„Sie verlassen nun die USA“

Erst friedliche Proteste, dann Gewalt, Brände und zum Schluss die Besetzung ganzer Stadtteile? Wie ist es zu dem autonomen Zentrum der „Black Lives Matter“-Bewegung gekommen?

Seattle/Washington/USA

Am 25.05.2020 starb George Floyd bei einer Polizeikontrolle. Ein Polizist fixierte den Hals des Bürgers acht Minuten und 46 Sekunden zwischen Bordstein und seinem unnachgiebigen Knie. Dies war sein Todesurteil. Unter dem Flehen nach seiner Mutter und den nun weltberühmten Worten „I can't breath“ breiteten sich Solidaritätsdemos über den Globus aus. Mehr als 15.000 Menschen kamen allein in Berlin unter dem Slogan „Black Lives Matter“ zusammen . Da Geoge Floyd kein Einzelfall von wahlloser Polizeigewalt in den USA ist, fielen die Proteste dort am heftigsten aus.

Die Forderungen in Reden, auf Pakaten und auf Twitter: “Weniger Geld für das Polizeibudget“ und „Schwarze Leben zählen“. Die erst friedlichen Demonstrationen eskalierten an manchen Orten in Plünderung, Brandstiftung und Gewalt. Und das alles war nur das Vorspiel:

Eine Polizeiwache eines Ostbezirks von Seattle wurde vorrübergehend aufgelöst. Sie war Austragungsort vieler vorangegangener Proteste. Die Bürgermeisterin, Jenny Durkan, schiebt die Schließung auf das Seattle Police Department. Die Polizeichefin Carmen Best erklärte wiederum vergangenen Dienstag: „Ihre Entscheidung wäre das nicht gewesen.“

Die Demonstranten sahen das als Sieg über die Gegend und errichteten provisorisch die „Capitol Hill Autonomous Zone“, kurz CHAZ. „Sie verlassen nun die USA.“ ließt der Besucher an einer improvisierten Barrikade am Anfang des autonom organisierten Gebiets. 6 Blöcke in der Nachbarschaft um Capitol Hill sollen Amerika der Linken Utopie näher bringen. Manche reden sogar von einer Revolution. Die Reaktionszeit der Polizei auf Notrufe aus der Gegend stieg in dieser Woche von fünf auf 18 Minuten, so Polizeichef Best. Ob es den Demonstranten gelingt dem politischen Druck von Außen und den sozialen, wie logistischen Herausforderungen innerhalb des CHAZ gerecht zu werden, wird die Zukunft entscheiden. Heute aber steht die USA vor Fragen. Sei es das marode Gesundheitssystem, der systemische Rassismus, oder die Schere zwischen Arm und Reich. Und vielleicht fragen wir uns wie sich die Polizeicheffin mit afroamerikanischen Wurzeln, Carmen Best, fühlt. Zwischen den Stühlen? Die Probleme sind klar sichtbar. Werden diese sozialen Themen vernachlässigt könnte der innere Frieden in den vereinigten Staaten bröckeln.



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