20 Geiseln in einem Bus

In der Ukraine sind illegale Waffen weit verbreitet. Durch den seit sechs Jahren anhaltenden Ostukraine-Konflikt zwischen Kiew und pro-russischen Separatisten hat sich das Problem noch verschärft.

Ein schwer bewaffneter Mann hat im westukrainischen Luzk etwa 20 Menschen in einem Bus als Geiseln genommen. Der Mann habe Sprengsätze und Waffen bei sich, teilte die Polizei am Dienstag mit. Demnach schleuderte der Mann eine Granate aus dem Bus, die jedoch nicht explodierte, und feuerte in Richtung der Polizei. Verletzt wurde zunächst niemand. Nach Angaben der Polizei war der Mann wegen psychischer Erkrankungen in Behandlung.

Die Polizei riegelte das Zentrum der 200.000-Einwohner-Stadt ab und forderte die Bewohner auf, nicht auf die Straße zu gehen. Laut Staatsanwaltschaft gab der Geiselnehmer an, einen weiteren Sprengsatz in Luzk deponiert zu haben, den er jederzeit per Fernbedienung auslösen könne.

Nach Angaben des stellvertretenden Innenministers Anton Geraschtschenko nahm der Geiselnehmer Kontakt mit der Polizei auf und stellte sich als Maksym Plochoi vor. Ob es sich bei Plochoi tatsächlich um den Geiselnehmer handle, werde noch geprüft, sagte Geraschtschenko der Nachrichtenagentur AFP. Über dessen Motive oder Forderungen äußerte er sich zunächst nicht. 

"Wir verhandeln. Wir hoffen, die Lage auf dem Verhandlungsweg lösen zu können", sagte Geraschtschenko weiter. Er wies zugleich auf "den komplexen Geisteszustand" des Geiselnehmers hin.

Bilder der örtlichen Medien zeigten einen Bus mit zwei beschädigten Scheiben und zugezogenen Vorhängen. Um ihn herum standen schwerbewaffnete Beamte. Laut Polizei handelt es sich dabei um Einsatzkräfte des Inlandsgeheimdienstes SBU.

In auf Online-Netzwerken veröffentlichten Botschaften versicherte der mutmaßliche Geiselnehmer, er sei mit Waffen und Sprengsätzen ausgerüstet. Er gab an, gegen das "System" zu sein und stellte Forderungen an die Behörden. Die Polizei hält die Botschaften für authentisch. Ein von ihr im Internet veröffentlichtes Video zeigt zudem einen mit einem Schnellfeuergewehr bewaffneten Mann, bei dem es sich um den Geiselnehmer vor seiner Tat handeln könnte.  

Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von "beunruhigenden Nachrichten aus Luzk". Es werde alles unternommen, die Situation gewaltlos zu lösen, erklärte er auf Facebook. Innenminister Arsen Awakow reiste nach Angaben seines Ministeriums in die rund 400 Kilometer von Kiew entfernte Stadt, um eine Lösung der Krise zu koordinieren.

In der Ukraine sind illegale Waffen weit verbreitet. Durch den seit sechs Jahren anhaltenden Ostukraine-Konflikt zwischen Kiew und pro-russischen Separatisten hat sich das Problem noch verschärft. Im Jahr 2017 hatte ein bewaffneter Mann elf Menschen in einem Postamt der im Osten gelegenen Stadt Charkiw festgehalten, bis diese von der Polizei gewaltsam befreit wurden.

ans/cp

© Agence France-Presse


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