Zwischen Pest und Cholera

Theoretisch, haben wir es jetzt hinter uns: Auch im letzten „battle-ground“, den man früher noch swing State nannte, muss die Stimme mit dem Datum des 3. Novembers abgegeben bzw. eingeworfen sein. Und jetzt?



Man mag Trump ja einiges vorwerfen können, aber der Unterhaltungsfaktor war großartig. Nur zu schade, dass er diesen nicht ausschließlich telepromterisch zum Besten gab. Seis drum, wenn am 21. Januar die USA noch stehen und nicht im Bürgerkrieg versumpft sind, hat entweder Trump oder der ewige „wanne-be“ Präsident Biden das Rennen gemacht und der jeweils andere seine Niederlage eingestanden.

Aber worüber soll man dann noch sprechen, herziehen, sich lustig machen? Der Berliner Flughafen ist seit dem 31. Oktober eröffnet, die Elbphilharmonie grüßt schon länger mit überhöhten Preisen und selbst Stuttgart 21 ist nur noch eine Randnotiz wert?

Sie sagen, dass sei zynisch, so zu sprechen, wo uns doch grad die Welt um die Ohren fliegt? Nun, theoretisch sind wir alle es, Sie es als Leser und ich als Partizipient der Wirklichkeit ebenso, der diesen Scheiß ständig von den Medien erwartet. Nicht weil es so wahnsinnig wichtig wäre, sondern weil es so schön heiß und brisant ist. Jede Nachricht von Trump versprach Weltkrieg und jede unvollendete Großbaustelle Milliarden-Schulden aus der Tasche des Steuerzahlers. Aber jetzt? Wenn Biden gewinnt, wird sich auch die Fraktion um den polnischen Präsidenten Kaczynski, oder den aus Ungarn, diesen Orban sowie den brasilianischen Brandstifter Bolsonaro der Schatten der Mäßigung legen müssen, denn das große Vorbild wurde dann abgestraft und wenn nicht, dann geht der ganze Zirkus weiter und wer weiß, ob ich 2021, um diese Zeit überhaupt noch schreiben kann, ob Weltkrieg oder Zensur der Grund sein wird, sei an dieser Stelle einmal egal.  

Wenn der erste bayerische Bundeskanzler Söder erst einmal das Zepter von Merkel übernommen hat, wird sich in Deutschland wirklich einiges verändern. Der „trial and error“ Macher aus dem Süden war noch nie für langes Warten oder weitsichtige Entscheidungen bekannt. Gewiss, die Maskenpflicht unterstützte er, aber auch nur wie Lidl die Produktion von wiederverwertbaren Kunststofflaschen. Wenn es der Markt erwartet, bekommt er das, was er will. Und das ist eben nicht Friedrich Merz, der es derzeit doch tatsächlich für möglich hält, dass der Nominierungsparteitag der CDU abgesagt wurde, damit er nicht zum Parteivorsitzenden der CDU gewählt wird. Wer`s glaubt. 

Aber egal, ob der Vorstandsvorsitzende von Black Rock Deutschland, ein antiquierter Egomane aus Bayern, der Klassenkreuze für Leitkultur hält oder ein amerikanischer Präsident, der wildfremden Ladys schon mal „by the pussy..“, Sie wissen schon. Die Zeiten sind wirklich zu ernst, um darüber Witze zu machen. Es kann nicht sein, dass wir die „Anarchistische Pogopartei Deutschlands“ wählen, während wir asylsuchende einem Tyrannen vom Bosporus überlassen. Außerdem kann es nicht sein, dass wir Deutschen in Europa wieder den Obermacker spielen und den Rest der Gemeinschaft in die Flucht schlagen, und es kann nicht sein, dass nichts verdammt noch einmal wichtiger ist, als der verdammte 46. Präsident der USA. Haben wir hier nicht genug Baustellen? Und kommen sie mir jetzt nicht mit Globalisierung. Bevor wir hier in Deutschland und Europa unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben, brauchen wir uns auf Diskussionen mit einem Diktator aus Moskau oder einem Chauvi aus Washington gar nicht einzulassen, und die große Freude über eine eventuelle Wahl von Biden bleibt auch noch abzuwarten, denn der Ton, den Trump gegenüber China angeschlagen hat, soll beibehalten werden und auch die zwei Prozent Bruttoinlandsprodukt-Investition, die die NATO von uns verlangt, wird bleiben, auch bei Biden, weil auch er das will und wollen muss und weil er einen Stoltenberg von der Nato im Nacken hat, der stets guttierend nicken wird.

Mal schauen was passiert. Ich würde mich am liebsten auf in vier Jahren freuen, wenn Kamela Harris hoffentlich kommende US- Präsidentin wird. Denn diese Frau, wird einiges rock`n, da kann sich die Welt drauf gefasst machen. Und der Umstand, dass es sich bei ihr um eine farbige Frau handelt, macht daraus keinen zwingenden Vorteil, zumindest nicht, wenn „Trumpel“ wie Söder oder Merz am Ruder sind oder Papa Laschet zum Grillen an den Rhein lädt. Ehrlich gesagt, wäre mir da fast, der Röttgen lieber. Aber wer sowas sagt, muss wirklich nur noch die Pest als Alternative zur Cholera haben, oder ehemalige Coronapatienten.

 

In diesem Sinne,

 

bis morgen.

 

Adolf.muenstermann@gmail.com

     


Teile jetzt diesen Artikel


Lade jetzt kostenlos die App herunter