dem Level der Partitur, die das Feuerwerk begleitet. Einen leisen Waffengang kann sich nicht einmal ein Explosionsdesigner vorstellen.

Wir haben den 1.und 2. Weltkrieg unter anderem auch akustisch eingefangen und wissen, wie zum Beispiel eine Stalinorgel pfeift.

Die modernen Heuler machen Freude, und niemand wirft sich in den Schlamm, wenn es zischt und kracht. Es bleibt nicht bei ohrenbetäubendem Lärm, sondern zusätzlich wird es blitzhell.

Die Lichterscheinungen faszinieren und erinnern manchmal an Nordlichter, die allerdings sind stumm und daher von großem Zauber. Ich stelle mir vor, wie wohl ein stummes Feuerwerk auf Lärmenthusiasten wirken würde.

Bei Hunden und Katzen behaupte ich, sie würden die Stille begrüßen. Dass sie diese „Sinnesorgie“ siebenmal lauter empfangen, verstärkt meinen Unmut in hohem Maße.

Damit wir aber einen Abneigungsvolltreffer erzielen, fragen wir nach dem Preis für Schall und Rauch und sind bedient.

Wie schön wäre dagegen ein umweltfreundliches Lichterspiel auf dem Aasee.

Krieg ist laut und Friede leise, und der sei mit euch …

 

Claus Steinrötter

 

Bild: Carsten Weitzmann

Titel: "Ich wohn in mir und hab dort Gäste"



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