Salvina Höfler nimmt an „Freiwilligem Ordensjahr“ teil

28-Jährige lebt zur Probe bei den Clemensschwestern in Münster

Münster (pbm/acl). Das Kreuz um Salvina Höflers Hals fällt sofort ins Auge. Für die 28-Jährige ist der goldene Anhänger an der Kette mehr als nur ein Schmuckstück. „Aber wie viel mir der Glaube bedeutet, das weiß ich noch nicht. Das möchte ich hier herausfinden“, sagt sie. Mit „hier“ meint Salvina Höfler das Haus Miriam, ein Konvent der Clemensschwestern in Münster. Mitten in der Stadt, in einem ganz gewöhnlichen Stadthaus neben der Raphaelsklinik, leben vier Clemensschwestern im Alter von Mitte 30 bis 80 Jahren. Und seit einem halben Jahr auch Salvina Höfler, die Jüngste unter ihnen. Sie absolviert ein „Freiwilliges Ordensjahr“, möchte zunächst eintauchen in das Ordensleben und prüfen, ob diese Lebensform ihre Zukunft sein kann.


Salvina Höfler tut die Struktur des Ordenslebens gut. Täglich nimmt sie sich Zeit für das persönliche Gebet. (Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann)

Der entscheidende Satz kam von ihrem Vater. Als Salvina Höfler, die lieber nicht fotografiert werden wollte, im August 2019 nicht wusste, was sie mit ihrem Urlaub anstellen soll, sagte er zu seiner Tochter: „Geh doch ein paar Tage ins Kloster.“ Was scherzhaft gemeint war, hat das Leben der jungen Frau verändert. Sie googelte, informierte sich über Ordensgemeinschaften in der Umgebung ihres damaligen Wohnortes Recklinghausen – und stieß auf die Clemensschwestern. „Sie machten schon im Internet einen offenen, modernen Eindruck und bieten grundsätzlich an, dass man eine Zeitlang mit ihnen leben kann“, berichtet Salvina Höfler. Den ersten Aufenthalt wird sie nicht vergessen. „Ich wurde so herzlich und mit offenen Armen empfangen“, strahlt sie, wenn sie heute daran zurückdenkt. Und noch eine Beobachtung beeindruckte sie: „Mein Akku war nach diesem Urlaub plötzlich wieder bei 100 Prozent, ich hatte neue Energie.“

Fortan verbrachte Salvina Höfler jeden Monat ein Wochenende bei den Clemensschwestern. An jedem Sonntagabend spürte sie: „Ich möchte bleiben, ich möchte nicht mehr zurück nach Recklinghausen.“ Als sie die Ausschreibung für das „Freiwillige Ordensjahr“ entdeckte, ein Projekt der Deutschen Ordensobernkonferenz, bei dem Interessierte zwischen drei und zwölf Monate lang in einer Ordensgemeinschaften mitleben und -arbeiten können, stand ihre Entscheidung fest. Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen zog sie im März bei den Clemensschwestern ein.

Salvina Höfler muss viel lernen über die Kirche, deren Struktur und Inhalte. Einmal in der Woche bekommt sie darum Unterricht bei Schwester Susanne Kamperdick, ihrer Begleiterin während des Jahres. „Meine Kenntnisse reichen nicht über das Grundwissen hinaus“, sagt die 28-Jährige, die im Schwabenland geboren wurde, katholisch getauft und zur Erstkommunion gegangen ist. Ihre Familie ist nicht gläubig, Gottesdienstbesuche gab es nur zu Weihnachten, erinnert sie sich. Nach der Schule ließ sie sich zur Hotelfachfrau ausbilden, zog nach Garmisch-Patenkirchen und arbeitete in einem Familienhotel. „Der Glaube hat in dieser Zeit keine Rolle für mich gespielt“, blickt sie zurück. Über die Kinderbetreuung im Hotel entdeckte Salvina Höfler ihre Leidenschaft für die Kleinsten. Sie wollte etwas Neues erleben und wagte den Umzug von Bayern nach Recklinghausen, wo sie sich zur Tagesmutter ausbilden ließ und sich mit einer Kollegin zusammen selbstständig machte. „Ich kannte niemanden im Ruhrgebiet und habe Anschluss gesucht“, sagt sie. Die junge Frau besuchte die katholische Kirche in der Umgebung, ebenso die evangelische Kirchengemeinde. In letzterer erlebte sie Gemeinschaft über den Gottesdienst hinaus, Salvina Höfler fühlte sich willkommen.


Zeit, um jenseits des Alltags etwas ganz Anderes zu erleben: Das bietet das „Freiwillige Ordensjahr“ Menschen aller Altersgruppen an. Salvina Höfler stellt sich während dieses Jahres der Frage, was sie in ihrem Leben machen möchte. (Fotos: angelika-kamlage.de)

Genau dieses Gefühl hat sie auch bei den Clemensschwestern. „Hier werde ich so akzeptiert, wie ich bin.“ Ihren Beruf als Tagesmutter hat sie aufgegeben. 30 Stunden in der Woche arbeitet sie jetzt auf der Pflegestation im nahegelegenen Mutterhaus. „Da wirst Du begrüßt mit: ‚Schön, dass Du heute wieder da bist. Ich habe mich auf dich gefreut!‘ Das sind Sätze, die ich jahrelang nicht gehört habe und die gut tun“, sagt Salvina Höfler. Der feste Tagesablauf mit den – für sie freiwilligen – Gebetszeiten gibt der 28-Jährigen Struktur. 6.45 Uhr Morgengebet, anschließendes Frühstück und Messe im Mutterhaus, nach der Arbeit die halbstündige Anbetung und das Abendgebet. „Nach dem Abendessen schauen wir zusammen die Nachrichten, spielen oder unterhalten uns“, berichtet Salvina Höfler und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Dabei geht es auch schon mal sehr lustig zu.“

Sorgenfalten bilden sich auf ihrer Stirn, wenn die gebürtige Schwäbin an ihre Familie denkt. Bisher gab es – auch aufgrund der Corona-Pandemie – noch keine Gelegenheit für einen Besuch ihrer Eltern in Münster. „Sie können mit der Situation nur schlecht umgehen“, sagt Salvina Höfler. „In ihren Augen habe ich erst vor kurzem zum Glauben gefunden, was für sie als Atheisten schon schwer genug war, und jetzt gehe ich direkt in ein Kloster.“ Doch sie hat angekündigt: „Solange ich mich hier wohlfühle, werde ich bleiben.“ Immerhin ihre ältere Schwester, die in Hannover lebt, konnte sich schon ein Bild von der neuen Umgebung machen – und sich davon überzeugen, dass es ihrer Schwester gut geht.

Salvina Höfler braucht den Ausgleich: Regelmäßig trifft sie sich mit Freunden in Recklinghausen, nach Corona möchte sie wieder Yoga machen. „Es ist wichtig, dass ich hin und wieder rauskomme, um zu merken, was ich vermisse und ob ich gerne wieder zurückkomme“, sagt sie. Wenn es soweit ist und Salvina Höfler nach dem „Freiwilligen Ordensjahr“ eine Entscheidung treffen muss, weiß sie schon jetzt, wie sie vorgeht: „Ich höre auf das, was mein Herz mir sagt.“

 

Freiwilliges Ordensjahr

Die Ordensgemeinschaften in Deutschland bieten dieses Angebot für alle, die sich Zeit nehmen möchten, um jenseits des Alltags etwas ganz Anderes zu erleben.

Das „Freiwillige Ordensjahr“ bietet die Möglichkeit, drei bis zwölf Monate in einer Ordensgemeinschaft mitzuleben, mitzubeten, mitzuarbeiten und mitzulernen.

Sr. Maria Stadler von der Ordensgemeinschaft der Missionarinnen Christi ist für die Deutsche Ordensobernkonferenz Koordinatorin des Projektes „Freiwilliges Ordensjahr“. Mehr Informationen gibt es im Internet auf www.ordensjahr.de.

Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) vertritt die Interessen der Ordensgemeinschaften in Deutschland mit rund 14.250 Ordensfrauen und rund 3.500 Ordensmännern, die in knapp 1600 klösterlichen Niederlassungen leben.


 


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