Vollkornbrot in Gebärdensprache

In der Backstube von Bach’s Bakery herrscht morgendlicher Hochbetrieb, dennoch ist kaum ein Laut zu hören: Die Angestellten verständigen sich in Gebärdensprache.

Die Bäckerei in Changsha ist nicht nur eine Ausnahme, weil sie deutsches Brot in Zentralchina herstellt. Sondern auch, weil sie fast ausschließlich gehörlose Menschen beschäftigt. 

Dies ist eine Seltenheit in China, wie die Mitarbeiter bestätigen. "Es ist schwer, Arbeit zu finden, es gibt nur wenige Möglichkeiten", sagt Wang Ting. Selbst eine Ausbildung zu machen sei für Gehörlose nicht einfach. Die 28-Jährige ist seit Geburt hörbehindert und versuchte zunächst, in der Werbung zu arbeiten – ohne Erfolg. Vor drei Jahren wurde sie dann von Uwe Brutzer in Bach’s Bakery eingestellt. 

Brutzer und seine Frau Dorothee kamen 2002 aus Deutschland nach Changsha, um bei einer deutschen Hilfsorganisation für Hörgeschädigte zu arbeiten. 2011 übernahm er die Bäckerei. Offiziellen Schätzungen zufolge sind 20 bis 30 Millionen Chinesen hörgeschädigt. Nur langsam entwickelt sich in der Volksrepublik ein Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung. 

Weil die Kommunikation schwierig sei, übten Hörgeschädigte oft handwerkliche Berufe aus, sagt Brutzer. In der Bäckerei hat er bereits etwa 20 Bäckerinnen und Bäcker ausgebildet. Die meisten von ihnen arbeiten jetzt in anderen Bäckereien, Restaurants oder Hotels. "Zwei unserer erfahrensten Bäcker haben versucht, sich selbstständig zu machen, schlossen ihre Bäckereien aber wieder", sagt der 50-Jährige. "Es waren einfach zu viele Herausforderungen für sie." Der Kontakt mit Lieferanten und Kunden sei für Hörbehinderte schwierig. 

Obwohl Bach’s Bakery versteckt in einer Wohnstraße liegt, hat der kleine Laden eine treue Stammkundschaft, die gern deutsches Vollkornbrot oder süße Schnecken kauft. Doch die Gewinnmargen bei Backwaren sind klein, in diesem Jahr machte der Lockdown wegen der Corona-Pandemie Bach’s Bakery zusätzlich zu schaffen. Doch ein neuer Lieferservice hielt die Bäckerei am Laufen. 

Als dann noch mehrere chinesische Medien über die ungewöhnliche deutsche Bäckerei berichteten, legte das Geschäft zu. Der Umsatz habe sich im Vergleich zum letzten Jahr verfünffacht, freut sich Brutzer. Alle paar Minuten kündigt das Quietschen der Ladentür neue Kundschaft an. Die größte Herausforderung für die deutsch-chinesische Bäckerei ist im Moment, die große Nachfrage zu befriedigen. 

sp/jes



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