Hand auflegen verboten

Endlich Wochenende. Man liegt mit der gestern frisch kennengelernten Corona-Schleuder aus dem Jovel in der Kiste und darf im katholischen Münster mal wieder den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Und was macht man da so?

Maximal zehn Personen aus zwei Haushalten dürfen gemeinsam einsam sein und im Internet danach schauen, wo es heute zum Tagesausflug nicht hingehen kann. Holland, Frankreich und Berlin Charlottenburg fallen aus. Polen, Ungarn, Bulgarien und Österreich erledigen sich von selbst, und die Schweiz kann man sich ja selbst als Oberstudienrat vom Schlauen-Gymnasium nicht leisten.

Aber wozu gibt es die Lidl App? Warum nicht mal wieder einkaufen gehen? Mit 1000 Leuten aus 10.000 Familien, die sich trotzdem das letzte Mal bei ihrer Taufe die Hände gewaschen haben. Herrlich urban und so interaktiv. Hier ein freundliches „verpiss Dich“ da ein „komm mir nicht zu nah“, selten war Kommunikation in der Domstadt so eloquent wie heute. Oder gestern. Als mich ein 15-Jähriger ohne Maske mit besoffenem Ton und feuchter Aussprache darauf hinwies, dass mein asoziales Verhalten "beim Ampel trotz Rot zu Überqueren" darauf hinwies, dass ich ein Vorbild zu sein habe.

Da hab ich mir doch gleich erst einmal in die Hände gespuckt und ihm ohne Handschuh eins vor den Latz gegeben. Hat ja keiner zugesehen. Gott Lob, war ich gleich daheim und konnte mir die Wichsgriffel waschen, wer weiß, wo der seine pickelige Hackfresse schon überall gebettet hat?

Aber zurück zum Thema. Ich muss gleich noch in die Stadt, einen Brief einwerfen. Hoffentlich funktionieren meine geistigen Kräfte noch ausreichend, sodass ich ohne „Hand auflegen“ meine Bushaltestelle mit einem Knopfdruck für den Busfahrer markieren kann, denn Berühren ist ja verboten.

Apropos Post, vorgestern wollte ich meiner Mutter ein Paket schicken, was leider nicht möglich war, denn Briefmarken sind bei größeren Formaten als einem Brief nicht mehr erlaubt. Da hab ich mich erst einmal auf der Matratze eines Bettenhauses nieder gelassen, weil „kein Verkauf und Beratung“. Da kam mir auch keiner dazwischen, um mich darauf hinzuweisen, dass Milben ebenfalls Viren übertragen können.

Ich für meinen Teil, werde mich heute, nachdem ich den urbanen Hot-Spot Münster mit all meiner schlechten Laune und Milliarden von Corona-Viren geflutet habe genüsslich zu einem Kaffee vor die Bibliothek des Philosophikums setzen und ein Buch lesen, denn an den Rechner darf ich ja nicht mehr, wegen Corona, und Bücher fasst ja keiner mehr an.

Aber bevor ich Sie ins wohlverdiente Wochenende entlasse, noch eines: Wer wirklich sicher gehen will, sich keine Grippe oder das Covid-19 Virus einzufangen, sollte mal wieder in die Kirche gehen. Keine Besucher, kein Weihwasser, kein Adi, aber auch kein Internet, also auf Instagram teilen, wie sehr man Gott um Gnade bittet, nicht zu erkranken, geht nicht.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim home-office, das es laut Hubertus Heil von der SPD ja jetzt Gesetz-verpflichtend für Jeden mindestens 24 Tage im Jahr geben soll. Ich freue mich jetzt schon auf das virtuell per Glasfaser, ach ne, jedenfalls unpersönliche nach Hause gelieferte Amuse Gueule* von Lazaretti und Co. Aber wehe, der Fahrer hat beim Liefern seinen Roller berührt. Wer weiß, wo diese Dreckschleuder schon überall gegriffen hat bzw. wurde.

Bis morgen,

Text und Bild: adolf.muenstermann@gmail.com

 

*Wer nicht weiß, was das ist, findet die Antwort ganz sicher im Internet, wenn es denn funktioniert.

 

 

 

 

 



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