Stille Weihnachten in aller Welt

Viele Weihnachtsbotschaften gingen auf die ungewöhnliche Lage ein - sie enthielten Trost, riefen aber gleichzeitig zur Solidarität auf. Als Zeichen der Solidarität forderte Papst Franziskus auch einen freien Zugang zu den neuen Impfstoffen.

Stille Weihnachten: Die Corona-Pandemie hat Menschen in aller Welt ein weitgehend isoliertes Fest und der katholischen Kirche Gottesdienste quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschert. Viele Weihnachtsbotschaften gingen auf die ungewöhnliche Lage ein - sie enthielten Trost, riefen aber gleichzeitig zur Solidarität auf. Als Zeichen der Solidarität forderte Papst Franziskus auch einen freien Zugang zu den neuen Impfstoffen.

"In diesem historischen Augenblick, der von der ökologischen Krise und von schwerwiegenden wirtschaftlichen Missverhältnissen gekennzeichnet ist, die durch die Pandemie noch verschlimmert wurden, bedürfen wir mehr denn je der Geschwisterlichkeit", unterstrich der Papst am Freitag in seiner per Video übertragenen Weihnachtsbotschaft. Diese müsse über die Familie, die eigene Volksgruppe, Religion oder Kultur hinausgehen und auch "in den Beziehungen zwischen Völkern und Nationen" gelten.

Niemand dürfe zulassen, dass "Nationalismus" und "das Virus des extremen Individualismus" zur Gleichgültigkeit "gegenüber dem Leiden anderer" führe, mahnte das 84-jährige Oberhaupt der rund 1,3 Milliarden Katholiken. Franziskus appellierte an Staatschefs, Unternehmen und internationale Organisationen, die "Gesetze des Marktes" und des Wettbewerbs zu ignorieren und gemeinsam daran zu arbeiten, dass alle geimpft werden können - insbesondere "die Schwächsten und Bedürftigsten in allen Teilen der Welt".

Anschließend spendete das katholische Kirchenoberhaupt von der Benediktionsaula des Petersdoms aus und ohne die sonst zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz den feierlichen Papstsegen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis").

Unter strikten Hygienevorschriften und ohne den üblichen Massenandrang hatten bereits an Heiligabend die traditionellen Christmetten in Rom und Bethlehem stattgefunden. An der auf 19.30 Uhr vorverlegten Messe im Petersdom nahmen nur etwa 200 Gläubige, vorwiegend Beschäftigte des Vatikanstaats, teil. Auf dem Petersplatz fuhr derweil ein einsamer Polizeiwagen.

In Bethlehem, der Geburtsstadt Christi im Westjordanland, fehlten ebenfalls die üblichen Menschenmassen am Heiligabend. An der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche nahmen nur wenige Kleriker und geladene Gäste teil. 

"Sie dürfen sich nicht die Hand geben, aber sie dürfen sich den Frieden wünschen", sagte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, während des Gottesdienstes in dem Moment, in dem sich die Gläubigen traditionellerweise die Hände schütteln.

Tröstende Worte fand auch Königin Elizabeth II. in ihrer Weihnachtsansprache. "Sie sind nicht allein", sagte die 94-jährige britische Monarchin in ihrer auf Schloss Windsor aufgezeichneten Ansprache, wo sie und ihr 99-jähriger Mann als Vorsichtsmaßnahme seit März wohnen. 

Großbritannien ist mit mehr als 70.000 Toten eines der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Länder weltweit; hinzu kommt nun auch noch die Ausbreitung einer mutmaßlich ansteckenderen Variante des Coronavirus.

"Für viele ist dieses Jahr ein Jahr der Traurigkeit: Einige trauern um den Verlust eines geliebten Menschen, andere vermissen Freunde und Familie, während sie sich zu Weihnachten eine einfache Umarmung oder einen Händedruck wünschen", sagte die Queen und fuhr fort: "Wir konnten Christi Geburt nicht wie sonst feiern, aber das Leben muss weiter gehen".

Die Queen dankte in ihrer Ansprache den Menschen, die nun den Schwächsten der Gesellschaft helfen würden. "Wir werden weiterhin durch die Freundlichkeit von Fremden inspiriert und finden Trost in der Tatsache, dass es selbst in den dunkelsten Nächten Hoffnung gibt."

Einen Trost an Weihnachten gab es schließlich auch für die Katholiken in Belarus: Nach Monaten in Polen durfte der Erzbischof von Minsk, Tadeusz Kondrusiewicz, zu Heiligabend wieder nach Hause. Er hatte die Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten in Belarus verurteilt, daraufhin war ihm im August die Wiedereinreise nach einem Urlaub im Nachbarland ohne Angaben von Gründen verweigert worden.

ans/lan

Catherine MARCIANO / © Agence France-Presse



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