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Diskurs über „du weißt schon wen“

Das Unaussprechliche hat viele Namen und noch mehr Gesichter. Wenn man einmal genau hinschaut, übernimmt die Kommunikation des Unaussprechlichen Macht unserer Sprache.

Wie konnte es nur dazu kommen? Die Stadt, ja unser ganzes Leben ist gepflastert von dem, über das man nicht spricht, dabei ist jedem klar, was gemeint ist. Die bunten Stiele derzeit auf Plakatwänden von Bushaltestellen, wenn f*** in Texten oder Totenköpfe in Sprechblasen zu Tage treten. Die Absurdität dieser Metaphorik mündet im Beschreibungsversuch eines Abstraktionsvorschlages: Sex.

Das vorangegangene Wort, und ich versuche es nicht wieder zu  verwenden, ist eine wissenschaftliche Beschreibung dessen, über das man nicht sprechen sollte. Schaut man einmal in die Historie „von Dem über das keiner sprechen darf“, wird man spätestens 1870 fündig, als in einem Artikel von Westphal auf die vorher nicht existenten Klassifizierungen des Geschlechtsaktes von „richtig“ und „falsch“ hingewiesen wurde. Die Nymphomanin wurde von der Gestrauchelten zur Spezies.

 

Und zu diesem Schritt konnte es nur kommen, weil sich das Geständnis geändert hat. Ein wichtiger Wandel war, dass aus dem Geheimnis eine Verschwiegenheit wurde, also etwas, über das man zwar „hinter vorgehaltener Hand“ aber immerhin sprechen konnte. Und diese Aussage, hinter verschlossenen Türen, mit wispernder Stimme sind Geständnisse, die vormals eigentlich so definiert waren, dass ein Bürger zu seinen Habenschaften stehen musste – das ist meins.

 

Und dieses Geständnis fand zuvorderst in der Beichte statt. Aber auch hier wandelte sich die Busse des Sünders zur Suche nach dem, was es verursacht hat. Somit wurde der Priester zum Synonym der Wahrheit, dem man gestehen konnte, was man selbst nicht von sich wusste.

 

Die Vereinigung von Mann und Frau und das Verlangen danach ist ein Paradebeispiel für die Getriebenheit von Lust. Also ist es folgerichtig, auch hier genau hin zu hören, einen Diskurs über „du weißt schon wen“ zu führen, um seinem Geheimnis auf die Schliche zu kommen.

 

Dieses wunder der Geburt aus der Verschmelzung von Mann und Frau wurde zu einem so hohen Wert stilisiert und von seiner pragmatischen Anwendung aus hedonistischem Trieb abgelöst, dass man es, dieses Wunder, beschützen muss. mit allen Mitteln. Was aber nicht heißt, dass man nicht weiterhin versuchen kann, das Geheimnis zu entschlüsseln. Deshalb verlieren wir uns im Pausenlosen Analogien über das, was man nicht sagt“, weil eine tiefe Sehnsucht in uns wissen möchte, was da passiert, ohne es zu zerstören.

 

Dies führt zu absurden Ursache/Wirkungs-Netzen in unserer moderne Realität. Die Titel anrüchiger Medien sind ein Spiegelbild für die Kultivierung der Notwendigkeit eindeutig zweideutig zu sein. Sie dient einerseits für die Bestätigung von kulturellem Status quo bejahenden zu „Ich stehe zu meiner Perversion, denn ich identifiziere mich darüber in Opposition zu anderen. Leider vergessen die scheinbar Berücksichtigten, dass sie mit der Akzeptanz eine Spezies zu sein, das Anrecht auf Gleichberechtigung verspielen. Der berechtigte Wunsch zur gesellschaftlichen Akzeptanz über das Geständnis, das und das zu sein oder zu mögen, verwissenschaftlichte ein unbeschreibliches Phänomen, das die alten Griechen „ars erotica“ nannten. Das Moment des Erlebens ohne kategoriale Werte.

 

Vielleicht ist es an der Zeit genau in diesem Erlebnis das Geheimnis zu suchen und wenn wir es finden, das Geheimnis der Liebe, es einfach für uns behalten und es genießen. Denn wir wissen doch alle, wie unbeschreiblich das ist.


Bild: Adolf Ulf Muenstermann