Katastrophen im Libanon

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat vor einer weiteren politischen Destabilisierung des Libanon als Folge der Explosionskatastrophe gewarnt.

Es gebe im Land bereits nicht-staatliche, aus dem Ausland finanzierte Akteure wie die schiitische Hisbollah, die ein entstehendes Vakuum nutzen könnten, sagte Maas der "Saarbrücker Zeitung" (Freitagsausgabe). Die Katastrophe berge deshalb das "hohe Risiko", den Libanon "weiter zu destabilisieren".

Der Außenminister nannte eine zeitnahe internationale Geberkonferenz für das Land sinnvoll. Die Bundesregierung wolle den Libanon stärken, denn die Lage dürfe nicht genutzt werden, um ausländischem Einfluss "Tür und Tor zu öffnen". Auch könne kein Land eine derartige Katastrophe alleine bewältigen. In der EU müsse daher überlegt werden, wie die weitere Hilfe bei der Versorgung mit Nahrung und Notunterkünften sowie beim Wiederaufbau von Hafen und Stadt organisiert werden könne.

Der Libanon steckte bereits vor der Explosionskatastrophe in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Lage war in den vergangenen Monaten durch die Corona-Pandemie noch verschärft worden. 

Durch die zwei gewaltigen Explosionen am Dienstagabend wurden große Teile von Beirut schwer beschädigt. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden mindestens 137 Menschen getötet und mehr als 5000 weitere verletzt. Explodiert waren nach den Behördenangaben 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, das jahrelang ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen in einer Lagerhalle am Hafen untergebracht gewesen war. 

Die internationalen Hilfen für Beirut liefen bereits kurz nach der Katastrophe an. Die Bundesregierung stellte in einem ersten Schritt dem Roten Kreuz eine Million Euro für Soforthilfe zur Verfügung. Außerdem traf am Donnerstag ein Team von 50 Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) in der libanesischen Hauptstadt ein.

dja

© Agence France-Presse


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