Heute gibt es ein Wiedersehen mit Thiel und Boerne

Im neuen Tatort geht es um einen Mord und "Lakritz": Die Untersuchungen im Mord am Münsteraner Marktmeister führen zu einem 40 Jahre alten Fall, in den der damals 14-jährige Karl-Friedrich Boerne verwickelt war

Nach „Spieglein, Spieglein“ (Tatort-Folge 1088) wird für den 3. November 2019 um 20.15 Uhr im Ersten die TV-Premiere des zweiten humorgeschwängerten Krimistreichs aus Münster für das laufende Jahr erwartet: „Lakritz“ ist Tatort-Episode 1107. Es handelt sich dabei um den 35. Einsatz des beliebten Ermittlerduos Thiel und Boerne seit seinem Einstand im Oktober 2002.

Die Untersuchungen im Mord am Münsteraner Marktmeister führen zu einem 40 Jahre alten Fall, in den der damals 14-jährige Karl-Friedrich Boerne verwickelt war. Ob die früheren und die aktuellen Ereignisse rund um die würzige Süßigkeit zusammenhängen? Thiel ist skeptisch, Boerne überzeugt und Nadeshda engagiert.


Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) rinnen Schweißperlen von der Stirn. Sein Shirt verfärbt sich am Rücken dunkel vor lauter Nässe, seine regelmäßigen tiefen Atemzüge entwickeln sich zu einem angestrengten Hecheln. Er kommt zum Stehen: Auf der Promenade, der verkehrsberuhigten Fahrradschnellstraße rund um den Altstadtkern Münsters, strandet der leicht untersetzte Kriminalbeamte. Für heute reicht es mit dem Joggen, denkt er, und macht sich erschöpft auf den Heimweg. Daheim angekommen, dämpft der Gang zum Kühlschrank die Vorfreude auf das Frühstück. Nichts als Grünzeug! Mit entnervtem Gesicht bereitet sich Thiel einen allzu gesunden Smoothie im Mixer statt des üblichen pechschwarzen Morgenkaffees zu. – Da steht unvermittelt der volltrunkene Vermieter und Kollege Boerne (Jan Josef Liefers) vor der Wohnungstür.

Der Rechtsmediziner zeigt noch deutliche Nachwirkungen der vergangenen nächtlichen Feier zum 40. Dienstjubiläum von Marktmeister Hannes Wagner. Der alleinstehende 65-Jährige liegt nun, am Morgen nach der Party, im WDR-Tatort „Lakritz“ in seinem imposanten Anwesen allerdings ausgestreckt und mausetot auf dem Parkett. Die Kripo wird zum Tatort gerufen. Den ersten Indizien zufolge starb das Opfer etwa zwischen ein bis zwei Uhr in der Nacht, auch sind Kampfspuren nachweisbar. Die spätere Obduktion durch Professor Boerne ergibt, dass Wagner einer Zyankali-Vergiftung erlag.

Um den starken Geschmack des Kaliumcyanids zu verschleiern, vermutet der Gerichtsmediziner ein würziges Lebensmittel als Giftträger. Das Toxikum muss nach Mitternacht in den Körper Wagners gelangt sein. Kommissar Thiel, seine junge Kollegin Nadeshda Krusenstern sowie Boerne durchwühlen also die Küchenschränke in Wagners Villa, auf der Suche nach der tödlichen Kost.

Die Aussagen der Haushälterin Christel bringen die Fahnder auf die richtige Fährte: Hans Wagner sei bekannt dafür gewesen, dass er gerne viel Süßes naschte. Und tatsächlich findet Krusenstern eine geöffnete Dose der „Flying Dutchmen“-Lakritz. Der typische Geruch, der den Beamten daraus entgegenströmt, bestätigt den Verdacht. Aber was, wenn weitere Lakritze vergiftet sind? Der Verkauf der Süßigkeiten muss augenblicklich gestoppt werden!

Der Inhaber Cornelius Bellekom steht währenddessen – wie jeden Mittwoch – auf dem Wochenmarkt in Münster und bietet dem flanierenden Fußvolk seine Naschereien an. Als Hauptkommissar Thiel mit einigen Streifenpolizisten anrückt, hält der Verkäufer die Aktion noch für einen schlechten Scherz. Doch seine Waren werden beschlagnahmt. Bei der anschließenden Vernehmung gibt der gebürtige Niederländer Bellekom bereitwillig zu, dem Marktmeister die Dose Lakritz am vorherigen Abend geschenkt zu haben. Von Zyanid wisse er jedoch nichts. Dass beinahe jeder Marktbeschicker ein Motiv gehabt hätte, Hannes Wagner zu ermorden, macht die Untersuchungen im vorliegenden Mordfall nicht gerade leichter; der Mann hatte im Laufe seiner jahrzehntelangen Marktverantwortung offenbar jede Menge Feinde um sich versammelt.

Die Geschichte rund um die würzige Süßigkeit ruft in Karl-Friedrich Boerne zunehmend Erinnerungen wach. Es war 1979, als er als Teenager seiner ersten großen Liebe, der hübschen Monika Maltritz, Nachhilfeunterricht in Mathe gab. Ihre Eltern betrieben in Münster eine Lakritz-Manufaktur, und der junge Karl-Friedrich entwickelte eine große Leidenschaft für das Süßholzprodukt.

Die fragwürdigen Umstände und die Indizien zum Selbstmord von Monikas Mutter sorgten dann dafür, dass Boerne ein erstes Mal mit dem Tod eines Menschen in Kontakt kam – und der unbeliebte neunmalkluge Besserwisser war gleich fasziniert. Er hatte eine Ahnung, dass es sich hierbei nicht um einen Suizid, sondern um einen Mordfall handeln musste, fand allerdings bei dem ermittelnden Kommissar kein Gehör. Der junge Karl-Friedrich schrieb stattdessen alle Untersuchungsergebnisse in sein sorgsam geführtes Detektivtagebuch nieder.

Den Mediziner lässt im Fall „Lakritz“ das Gefühl nicht los, dass ein Zusammenhang zwischen dem Mord an Wagner und der seit 40 Jahren bei der Polizei als erledigt abgelegten Akte von Heide Maltritz besteht. Frank Thiel hält die Mutmaßungen seines Ermittlerkollegen für ein übliches Hirngespinst, hilft ihm aber auf nachdringliches Bitten dennoch dabei, den Keller nach den alten Tagebuchaufzeichnungen aus Boernes Jugend zu durchsuchen. Als die Spuren im Tatort in ebendiese Richtung gehen und das Licht auf das noch heute – mehr schlecht als recht – laufende Maltritz-Geschäft wirft, lässt sich der Kriminalhauptkommissar überzeugen: Die Ereignisse vor vier Jahrzehnten werden noch einmal aufgerollt. Karl-Friedrich und Monika stehen sich darauffolgend an der Theke von „Maltritz Lakritz“ ungläubig gegenüber …



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