Lächeln ohne Arschloch zu denken

7,5 Milliarden Menschen bevölkern aktuell unseren Heimatplaneten. 320 Millionen davon sind Amerikaner und einer unter ihnen ist Joseph Biden. Und dieser Eine soll nun das Chaos Aller zum Besseren wenden.



Die Wahl des 46. Präsidenten der USA beherrscht seit Monaten die Medien „around the globe“. Das zeigt, wie verzweifelt die Menschen sind, wie sehr sie sich nach Hoffnung sehnen. Was ist nur aus der Welt geworden, dass wir alle das Gefühl zu haben scheinen, dass uns nur noch ein Wunder retten kann?

Eigentlich standen doch vor wenigen Jahren noch alle Optionen offen. Als Putin Anfang der 2000er im Bundestag sprach, gab es nach seiner Rede „standing ovations“ und als Obama zum 44. Präsidenten ernannt wurde, implantierte er „Yes we can“ nicht nur in die Herzen seiner Landsleute sondern auch in unsere deutschen und viele andere. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass es doch immer wieder Menschen gibt und gab, die die Zeichen der Zeit erkannt zu haben schienen. Und dennoch stehen wir 2020 näher am Abgrund als je zuvor. Denn derzeit droht nicht ein Krieg oder gar Weltkrieg als „worst case szenario“ sondern der Untergang der ganzen Menschheit.

Pandemie, Orkane, Hochwasser und gleichzeitig Hunger, Unterdrückung und Diskriminierung wohin man schaut. Wir verlieren uns im sinnlosen Kampf der Selbstfindung in Details wie Geschlecht, statt uns in der Gemeinsamkeit Mensch, Erdenbewohner, also Lebewesen zu finden und uns allen zu helfen, indem wir anderen zur Seite stehen.

Aber nein: Erst einmal nennst Du mich bitte Frau, Mann, diverse oder sonst etwas, bevor ich dir überhaupt zuhöre. Musst du meinen Scheiß kaufen, damit ich Dich wahrnehme und mir Beifall spenden, damit ich Dich mag. Und in Brasilien postuliert man sogar lautstark, dass der Regenwald jetzt gerodet werden könne, da alle mit Corona beschäftigt seien.

Statt  immer wieder auf einen neuen Jesus zu setzen, der sich dann nicht selten als sein Gegenteil herausstellte, sollten wir beginnen, unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, als Individuum und als Nation. Egal ob als Deutsche, Amerikanische, Russische oder einer anderen, ebenbürtigen, dessen Gleichheit nicht in ähnlicher Quantität der Anzahl und damit (potentieller Kaufkraft) sondern als Wesen mit Gefühlen, Hoffnungen und Träumen.

Dass der Berliner Flughafen nicht fertig wurde, lag nicht nur an unfähigen Bauleuten oder einem völlig überforderten Berliner Senat, sondern an uns, die wir es dazu kommen ließen, dass derlei Absurditäten überhaupt Realität werden konnten. Ähnliches gilt für Trump. Die Menschen haben ihn gewählt, um im Anschluss den, in den sie die Hoffnungen steckten dafür zu grillen, wie er die Probleme anging. Ja, ich fand das auch alles nicht gut, aber erstens bin ich kein Amerikaner und zweitens finde ich es auch nicht gut, dass ich noch rauche, aber am Ende bin auch ich es, der sich immer wieder die Kippe in den Mund steckt.

Iran droht mit Urananreicherung, weil sie Angst haben, wie Nord-Korea. USA hatte Trump, weil viele Bürger Angst haben und in Polen, Ungarn und anderen Nationen ist es nicht anders. Und wovor hat man Angst? Vor dem Anderen, der Angst hat. Und statt dass man genau über jene Angst spricht, igeln sich alle immer weiter ein. Ein Erfolgsrezept wird gesucht, damit die Angst verschwinded, die uns alle eint. Hauptsache mir geht es gut.  

Meines Erachtens liegt das am Geld. Jedem wird suggeriert, dass er alles haben kann weil alles über eine Sache realisiert werden kann, die zumindest potentiell jeder haben kann „ wenn er sich nur anstrengt (,die faule Sau)“. Aber was kaufen wir dann? Lösungen oder andere Probleme? Wir kaufen Autos, damit wir nicht laufen müssen, Rechner, damit wir noch schneller effizienter Nichts machen und Konsumgüter, damit wir nicht merken, wie einsam wir sind. Und all das führt dazu, dass wir bald keine Luft mehr bekommen, um überhaupt atmen zu können.

Alle quatschen von ihrem Nachwuchs und wie stolz sie darauf sind, aber quälen ihn mit Leistungsdruck und einer Umwelt, die zukünftig nicht mehr als Lebensraum zu Verfügung zu stehen. Das ist nichts anderes, als der Mann, der eine Frau bis zur Hochzeit umgarnt um sie dann im Ehebett zu verprügeln, weil ihm plötzlich auffällt, dass auch sie Schwächen hat.

Wir sollten endlich aufhören, uns etwas vorzumachen, unsere Unfähigkeit immer auf andere zu schieben oder in Hoffnungen zu investieren, die am Ende auch nur Menschen sind. Wandel beginnt bei jedem einzelnen. „Yes we can“ braucht „ yes I will and do“. Ich ändere die Welt, indem ich nicht gegen jede Herausforderung des Lebens protestiere, sondern sie angehe. Nicht mit Überstunden, sondern mit Demut und Freundlichkeit. Ein Lächeln auf dem Gesicht, auch wenn es regnet. Wenn was daneben geht ein „ es tut mir leid“, statt nach einem Sündenbock zu suchen und nicht ständig auswechseln, was rudimentär auch mal nicht supergeil ist. Wir verlassen Partner, weil sie unperfekt sind und vergessen, dass wir selbst nicht nur nicht besser sind, sondern die anderen 50 Prozent des Problems.

Tönnies kann sich nur als Arschloch habituieren, weil wir diesen Dreck auch kaufen. Trump konnte nur Hass sähen, weil es genug gab, die dafür empfänglich sind, und Putin verhält sich wie ein Zar, weil 120 Millionen Russen es soweit kommen ließen und damit möchte ich mit nichten sagen, dass „die Russen“, „die Chinesen“, „die Amerikaner“, kurz: die anderen, alle blöd sind, nein sie sind das Gegenteil, sie sind wie du und ich. Und obwohl wir das alle wissen, verhalten wir uns, als hätten nur wir die Weisheit mit dem großen Löffel gefressen, während die anderen im Schweinetrog den Hunger stillen sollen.

Joseph Biden und Kamala Harris werden hoffentlich bis zum 20. Januar einen Weg finden, die Geschicke im Weißen Haus zu lenken, ohne dass iihnen ein rechter Hausbesetzer im Weg steht. Und Trump selbst wird hoffentlich zeitnah sein Glück in Melania und seiner Familie finden und nicht im Elend anderer.

Ich glaube nicht, dass Donald Trump ein schlechter Mensch ist, sondern dass er daran verzweifelt, dass er sich verrannt hat und es nicht zugeben kann, DA WIR ES IHM NICHT VERZEIHEN WÜRDEN, WENN ER ZU DIESER SCHWÄCHE STÜNDE.

Am Ende können auch Joe Biden und Kamala Harris nur so gut sein, wie wir es zulassen. Egal ob man über Obamacare, Protektionismus, Armut oder gesellschaftliche Spaltung diskutiert. Hören wir zu, statt direkt und aus Prinzip dagegen zu sein, nur weil wir einen anderen Weg bevorzugen würden.

Mögen sie auf Zuhörer stoßen, die „in dubio pro reo“, also „im Zweifel für den Angeklagten“ votieren. Und mögen sie mit einem Habitus auf China zugehen, der anspricht, was missfällt ohne böse Absicht dahinter zu vermuten. Jeder will nur seine Schäfchen ins Trockene bringen und keiner wird satter, wenn ein anderer an Hunger stirbt.

Mögen aus Tränen der Trauer endlich wieder Freudentränen werden und zwar auf jedem Gesicht, egal wie es sich individuell gestaltet, das sollte unser aller Maxime sein, und das schaffen wir nur im Alltag, indem wir Türen aufhalten, statt sie unentwegt ins Schloss zu knallen.  

Bis morgen,  

Text: adolf.muenstermann

Bild: Pixabay      


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