Die Wiedergeburt des James Buchanan

In den USA ist grad der Teufel los und die gut 320 Millionen Amerikaner sind zerrissen wie nie. Das liegt zum einen an der Situation an sich, aber auch, wie schon 1856 an einem katastrophalen Präsidenten - bis 2015 dem schlechtesten aller Zeiten.

 

Die „New York Times“ titelte im Januar, dass sich in diesem Jahr 1856 wiederhole, das Jahr, als ein Demokrat sich auf die Seite der Sklavenbefürworter schlug und den Riss, der erst durch Lincoln 1865 wieder einigermaßen beruhigt werden sollte, mit Ignoranz und Parteilichkeit noch breiter mache.

 

Die Zeit zwischen 1850 und 1870 in der auch der amerikanische Bürgerkrieg stattfand (1861-1865) hatte viele Ähnlichkeiten mit der heutigen. Rassenhass dominierte das noch relativ junge Land und als  Abraham Lincoln 1860 16. Präsident wurde, musste es erst eskalieren, bevor die Vernunft wieder die Überhand gewann.

 

Zur damaligen Zeit gab es noch drei Parteien in den USA (Democrats, Republicans und die der Whigs) und in der Verfassung bestand noch die Möglichkeit, dass sich auf dem gigantischen Territorium weitere Staaten bildeten. All das war nach der Teilung in Süd und Nordstaaten vorbei. Ironie des Schicksals, die Republikaner waren zu jener Zeit die Repräsentanten, von  „Free Soil, Free Speech, Free Men and Frémont“ und gegen die Sklaverei. Ich will nicht sagen, dass sie heute dafür wären, aber die Tendenzen haben sich doch verschoben.

 

James Buchanan war nun jener Vertreter, der das Land 1856 als 15. Präsident beruhigen wollte und das Gegenteil erreichte. Er schwor sich auf ein Pro Sklavenhaltung ein und ignorierte alle weiteren Meinungen und Argumente. Was schlussendlich im Bürgerkrieg endete.

Wie Buchanan damals von Abraham Lincoln abgelöst wurde, so hofft man heute auf Joe Biden, um das „laaaahand of the free“ zu beruhigen, was allerdings erst mit dem Ende des Bürgerkrieges 1865 erstmalig konstruktiv begonnen werden konnte.

 

Wollen wir hoffen, dass es in diesem Jahr nicht zu solch extremen Ausmaßen kommt und der erhoffte Übergang aller Gemäßigten ohne kriegerische Auseinandersetzungen von Sta(at)ten geht.

 

Die Welt braucht Ruhe und das Selbstbewusstsein einer stolzen Nation die zeigt: wenn wir das können, kann es die ganze Welt. Erst vor wenigen Tagen wurde in Neuseeland ein erstes beruhigendes Zeichen gesetzt, als die alte und neue Premierministerin Jacinda Kate Laurell Ardern mit absoluter Mehrheit in ihrem Amt bestätigt wurde. Sie wählte in Bezug auf Migranten und Gegner die wunderbare Formulierung “ They (die Migranten) are us, and the others are not!”. Mit ihrem emphatischen Habitus beim Anschlag auf eine Synagoge, als sie demütig mit schwarzem Kopftuch die Überlebenden und Angehörigen tröstete, ging um die Welt.

 

Hoffen wir, dass Joe Biden, als alter und Mann, die gleiche Strahlkraft besitzt, oder zumindest eine ähnliche. Das Schlimmste wäre eine Eskalation in der Nation, an der sich so viele andere orientieren.


Bild: Pixabay

Text: adolf.muenstermann@gmail.com



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