Fridays for Future

Rettung für den Regenwald Online-Gespräch mit Bischof Bahlmann und „Fridays for Future”-Aktivistin

Münster (pbm/gun). Wenn sich Bischof Johannes Bahlmann ein gemeinsames Projekt mit Leandra Praetzel von „Fridays for Future“ wünschen dürfte, „dann wäre das ein gegenseitiger Austausch, um mehr voneinander zu wissen und mehr Verständnis füreinander zu bekommen“. Daraus, das wäre dem Bischof von Óbidos in Brasilien aber auch wichtig, sollten konkrete Projekte für mehr Klimaschutz entstehen. Diesen Wunsch äußerte Bahlmann beim Online-Gesprächsabend mit dem Titel „Kein Regenwald? Keine Zukunft!“, zu dem die katholische Akademie Franz Hitze Haus am 23. November in Kooperation mit dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und der Fachstelle Weltkirche des Bistums Münster eingeladen hatte.

Auf immer mehr und größeren Flächen wird im brasilianischen Amazonasgebiet Soja angebaut und werden Rinder gemästet – vor allem für den europäischen Markt. Damit das möglich ist, werden Teile des Regenwaldes abgeholzt oder in Brand gesetzt. Als Konsequenz aus diesen meist illegalen Maßnahmen beobachtet Bischof Bahlmann, der gebürtig aus Visbek im Oldenburger Teil des Bistums Münster stammt und seit 40 Jahren in Brasilien lebt, seit einiger Zeit eine Veränderung des Klimas: „Es wird im Sommer immer heißer, und der Winter setzt früher ein.“

Als Konsequenz fordert Bahlmann einen Perspektivwechsel: „Je mehr Regenwald abgeholzt wird, desto stärker sinkt die Lebensqualität.“ Diese Folgewirkung müsse den Menschen bewusst gemacht werden. Und genau dafür möchte sich der Bischof weiter stark machen: „Wir müssen als Kirche zur Bewusstseinsbildung beitragen.“ Auch durch einen finanzielle Unterstützung von Projekten für Kinder und Jugendliche. Die indigenen Völker am Amazonas sollten dabei als Vorbild gesehen werden: „Von ihnen können wir lernen, im Einklang mit uns selbst, den anderen Menschen, der Natur – und im Einklang mit Gott zu leben.“

Dem stimmte Leandra Praetzel zu. Die Landschaftsökologin appellierte an die Kirchenvertreter, sich intensiver für die Bewahrung der Schöpfung und damit für die Bewahrung des Regenwaldes einzusetzen: „Durch die Abholzung ist er zum Hotspot der von Menschen gemachten Erderwärmung geworden.“ Wenn große Flächen des Regenwaldes vernichtet würden, könne dies Auswirkungen auf das gesamte Gebiet haben, mahnte die Münsteranerin. Das System drohe dann unumkehrbar zu kippen – vom Regenwald zur Savanne. „Wenn wir mit der Rodung weiter machen wie bisher, erreichen wir nach Schätzungen von Experten in zehn bis 15 Jahren den Kipppunkt.“ Dies müsse unbedingt verhindert werden, betonte Praetzel.

Bischof Johannes Bahlmann forderte beim Online-Gesprächsabend einen stärkeren Einsatz für den Erhalt des Regenwaldes. Bild oben: Brandrodung: Für die indigenen Völker und für die Welt gibt es ohne den Regenwald keine Zukunft. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Während die katholische Kirche in vielen südlichen Ländern in Sachen Klimaschutz - Leandra Praetzel formuliert es lieber als Klimagerechtigkeit - stark präsent sei, fehlt der Umweltaktivistin dieses Engagement in Deutschland: „Ich wünsche mir von der Kirche eine lautere Stimme, mit der sie Einfluss nimmt.“ Zwar habe die päpstliche Enzyklika „Laudato si“ vor fünf Jahren die Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt – allerdings nur kurzfristig, wie Leandra Praetzel findet. In ihren Forderungen wurde sie ganz konkret: „Um die Treibhausemmissionen zu senken, können wir unter anderem unseren Fleischkonsum reduzieren.“

Einig waren sich Bischof Bahlmann und Leandra Praetzel am Ende, dass Reden alleine nicht reiche: „Wir müssen endlich umsetzen, was auf dem Papier durch Gesetze und Vereinbarungen fixiert worden ist.“ Denn eines sei sicher: „Wenn der Regenwald einmal weg ist, ist er weg.“

Mehr als 60 Teilnehmer nahmen an der von Adveniat-Pressesprecherin Carolin Kronenburg moderierten digitalen Vortrags- und Diskussionsrunde teil – und brachten sich dabei auch selbst ein. Zudem verfolgten mehr als 200 Zuschauer die Internet-Übertragung des Bistums. Die Diskussion fand im Rahmen der Weihnachtsaktion von Adveniat statt. Unter dem Motto „ÜberLeben auf dem Land“ rückt Adveniat in diesem Jahr die Sorgen und Nöte der armen

Landbevölkerung Lateinamerikas in den Blickpunkt. Die Menschen dort sind von der Corona-Pandemie besonders betroffe

Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent (29. November) im Bistum Würzburg statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und

25. Dezember ist in allen katholischen Kirchen Deutschlands für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika sowie der Karibik bestimmt.


Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45 oder unter www.adveniat.de/spenden.


Kommentar: Dieser Bolzonaro muss weg! Sowie alle Kohlekraftwerke abgeschaltet oder mit CO2-Abscheidetechnologie ausgerüstet werden. Wir haben genug Ingenieurspotential auf allen Gebieten.



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