Harte Zeiten für die Hotellerie

Seit Montag haben Hotels auch wieder für Privatreisende geöffnet. Zur Erleichterung vieler Betreiber in NRW auch ohne Maximale Belegungsraten oder eine Wiederbelegungssperre, innerhalb dieser ein Zimmer nicht bezogen werden darf. Dennoch bleiben Buchungen weitgehend aus.

Die Sleep Station, ein Backpacker Hostel in der Wolbeckerstraße, hat gerade einmal eine Buchung im September und eine von 2 Radfahrern zu vermerken. Geschäftsführerin Ute Warnecke arbeitet seit dem Lockdown ganz alleine in ihrem Hostel. Alle ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren Studierende ohne Festanstellung. Zu Beginn des Lockdowns hatte sie Einzelgespräche geführt und ihnen geraten sich erstmal etwas anderes zu suchen. „Ich habe dann das Hostel selber renoviert, weil mir klar war, dass ich mir keinen Maler mehr leisten kann.“ 

Auch jetzt nach dem Lockdown kann sie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht bezahlen. Seit Montag übernimmt sie alle Schichten alleine. „Das kann ich natürlich auf Dauer auch nicht durchhalten.“, klagt Warnecke. 

Vom Staat hatte sie als finanzielle Unterstützung eine 1-mal Hilfe erhalten. Davon konnte sie gerade einmal eine Monatsmiete begleichen. Vom Vermieter gibt es kein Entgegenkommen. Warnecke muss die volle Miete leisten. Um sie herum schließen bereits viele Betriebe oder versuchen ihr Hotel zu verkaufen.

Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) NRW Hellwig beschreibt die aktuelle Lage in der Hotellerie als „verheerend und katastrophal“. NRW hat keine Alpen oder die Nordsee und ist deshalb sehr Geschäftsreisen geprägt. Da Messen, Tagungen und Seminare derzeit ausbleiben, ist der Geschäftsreisenden Verkehr sehr wenig geworden. So steht die Hotellerie vor einer sehr großen Herausforderung. Es ist aktuell nahezu unmöglich schwarze Zahlen zu schreiben. Laut DEHOGA werden sehr viele Betriebe ohne finanzielle staatliche Unterstützung vor dem Aus stehen. Die Lockerungen können daran nur bedingt etwas ändern.

„Unsere Forderungen sind klar. Wir brauchen ein gesetzliches Rettungspaket.“, so Hellwig.

Besser sieht es da für das Münster Kongresshotel TRYP aus. Schon ganz zu Beginn des Lockdowns wurde für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Kurzarbeit angemeldet und das Hotel geschlossen. Am Montag ging das TRYP Kongresshotel in Münster mit 10 Zimmern wieder an den Start. Alle Buchungen sind bisher von Geschäftsreisenden. Ein umfangreiches Hygienekonzept, unter anderem gründlicheres Desinfizieren und Putzen der Zimmer, erwartet verstärkte Anstrengungen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Bar und Sauna bleiben geschlossen. Lediglich ein kleines Frühstück wird angeboten, to go oder auf das Zimmer. General Manager Andreas Lachmuth gibt sich zuversichtlich: „Die Buchungslage kann sich zum Wochenende noch ändern. Es werden dann auch bestimmt wieder Privatreisende kommen. Wir machen uns da insgesamt wenig Sorgen, da wir finanziell recht gut aufgestellt sind.“ 

Von vielen Seiten wird vermutet, dass die Leute in diesem Sommer lieber auf Campingplätze und Ferienwohnungen umsteigen. Für Ute Warnecke und ihre Sleep Station heißt das flexibel bleiben: „Vielleicht kann ich ja auch Ferienwohnungen aus meinen Zimmern machen. Man muss sich nur zu helfen wissen“.




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