Ich wähl das Kaninchen mit der Taschenuhr

Weil: Macht sonst keiner. Oder so. Es ist wieder Wahlkampf und die Stadt ich tapeziert mit Plakaten von Gesichtern die vordergründig viel versprechen und jegliche Fehler im Lebenslauf oder den Ansichten entweder wegretuschiert oder weg erzogen haben. Ein kleiner Blick.


Ein Schwimmbad für: Gievenbeck, die Innenstadt und Gremmendorf. Das verspricht die SPD. Und einen neuen Stadtteil mit bezahlbaren Wohnungen, von dessen Heil auch die Linke und die Grünen predigen. Ach ja: auch die fdp, denn: Macht [ja] sonst keiner. Aber bei einer Partei die „digital first, Bedenken second“ proklamiert, war ich eh schon immer skeptisch. Ich glaub, ich wähl die Linke, weil ich mich soooo sehr nach einer feministischen Heimat sehne, in der ich Komplimente machen darf, ohne dafür dumm angeschaut zu werden, denn sowas macht man ja nicht unschicklich. Und wenn man das dann nicht so macht, dann mache ich das ja wohl auch nicht. Denken die geistigen Zwischenstationen zum Glück eigentlich hin und wieder eine Sekunde über das nach, was sie schreiben? Keine Frau für bla, bla, bla, … Nazis töten? Echt jetzt?! Von Erwachsenen?

 

Da lob ich mir die jungen Idealisten wie „Volt“ die zwar auch keinen sozialen Wohnungsbau wie in Wien, Fahrradwege wie in Kopenhagen oder eine Auto-freie Innenstadt wie in Madrid bekommen, aber denen glaube ich zumindest, dass das wirklich die Ideale sind, für die sie sich stark machen. Im Gegensatz zu den Piraten, die sich mittlerweile ein Büro mit der ödp teilen und sonst auch nicht mehr von sich reden macht.

 

Oder, ich wähle die freundliche Gesichtsfünf der CDU, oder das Perlweißlächelnde weibliche Mitgiftchen, das blondiert gelockt als die souveräne Familienmanagerin fürs „Team Lewe2 an den Start geht. Nur was sie wollen, das schreiben sie nicht. Wie übrigens auch die Grünen. Die wesentliche Aussage der Sonnenblumenanbeter ist ein Herr mit Halbglatze, der auch im CDU-Kreisverband Hiltrup sitzen könnte. Aber wir wollen ja nicht bei den Äußerlichkeiten verharren; nur müssen wir es wohl, denn Substantielles, hat kein einziger Vertreter souverän vortragen können.

 

Nachdem man mir meine vorgestern meine Wahlbenachrichtigung zurücksandte, da ich um Briefwahlunterlagen bat, was ehedem einmal kostenlos war. Aber die drei Prozent die ich an Mehrwertsteuer bei Joghurt und Milch spare, rappeln sich bestimmt zu 80 Cent für ein geheiligtes Gesicht von Beethoven auf dem Umschlag mit der Bitte, wieder einmal die Wahl zwischen keiner Wahl zu haben.

 

Ich glaub, ich wähl das Kaninchen mit der Taschenuhr. Denn mit allen anderen Figuren, inklusive der Herzkönigin, kann ich leider überhaupt nichts anfangen.

 

Bild: Adolf Ulf Muenstermann

 

 



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