Russland beginnt mit Massenimpfungen

In Moskau haben großangelegte Impfungen gegen das Corona­virus SARS-CoV-2 begonnen. Der von russischen Wissenschaftlern entwickelte Impfstoff „Sputnik V“ wurde am Wochenende mehr als 25.000 Freiwilligen verabreicht.

Die staatlichen Medien bejubelten den Beginn der Impfkampagne und verglichen ihn mit dem Vordrin­gen der Sowjetunion ins Weltall. Eine der Schlagzeilen lautete: „Der Start des Sputniks!“ Der „Sputnik“ war 1957 der erste künstliche Erdsatellit im Kosmos.

Damit gehört Russland zu den ersten Ländern weltweit, die ihre Bevölkerung in größerem Stil gegen die Lungenkrankheit COVID-19 impfen lassen. Zum Auftakt bekamen Mitarbeiter des Bildungs- und des Ge­sundheitswesens sowie sozialer Dienste den Impfstoff. In Europas größter Stadt mit offiziell zwölf Millio­nen Einwohnern hatten sich Tausende für den Start vorgestern einen Termin geben lassen.

Bürgermeister Sergej Sobjanin gab die Zahl der bisher Geimpften gestern Mittag mit 25.000 an. Insge­samt sollen in Moskau bis zu sieben Millionen Menschen geimpft werden.

Der TV-Sender Rossija 24 zeigte, wie riesige Kühltaschen mit der Aufschrift „Sputnik V“ per Flugzeug auch in andere Teile des riesigen Landes gebracht wurden. In anderen Regionen beginnen die Massen­impfungen in den nächsten Tagen. Sie sind kostenfrei und freiwillig. Zugelassen sind zunächst aber nur Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren.

Impfen lassen kann sich, wer von Berufs wegen viel Kontakt mit anderen hat und deshalb einem beson­de­ren Risiko ausgesetzt ist. Auch Soldaten bekommen die Spritze. Nach 21 Tagen ist eine zweite Injek­tion erforderlich.

Kremlchef Wladimir Putin hatte zum Start der Impfkampagne angekündigt, dass allein im Dezember rund zwei Millionen Impfdosen verabreicht werden sollen. Allerdings gibt es Probleme, das Vakzin in großen Mengen zu produzieren. Kremlkritische Medien berichten, dass Putins Ziel nicht erreicht werde. Der 68-Jährige selbst hat sich nach Angaben des Kremls bisher nicht impfen lassen.

Die Impfungen in Moskau nahmen nach Angaben der Behörden jeweils etwa eine Stunde in Anspruch. In den ersten zehn Minuten wurde eine medizinische Bestandsaufnahme gemacht. 15 Minuten dauerte die Vorbereitung des Präparats, das in gefrorenem Zustand bei minus 18 Grad Celsius aufbewahrt wird. Die frisch Geimpften mussten dann noch etwa eine halbe Stunde unter medizinischer Beobachtung bleiben, bevor sie nach Hause gehen durften.

Das Staatsfernsehen zeigte ausgiebig, wie sich zufriedene Menschen die Nadel in den Oberarm stoßen ließen. „Das ist jetzt mein Schutzschild“, sagte die Sozialarbeiterin Jelena Orlowa mit dem Impfzertifikat in der Hand. Dabei beklagen Experten, dass der Impfstoff noch nicht ausgetestet sei. Ausländische For­scher kritisieren, dass es an Daten fehle und viele Fragen offen seien. Solche Zweifel hat die russische Regierung wiederholt zurückgewiesen. Zudem betont sie, dass es Vorbestellungen aus rund 50 anderen Staaten gebe.

Nach Angaben von Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa dauert es 42 Tage, bis sich nach der Impfung eine Immunität gegen das Coronavirus gebildet hat. In dieser Zeit besteht weiterhin Gefahr, sich bei an­deren Leuten anzustecken. Die Politikerin riet dazu, sich nach einer Impfung für diesen Zeitraum bei Kontakten mit der Außenwelt einzuschränken und auch keinen Alkohol zu trinken.

In Russland gab es zuletzt mehrere Fälle, in denen sich etwa geimpfte Ärzte dann doch infizierten und an COVID-19 erkrankten. Die oberste Amtsärztin des Landes, Anna Pop*wa, hatte betont, dass kein Vak­zin „einen Menschen komplett vor einem Virus“ schützen könne. „Aber die Impfung schützt vor einem schweren Verlauf und vor dem Tod.“

Russland hatte als erstes Land der Welt bereits im August „Sputnik V“ zur breiten Anwendung zuge­lassen. Das Land entwickelt zudem mehrere weitere Vakzine. Die Wirksamkeit von „Sputnik V“ wird mit 95 Prozent angegeben. Zudem wirbt Moskau mit einem günstigen Preis von 2136,20 Rubel (23,80 Euro) je Zwei-Komponenten-Impfung im Vergleich etwa zu westlichen Entwicklungen.

Russland gehört zu den stark von der Pandemie betroffenen Staaten. 29.039 Neuinfektionen kamen ges­tern hinzu – so viele wie noch nie an einem Tag. Die Zahl der Coronatoten wurde mit 43.141 angegeben. Zum Vergleich: In Deutschland starben an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 bisher 18.772 Menschen (Stand: 6.12., 00.00 Uhr). Die Zahl der neu gemeldeten Infektionen innerhalb eines Tages lag gestern bei 17.767.

Quelle: dpa/aerzteblatt.de

Foto: /picture alliance, TASS, Alexander Demianchuk



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