Völker hört ihr die Signale?

Russische Auftragsmorde. Republikweite Alarmsirenentests. Vorratsaufforderungen. Wie nah sind wir an dem, was man kaum aussprechen mag?

Ich habe in letzter Zeit häufig über Macht und ihre Definition gesprochen. Es wurde angedeutet, wie ein Niklas Luhmann davon sprach, dass Macht sich in verschiedenen Sphären mit eigener Sprache, er nennt sie Codes, kommuniziert. Es sollte deutlich werden, dass die Diskrepanzen unserer Zeit darauf beruhen, dass verschiedene Machtakte, die sich alle aufeinander beziehen, doch nur sehr bedingt wirklich Einfluss aufeinander nehmen können. Es ist dabei sekundär, ob man mehr der Macht“Idee“ von Fouceault, Luhmann oder Hannah Arendt anhängt. Fakt ist, dass wir uns derzeit inmitten einer Absurdität befinden. Beinahe willkürliche Interpretationen von Regeln, die einst auf moralischen Maximen beruhten, also das soziale Miteinander zu organisieren, münden in Verboten von Kippen-Wegschmeißen, Fluchen verbieten, kurz Idealen zu folgen, bei denen wir schon lange aufgegeben haben, ihre Logik zu verstehen.

Es ist einfacher zu folgen, als zu hinterfragen. Kant würde sagen „wir verlieren uns erneut in der selbstverschuldeten Unmündigkeit unseres Verstandes sich selbst zu bemühen. Auch wir hängen wie Babys am Tropf der Wissenschaft, statt uns konstruktiv Gedanken zu machen. Unser Protest ist ein verwirrtes Agieren im Netz der legitimierten Sprache, die uns determiniert.

Ich glaube, dass unser aktuelles Problem nicht Umweltschutz, Corona oder dergleichen ist. Wir müssen uns ganz banal auf das Wesentliche zurückbesinnen: NIE WIEDER KRIEG! Aber das einzige, was uns wichtig scheint ist: Nie wieder anders. Keiner. Alle in Reih und Glied.

Wir verlieren uns in einer verzweifelten Suche nach Identität. Weil eine digitale Realität alles hat, aber keinen realen Ort des Rekurses, den wir Heimat nennen, ein Ort wo wir nicht allein sind. Wo wir sein dürfen und bleiben dürfen, was wir sind. Ohne uns zu optimieren. Bürger, der als Teil einer Sozialisation, die eigene Identität über die Gemeinsamkeiten mit anderen bestätigt.  

Der aufkommende Protektionismus der USA, das bockige Verhalten Osteuropas mit einer Verweigerung der europäischen Solidarität oder das rücksichtslose Abholzen der Lunge unseres Planeten in Brasilien. Wir denken nur noch an uns, weil uns keiner mehr sagt, wo wir hingehören.

Wir können aber das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Die Mittel von vor hundert Jahren wirken heute nicht. Die Globalisierung ist Fakt, Teil unserer Realität, und wir müssen uns mit ihr arrangieren.

Sie sind Sie, und Sie sind gut so wie Sie sind. Aber so wie Sie gut sind, ist es jeder andere auch, egal wie anders er ist. Ihr Wunsch nach Identität ist allen gemein und jeder kann nur dann mit sich im Reinen sein, wenn dieses Privileg auch allen anderen zugestanden wird.

Lassen Sie uns nicht zum Spielball absurder Mechanismen werden. Protestieren wir nicht gegen etwas, das Fakt ist, sondern für etwas, das mehr als bedroht scheint: Frieden.  

Es ist nicht wichtig, ob Sie sich als Mann, Frau oder irgendetwas anderes empfinden, oder ob das alle gut finden, sondern darum, dass Sie, als was auch immer, nicht neben oder gegenüber anderen, was auch immer, im Schützengraben oder dessen Pendant das Leben lassen.

 

Passen Sie gut auf unseren Frieden auf!


Bild und Text: adolf.muenstermann@gmail.com

           


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