Ich will HUPEN!

Wer hätte gedacht, dass es auch Amerikaner gibt und gab, die verlieren können. Der 41. Präsident der USA war zumindest in diesem Falle ein leuchtendes Beispiel:


 

Am dritten November 1992 wurde George Herbert Walker Bush nach nur einer Amtszeit von Bill Clinton als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika abgewählt. Er, der ehemalige FBI Funktionär, der sich zeitlebens die Geheimdienstberichte weiterhin liefern ließ und den Golfkrieg nach einem Überfall Saddam Husseins auf Kuweit initiierte und damit zeitgleich das Chaos im nahen und mittleren Osten mit begründete, hat viele Fehler gemacht, aber eines absolut richtig; er ist als würdiger Verlierer mit folgenden Worten von der politischen Bühne abgetreten:

 

„Lieber Bill, als ich gerade dieses Büro betrat, empfand ich das gleiche Gefühl des Staunens und des Respekts, das ich vor vier Jahren empfand. Ich weiß, dass Sie das auch empfinden werden. Ich wünsche Ihnen viel Glück hier.

 

Ich habe nie die Einsamkeit gespürt, die einige Präsidenten beschrieben haben. Es wird sehr harte Zeiten geben, die durch Kritik, die Sie vielleicht nicht für fair halten, noch schwieriger werden. Ich bin nicht sehr gut darin, Rat zu geben; aber lassen Sie sich nicht von den Kritikern entmutigen oder vom Kurs abbringen. Sie werden unser Präsident sein[…]“

 

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ich wünsche Ihrer Familie alles Gute. Ihr Erfolg ist jetzt der Erfolg unseres Landes. Ich drücke Ihnen fest die Daumen. Viel Glück – George“.

 

concession Speach George Harris Walker Bush 1992

 

Es wäre schön und zugegeben auch einem kleinen Wunder ähnlich gewesen, wenn Donald Trump sich ebenfalls in ähnlich souveräner Attitüde ins Rentnerparadies Florida oder Rhode Island zurückgezogen hätte.

 

Hat er aber nicht und deshalb ist in der gestrigen Nacht wohl erstmalig einem amtierenden Präsidenten das Mikrophon von CNN und anderen führenden Politmedien abgedreht worden: „That what the president said was alomst untruth“ Baaam! Wahre Worte, die dieses bis dato wohl einmalige Szenario begleiteten.

 

Aber ich war schon vorher mehr als verwundert, als FOX News bereits vorgestern Nacht, Biden als erstes Medium zum Sieger in Arizona erklärte, obwohl dort der Vorsprung von Biden stetig schrumpft(e). Ausgerechnet FOX (aber gegen Tollwut kann man ja jetzt schon - --wissenschaftlich nachgewiesen- wirksam impfen). Aber in einem Land mit unbegrenzten Möglichkeiten, sind natürlich auch Absurditäten, die eintreten unter „normalen Bedingungen“ unmöglich.

 

Dass Trumps Haus- und Hof -Sender die drohende Niederlage so schnell eingestand lag aber nicht an der souveränen und vorbildlichen demokratischen Haltung des Senders, sondern entblößt nur, wie machtgeil das Pack ist. Die über 70 Millionen Amerikaner die Trump gewählt haben, übrigens mehr als je zuvor für Republikaner votierten, wollen sich die konservativen Funktionäre nicht vergraulen. Im Gegensatz zu Fuchs Nachrichten.

 

Dem Sender geht es nur um Quote, und die macht man zukünftig, indem man sich über Trump lustig macht, das ist auch laut, macht auch Spaß und ist wesentlich ungefährlicher, aber eine eklige Haltung. Mit Respekt hat das nichts zu tun. Für mich wirkte Trump in seiner letzten Rede müde und entkräftet und für eine faire Berichterstattung gehört es sich, bei am Boden Liegenden nicht nachzutreten, egal wer mit seiner Zunge just kalten Marmor befeuchtet. Auch das ist Demokratie. Man gewinnt mit dem Argument und nicht mit unlauteren Mitteln oder voreilig publizierten Niederlagen, die nur eines intendiert haben können: Warten wir mal ab wie er ausrastet.

 

Quote scheint möglich, denn wenn man die Fans des Bird-blonden bald Ex-Präsidenten nur genug anstachelt, drehen die durch und entfachen einen Bürgerkrieg. Noch mehr Quote. Es ist widerlich, abscheulich und hoffentlich bald zu Ende.

 

Ich wünsche den USA und der gesamten Welt einen Präsident Biden, der Ruhe einkehren lässt, der Zugang zu den irgendwo versteckten oder verbohrten Gehirnen der Extremisten erhält. Einen Staatenlenker und Strategen, von dem sich alle gern repräsentiert fühlen oder zumindest davon ausgehen, dass auch er für das Land nur das Beste möchte.

Ausgerechnet Biden, der als ehemaliger Senator von Delaware eine Steueroase florieren ließ, ist nämlich alles, aber bestimmt kein Sozialist.

 

Das würde auch der am 30. November vor zwei Jahren verstorbene Ex-Präsident George Bush Senior so sehen und wahrscheinlich in diesem Jahr doch fähig und berechtigt sein, einen guten Ratschlag an den noch amtierenden Präsidenten zu formulieren: Dear Donald, stop this bizarr theater (and wait untill 2024).

 

Denn da Trump erst eine Wahlperiode „regiert“ hat, kann er noch einmal antreten und bei allen mehr als berechtigten Kritiken an Trump, einen besseren Wählermobilisierer, hat es bei den Republikanern nie gegeben. Fünf Millionen mehr Stimmen als bei der Wahl 2016 sind beachtlich und mehr als respektabel. Nur schade, dass mit dem Wählerzuwachs auf der einen Seite, leider ein kognitiv antiproportionales Prozedere auf der anderen in Rechnung gestellt wird.

 

Der Vater von „Mission accomplished George“ betonte in seiner Rede am 3. November 1992, „America always comes first, so we have to get behind these President to wish him well“. So klingt es zwar immer noch nicht wie eine Liebeserklärung an die anderen Nationen, aber zumindest nicht wie eine Kriegserklärung an den Rest der Welt. By the way, Nancy Pelosy, die Oberzicke der Demokraten, die ebenso wenig Feingefühl wie ihr Lieblingshassobjekt Trump besitzt, wählte übrigens exakt das Wort Krieg, den die Demokraten neben verlorenen Schlachten gewonnen hätten. Danke Nancy, wenn Melania sich scheiden lässt, wird neben Trump bestimmt wieder ein Plätzchen frei, aber Vorsicht: He may grap you somewhere very sensible.

 

Und jetzt will ich HUPEN! Und zwar 300, bei der außergewöhnlichsten Rede eines wahrscheinlich zukünftigen Präsidenten Joe Biden und seiner zukünftigen Vize Kamala Harris vor den treuesten Fans in seinem Heimatstaat Delaware (obwohl er eigentlich aus Pensylvania stammt) und danach eine friedliche Nacht. Bis morgen.

 

Text: adolf.muenstermann@gmail.com

Bild: Pixabay

 



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